Niedriges Grundwasser

Forderung: Hamburg soll Elbwasser in die Nordheide pumpen

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Die Luftaufnahme zeigt das Wasserwerk Nordheide.

Die Luftaufnahme zeigt das Wasserwerk Nordheide.

Foto: HA

Als Gegenleistung für die Wasserentnahme soll Hamburg Wasser vorgeklärtes Elbwasser in den Landkreis Harburg schaffen.

Landkreis Harburg.  Die Kreistagsfraktion der Liberal Konservativen Reformer (LKR) unterstützt den Vorstoß von Linken und Grünen im Landkreis für einen „Runden Tisch Wasser Nordheide“.

Wie berichtet, fordern Grüne und Linke Auskunft über die Grundwassersituation vor Ort. Sie wollen wissen, welche Handlungsmöglichkeiten der Kreis hat, die extrem niedrigen Grundwasserstände aufgrund zunehmend trockener Sommer zu kontrollieren und regulierend einzugreifen. Dazu soll der Runde Tisch ins Leben gerufen werden.

Weiteres Problem: Hamburg entziehe Nordheide Wasser

Die LKR-Kreistagsfraktion schließt sich der Forderung an und weist diesbezüglich auf eine weitere Problematik hin. Nicht nur verminderte Niederschläge und somit eine verringerte Grundwasserbildung seien das Problem. Hinzu komme, dass Hamburg Wasser der Nordheide jährlich 18,4 Millionen m³ Grundwasser entziehe, das seien 4906 olympische Schwimmbecken, die aus der Nordheide gepumpt werden. Umstritten ist, welche ökologischen Folgen die Entnahmen haben. Seit Jahren gibt es Diskussionen darüber, ob die Grundwasserförderung Schäden an Natur und Gebäuden nach sich ziehen kann.

Die LKR-Kreisfraktion fordert nun als Gegenleistung für die Wasserentnahme von Hamburg Wasser die Versickerung von vorgeklärtem Elbwasser in der Nordheide für den Landkreis zu beschließen und auf diese Weise zu einer für beide Seiten befriedigenden Lösung der Wasserproblematik zu kommen. „Dieses Modell – im Norden bisher unbekannt – wird zum Beispiel im hessischen Ried seit 1989 in ähnlicher Form erfolgreich praktiziert“, sagt Hans-Jürgen Bletz, stellvertretender LKR-Kreisvorsitzender.

Vorbild für Versickerung von Elbwasser ist Hessen

„Hintergrund dort war und ist der ständig wachsende Trinkwasserbedarf Frankfurts, der seit Beginn der 60er Jahre nur noch aus dem Umland heraus gestillt werden konnte. In der Folge pumpten Frankfurt und die angrenzenden Städte das hessische Ried ‘leer’.“ Erst die Versickerung von vorgeklärtem Rheinwasser sorge seitdem für einen wieder hergestellten und dauerhaft normalen Grundwasserpegel. Die Situation des Landkreises stelle sich, so Bletz, bis auf einen entscheidenden Punkt ähnlich dar.

Nach Vorstellungen der LKR-Kreistagsfraktion soll oberhalb der Staustufe Geesthacht das Wasser der Elbe entnommen, vorgeklärt und im Anschluss zur Versickerung in die Nordheide gepumpt werden. Die Mindestmenge zur Versickerung soll mindestens in Höhe der jährlichen Wasserentnahme durch Hamburg Wasser erfolgen. Sie soll nicht nur der Erhaltung des Trinkwasserreservoirs Nordheide zugute kommen, sondern auch dafür sorgen, dass künftig genug Wasser für die Bewässerung der Felder zur Verfügung steht.

Auch SPD-Fraktion beschäftigt sich mit Wasserproblematik

Auch die SPD-Fraktion im Kreistag beschäftigt sich mit der Wasserproblematik. Sie will von der Verwaltung wissen, welche Wassermengen für welche Zwecke in den vergangenen Jahren entnommen worden sind und welche Maßnahmen zum Naturschutz im Landkreis in welcher Höhe gefördert worden sind. Die Antwort zeigt, dass die Gesamtentnahmemenge an Wasser im Kreis seit 2015 nur geringen Schwankungen unterlegen war.

Sie lag im Schnitt bei 35 Millionen Kubikmetern. Im Hitzesommer 2018 waren es sechs Millionen Kubikmeter mehr. Darüber, ob und in welcher Höhe die vom Land Niedersachsen erhobenen Entnahmegebühren für die Wasserförderung in Naturschutzprojekte im Landkreis Harburg fließen, kann die Verwaltung keine Angaben machen.

( hk )