Naturschutz

Lüneburger Heide wird FFH-Gebiet

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Rolf Zamponi
Eine typische Heidelandschaft mit Wacholder, Besenheide und Sandwegen, wie sie sich zur Blütezeit im August präsentiert.

Eine typische Heidelandschaft mit Wacholder, Besenheide und Sandwegen, wie sie sich zur Blütezeit im August präsentiert.

Foto: Markus Tiemann / dpa-tmn

Der Landkreis Harburg hat sein Einvernehmen mit der Verordnung des Heidekreises erteilt. Das Gebiet umfasst 23.480 Hektar

Kreis Harburg.  Das letzte von 14 Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebieten im Landkreis Harburg ist jetzt beschlossen. Die Entscheidung für das Gebiet „Lüneburger Heide“ fiel am Mittwochabend im Kreis-Umweltausschuss mit Mehrheit. Das Gebiet hat der Heidekreis ausgewiesen, da der größte Teil der betroffenen Fläche von 23.480 Hektar zu diesem Kreis gehört. Der Landkreis Harburg hat mit dem Beschluss sein Einvernehmen zu der Verordnung aus der Nachbarkreisstadt Bad Fallingbostel erteilt.

Lüneburger Heide steht seit 1922 unter Schutz

Die Lüneburger Heide ist das zweitälteste Naturschutzgebiet Deutschlands und wurde 1922 erstmals gesichert. Die Schutzgebietsverordnungen und die Abgrenzungen mussten nun mit aktuellen Entwicklungen und Rechtsgrundlagen abgestimmt werden. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sind die Kreise verpflichtet, die in ihren Gebieten liegenden Teile des FFH-Gebietes „Lüneburger Heide“ sowie des EU-Vogelschutzgebiet „Lüneburger Heide“ als geschützte Teile von Natur- und Landschaft auszuweisen. Die bereits bestehende Naturschutz(NSG)-Gebietsverordnung „Lüneburger Heide“ wird an die FFH-Richtlinie angepasst. Mit ihr soll der entsprechende Landschaftsausschnitt der Heide mit der historisch gewachsenen Heidekulturlandschaft und angrenzenden Wäldern erhalten, gefördert und wieder hergestellt werden.

Geprägt durch Bach- und Trockentäler

Das Gebiet ist besonders geprägt durch den Wilseder Moränenzug, durch Flugsand- und Dünenfelder, Bach- sowie Trockentäler. Es ist ein Quellgebiet für zahlreiche Bäche. Das NSG beherbergt zudem eines der letzten Birkhuhnvorkommen Deutschlands. Die Flächen stellen die größten zusammenhängenden Heiden der nordwesteuropäischen Geest dar. Sie sind aus der Heidebauernwirtschaft entstanden und daher national und international von Bedeutung.

Zahlreiche Einschränkungen durch den Naturschutz

In dem Naturschutz- und neuen FFH-Gebiet darf die Ruhe durch Lärm oder Licht nicht beeinträchtigt werden. Sport- und Musikveranstaltungen, Rallyes, Umzüge und ähnliche Veranstaltungen unter freiem Himmel ohne die Erlaubnis der Naturschutzbehörde sind untersagt. Öffentliche Führungen werden jedoch von dem Verbot nicht erfasst, soweit es sich um ruhige Wanderungen auf vorhandenen Wegen außerhalb der Dunkelheit handelt.

Verboten ist zudem zu zelten oder Wohnwagen und ähnliche Fahrzeuge aufzustellen sowie Bohrungen aller Art niederzubringen. Ausgenommen von dem Verbot sind hier Grundwassermessstellen sowie land- und forstwirtschaftliche Standortkartierungen. Es darf auch kein Wasser aus Fließ- und Stillgewässern oder Grundwasser entnommen werden und Hunde müssen an der Leine laufen. Auch angeleint dürfen die Tiere die Wege nicht verlassen. Dies gilt wiederum nicht auf Haus-, Hof- und Gartengrundstücken und für Hüte- und Jagdhunde, die ihren Dienst versehen.

Einschränkungen gibt es in Naturschutzgebieten für die Landwirtschaft beim Düngen oder dem Einbringen von Dünger auf Mähwiesen, auf denen dann weniger Heu geerntet werden kann.

„Artenschutz ist auch Schutz für Menschen“

„Der EU ist mit der FFH-Richtlinie ein großer Wurf gelungen,“ hatte zuletzt der im Kreis Harburg zuständige Kreisrat, Josef Nießen, dem Abendblatt gesagt. „Wir glauben, dass die Erkenntnis wächst, dass der Artenschutz auch die Menschen schützt.“

Gilt für die Lüneburger Heide Naturschutz, hat sich die Politik im Landkreis Harburg in einigen Fällen für einen Landschaftsschutz bei FFH-Gebieten entschieden. Ob das juristische Konsequenzen wie in anderen Regionen bundesweit haben wird, ist offen. Genauso offen ist, ob das noch immer anhängige Verfahren der EU wegen der versäumten Fristen für die FFH-Gebiete in den einzelnen Mitgliedsstaaten noch zu Strafzahlungen führen wird. Deutschland ist hier nicht ausgenommen.