Schadstoffbelastet

Neue Pläne für das ehemalige Rütgers-Gelände

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Hanna Kastendieck
Mike Hemmerich, Geschäftsführer WHM Lerchenpark GmbH (l.) und Architekt Jens Heitmann präsentierten die Pläne für das Rütgers-Gelände auf Großbildleinwand in der Buchholzer Empore.

Mike Hemmerich, Geschäftsführer WHM Lerchenpark GmbH (l.) und Architekt Jens Heitmann präsentierten die Pläne für das Rütgers-Gelände auf Großbildleinwand in der Buchholzer Empore.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Neuer Eigentümer will das mit Schadstoffen belastete Areal sanieren und plant auf 16 Hektar ein neues Quartier zwischen Bahnhof und City.

Buchholz.  Es ist ein Sahnegrundstück, nur einen Steinwurf entfernt vom Buchholzer Stadtzentrum, fußläufig zum Bahnhof gelegen und so groß, dass ein ganz neues Quartier darauf Platz haben könnte. 16 Hektar umfasst das Gelände der ehemaligen Rütgerswerke am Heidekamp zwischen Suerhoper Straße, Rütgersstraße und An der Schwellenfabrik. Trotz der attraktiven Lage zwischen City und Bahnhof fand sich über Jahrzehnte hinweg kein geeigneter Investor, der das 16 Hektar große Areal im Herzen der Stadt erwerben und entwickeln wollte. Denn: Das Gelände ist kontaminiert.

Bis 1986 arbeitete hier das Imprägnierwerk der Firma Rütgers, das hölzerne Eisenbahnschwellen und Telegrafenmasten mit Teeröl imprägnierte. Der Boden und das Grundwasser ist mit Schadstoffen belastet, zum Teil viele Meter tief. Die Sanierung gilt als aufwendig und teuer.

Jetzt aber gibt es einen neuen Anlauf für das Gelände. Für 6,5 Millionen Euro hat das Hamburger Unternehmen WHM Lerchenpark GmbH die 160.000 Quadratmeter große Fläche erworben. Dessen Geschäftsführer Mike Hemmerich sagt: „Das, was wir hier vorhaben, ist unser täglich Brot. Wir wollen noch in diesem Jahr mit der Sanierung der Fläche beginnen. Unser Ziel ist es, hier gesundes Wohnumfeld zu schaffen. In spätestens zwei Jahren können wir fertig sein.“

Schadstoffbelastung reicht in Teilen des Geländes bis in 60 Zentimeter Tiefe

Auf der Fläche südlich des Bahnhofes soll, so die Vorstellungen des neuen Eigentümers, im Anschluss an die Sanierung ein völlig neues Quartier entstehen. „Wir wollen ein für alle Bürger gemischt genutztes Quartier entwickeln“, sagt Lerchenpark-Architekt Jens Heitmann. Mit Altenwohnheim, Miet- und Eigentumswohnungen, Reihenhäusern, hoch- und niedrigpreisig, so dass für alle Teile der Bevölkerung etwas dabei sein werde. Geplant seien außerdem Kitas in ausreichender Anzahl sowie ein Nahversorger. Auch an einer Erweiterung der Grundschule wolle sich der Investor beteiligen. „Wir wollen, dass die Kinder kurze Wege haben“, so Heitmann. Zudem solle es Radverbindungen ins Stadtzentrum geben und, sofern von der Politik unterstützt, möglichst wenig Autoverkehr im Viertel.

„Wir wollen ein klimaneutrales Quartier schaffen mit entsprechend regenerativer Energie. Wir bauen nach neuesten Energiestandards und so viel wie möglich mit Holz“, ergänzt Mike Hemmerich. Wie viel Wohnraum tatsächlich entstehen muss, damit die WHM Lerchenfeld GmbH die angepeilte „schwarze Null“ erreichen kann, lässt der Investor derzeit offen. Nur soviel verrät Architekt Jens Heitmann: „Wir haben hier ein 150.000 Quadratmeter großes Grundstück. Da ist viel möglich.“ Am Ende werde ein funktionierendes Quartier stehen – und damit auf jeden Fall mehr als nur eine Wohneinheit.

Damit die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, müssen jedoch erst einmal unzählige Lkw-Ladungen an Boden abgefahren werden. Die Schadstoffbelastung reicht in überwiegenden Teilen des Geländes bis in 60 Zentimeter Tiefe. In Teilbereichen müsse allerdings auch bis elf Meter Tiefe abgetragen werden, so das Ergebnis der Bodengutachter. Rund 20 Millionen Euro sind für diese Sanierungsarbeiten eingeplant.

Grundwasser muss in 30 bis 50 Metern Tiefe gereinigt werden

Darüber hinaus muss auch das Grundwasser in 30 bis 50 Metern Tiefe gereinigt werden. Dieses ist auf einem zwei Hektar großen Teilgebiet besonders schwer belastet. Für die Reinigung dieser Kernfläche, auf der das Werk stand, ist die Rütgers GmbH, heute ein Unternehmen des Evonic-Konzerns, verantwortlich. „Eine mehrstufige Reinigungsanlage ist bereits installiert und geht dieser Tage in Betrieb“, sagt Buchholz’ Baudezernent Stefan Niemöller. Und auch die Sanierung des Bodens könnte, nach Aussagen der Investoren, zeitnah starten. Vorausgesetzt, der Landkreis stimmt den Sanierungsplänen zu. „Dann legen wir im Herbst / Winter mit den Arbeiten los“, so Heitmann.

Für die Buchholzer bedeutet das: Sie müssen mit zusätzlichem LKW-Verkehr rechnen. Allerdings nicht zu den Hauptverkehrszeiten, wie Mike Hemmerich betont. „Der Boden kommt definitiv nur an Zeiten weg, an denen es die Straßen zulassen.“ Parallel zu den Sanierungsarbeiten möchte der neue Eigentümer mit der Stadt in ein Bebauungsplanverfahren eintreten. Ein erstes Auftaktgespräch dazu solle es bereits nach Ostern geben, so Heitmann.

Der Verkauf des Rütgers-Areals könnte massive Auswirkungen auf die Entwicklung der Stadt Buchholz und das in Planung befindliche Projekt „Buchholz 2025plus“ haben. Dieses sieht den Bau von 1500 Wohneinheiten im Osten der Stadt vor. Zur Anbindung des Quartiers soll eine neue Umgehungsstraße gebaut werden, die zudem den innerstädtischen Verkehr entlasten soll. Um diese Straße gibt es seit mehr als vier Jahrzehnten Diskussionen in Buchholz. Kritiker wie die Buchholzer Liste fordern angesichts der neuen Umstände, auch das Rütgers-Gelände mit in alle weiteren Planungen einzubinden, da die Entwicklung der Fläche Auswirkungen auf Umfang und Ausmaß des Plangebietes „Buchholz 2025plus“ haben werde.

Grundwassersanierung beginnt

Für die Sanierung des Grundwassers in der besonders durch Teeröl belasteten Kernzone, in der die Rüttgerswerke die Kesseldruckimprägnierung der Hölzer durchführte, ist das Unternehmen Evonic verantwortlich.

In einer Leichtbauhalle wurde dafür eine moderne, mehrstufige Grundwasser-Reinigungsanlage installiert, in welcher pro Stunde neun Kubikmeter Wasser gereinigt werden sollen, die aus einer Tiefe zwischen 20 und 60 Metern hinaufgepumpt werden. Das gereinigte Wasser wird in Versickerungsbrunnen abgegeben.

Die Anlage soll zunächst für 20 Jahre in Betrieb sein und 100 bis 200 Kilogramm Teerölrückstände pro Jahr herausfiltern. Das Grundwasser wird aus den ehemaligen Sickerschächten entnommen. Durch die Schadstoffe in den tiefen Bodenschichten geht keine Gefahr für die Bevölkerung aus.

( hk )