Buxtehude/Harburg

Trotz Wachtelkönig: Kommt der Bahn-Radweg doch noch?

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Axel Tiedemann
Diese drei Varianten des Radwegs werden geprüft.

Diese drei Varianten des Radwegs werden geprüft.

Foto: Frank Hasse / ha

Naturschutzbehörden lehnten Strecke bislang ab, da Vogelschutzgebiet betroffen ist. Jetzt gibt es Hoffnung – dank Hamburg.

Buxtehude/Neu Wulmstorf.  Die Forderung nach einem direkten und gut ausgebauten Radweg zwischen Buxtehude und Neu Wulmstorf gibt es schon lange. Doch die ideale Trasse dazu entlang der Bahn auf einem vorhandenen Feldweg stieß bisher immer auf Ablehnung der Naturschutzbehörden, weil sie durch ein streng geschütztes Vogelschutzgebiet verlaufen würde, in dem auch der seltene Wachtelkönig brüten soll. Doch jetzt gibt es offensichtlich berechtigte Hoffnung, dass diese Strecke doch noch für den Radverkehr geöffnet wird. Hintergrund sind die Planungen in der Metropolregion Hamburg für ein Netz von Radschnellwegen.

Derzeit werden für sieben dieser möglichen Strecken Machbarkeitsstudien erstellt. Für die etwa 56 Kilometer lange Trasse zwischen Stade und Hamburg gab es da allerdings einen großen „Knackpunkt“, wie es bei den Planern hieß, weil sie eben das geschützte Moorgebiet zwischen Buxtehude und Neu Wulmstorf queren muss. Nach einem Beschluss des Stader Kreistag-Umweltausschusses wurde daher ein Gutachterbüro beauftragt, das Querungsvarianten dazu auf ihre Naturschutz-Verträglichkeit hin untersuchen sollte.

Vögel gestört durch Lärm oder „optische Reize“?

Eine geprüfte Strecke streift das Naturschutzgebiet im Norden, eine andere im Süden. Und eine verläuft eben direkt von Buxtehude mittendurch nach Neu Wulmstorf an der Bahn. Dabei prüften die Gutachter vor allem, wie sich ein solcher Weg auf geschützte Vogelarten wie den Wachtelkönig auswirkt. Etwa durch Lärm oder „optische Reize“. Immerhin gut vier Meter breit werden solche Radwege geplant, zusätzlich sind auch zwei Meter breite Fußwege vorgesehen. Das Ergebnis der Studie liegt nun vor:

Erwartungsgemäß werten die Gutachter die „Variante 1“ entlang der Bahn als am ungünstigsten. Die geringsten Störungen erwarten sie von der nördlichen Variante, die am Rand der Rübker Straße verlaufen würde. Durch die Nähe der dort ebenfalls geplanten A26 ist laut Gutachtern ohnehin schon von einer großen „Störwirkung“ auszugehen. Mit anderen Worten: Der Krach der neuen Autobahn wird dort so beherrschend sein, dass ein Radweg die Sache kaum noch verschlimmern könnte.

Eine direkte Verbindung nach Neu Wulmstorf gäbe es dann allerdings nicht, diese Trasse knüpft an einen Schnellradweg-Abzweiger an, der von Neu Wulmstorf bis nach Finkenwerder und dort zum Fähranleger verlaufen würde.

Schlupfloch für die ungünstige Bahn-Trasse

In ihrer Bewertung ließen die Gutachter aber noch eine Art Schlupfloch für die eigentlich ungünstige Bahn-Trasse. So zumindest sieht es die Kreisverwaltung in Stade: „Im Ergebnis können alle Varianten und damit eben auch die Führung parallel zur Bahnstrecke mit dem Schutzzweck des Gebiets verträglich sein, wenn entsprechende Vermeidungsmaßnahmen umgesetzt werden“, heißt es in einer Mitteilung der Kreisverwaltung an den zuständigen Ausschuss.

Die genannten Vermeidungsmaßnahmen beziehen sich dabei auf die Annahme, dass neue Wege im Moor nicht nur von Radfahrern, sondern auch verstärkt von Spaziergängern genutzt werden. Und dann sei nicht selten auch von freilaufenden Hunden auszugehen, die den ohnehin dort sehr seltenen gewordenen Wachtelkönig vertreiben könnten. So wurden im vergangenen Jahr dem Gutachten zufolge dort nur noch zwei „Rufplätze“ des Wachtelkönig-Männchens nachgewiesen. Ein Jahr zuvor seien es noch sechs solcher Plätze gewesen.

Die Gutachter schlagen daher vor, dass unabhängig davon, welche Variante schließlich gewählt wird, an dem künftigen Radschnellweg Schutzzäune oder auch Kombinationen aus Zaun und Gehölzen angelegt werden. Zudem müsste später geprüft werden, ob auch andere Wege in dem Gebiet mehr als derzeit genutzt werden. Sollte das der Fall sein, müssten bestehende Wegverbindungen dort gesperrt werden, um „großflächige und ruhige Bereiche“ herstellen zu können.

Trasse an der Bahn die „logische“ Variante

Die bei dem Planungsverbund Metropolregion Hamburg zuständige Radschnellwege-Projektleiterin Susanne Elfferding sieht daher das Ergebnis des Gutachtens sehr positiv. Die Trasse an der Bahn sei eben die „logische“ Variante.

Bis zum 21. Juni müssten nun die Machbarkeitsstudien für alle Radschnellwege abgeschlossen sein, so Elfferding. Anschließend müssten die beteiligten Kommunen eine Umsetzung entscheiden und Fördermittel beantragen. Ganz billig ist der Bau solcher Superradwege eben nicht: Nach Erfahrungen aus anderen Regionen kostet der Bau von nur einem Kilometer Schnellradweg schon einmal 1,5 Millionen Euro. Wesentlich günstiger wird es, wenn schon vorhandene Wege lediglich ausgebaut werden müssten. Und das wäre bei der Bahn-Trasse zwischen Buxtehude und Neu Wulmstorf weitgehend der Fall.