Jesteburg

Kunststätte plant Sanierung für 700.000 Euro

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Rolf Zamponi
Der Kunsttempel der Bossard-Anlage muss dringend saniert werden.

Der Kunsttempel der Bossard-Anlage muss dringend saniert werden.

Foto: Kunststätte Bossard

Drei Institute sollen für Gutachten über die Rolle der Bossards im Nationalsozialismus angefragt werden. Kreis soll mit 400.000 Euro fördern

Jesteburg. Für die Kunststätte Bossard hat die angestrebte Neuausrichtung begonnen. Den Weg hat die kaufmännische Geschäftsführerin Heike Duisberg-Schleier jetzt in der ersten Sitzung des neuen Kulturausschusses vorgestellt. Die Aufgaben reichen von der Gebäudesanierung, über neue Veranstaltungen bis hin zur Aufarbeitung der zuletzt erneut kritisch hinterfragten Rolle von Professor Johann Michael Bossard und seiner Frau Jutta während des Nationalsozialismus.

Landkreis gibt jährlich 400.000 Euro Fördersumme

Die neue Bossard-Chefin setzt dabei darauf, dass der Landkreis seine Förderung von jährlich 400.000 Euro künftig aufrecht erhält. Bisher gilt die Summe für die Haushalte 2020 und 2021. Zudem soll „möglichst rasch“ eine neue Stelle für einen Wissenschaftler eingerichtet werden, der Expertise für Kunstgeschichte und Erfahrungen im Ausstellungswesen mitbringt. Dafür stand bisher die ehemalige Bossard-Leiterin Gudula Mayr, die das Museum im Dezember verlassen hat. Um die neue Stelle gingen bei der Trägerstifttungen 14 Bewerbungen aus Deutschland und der Schweiz ein

Personalkosten steigen in diesem Jahr

Zur Finanzsituation des Museums, das nun zum zweiten Mal von einem Lockdown betroffen ist, legte Duisberg-Schleier im Aussschuss für 2020 zwar einen Überschuss von knapp 67.000 Euro vor. Doch dieser kam vor allem durch einmalige Spenden der Sparkasse Harburg-Buxtehude sowie Corona Hilfen vom Land und noch ohne Abschreibungen zustande. Für dieses Jahr fällt zudem das Gehalt von Duisberg-Schleier, die am 1. Juni 2020 begonnen hatte, für das gesamte Jahr an. Das Gehalt von Mayr hatte zuletzt noch der Landkreis als einer der Gründungspartner der Stiftung übernommen. Das Entgelt zahlt nun ebenfalls die Stiftung. „Wir rechnen damit, dass die Personalkosten in diesem Jahr von 230.000 Euro auf 315.000 Euro steigen“, sagte Duisberg-Schleier dem Abendblatt.

Für ein wissenschaftliches Gutachten über die Rolle des Ehepaares Bossard und ihrer Kunst während der Zeit des Nationalsozialismus hatte sich der Stiftungsrat im Mai ausgesprochen. Auslöser für die zuvor geführte Debatte war vor allem ein Mosaik im Eddasaal, dem ehemaligen Atelier und späteren Wohnraum des Ehepaares, welches ein Hakenkreuz darstellt.

Wissenschaftliches Gutachten zur Rolle Bossards in der NS-Zeit

Die Stiftung soll sich nach der Empfehlung des Kultur-Ausschusses nun mit drei möglichen Adressen befassen. Dabei handelt es sich um das Institut für Zeitgeschichte (Berlin/München), das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der Technischen Universität Dresden und das Institut für Didaktik der Demokratie an der Leibniz-Universität Hannover. Alle drei hatte der Osnabrücker Professor Thomas Vogtherr vorgeschlagen. Der Ausschuss will nach den Erkundigungen eine Empfehlung abgeben. „Unser Ziel ist es, dass die Arbeiten noch in diesem Jahr beginnen“, sagte Duisberg-Schleier. Abschließend wird der Stiftungsrat, an dessen Spitze Landrat Rainer Rempe steht, über die Vergabe des Gutachtens entscheiden.

Kunsttempel muss saniert werden

Ein wichtiger Schritt für das Museum ist zudem die Sanierung des Kunsttempels aus dem Jahr 1926. Am heutigen Mittwoch sollen dazu die Angebote für das Projekt eingehen. Der Hintergrund: Das fast 100 Jahre alte Gebäude muss in Bezug auf sein Bauwerk und die Bauplastiken restauriert werden. Vor allem der Vorbau des Tempels ist von Schäden betroffen. Ihn haben die Bossards selbst errichtet und dabei aus Sparsamkeitsgründen, Material verwendet, die bei ihnen gerade vorhanden waren.

Schäden im Mauerwerk und bei den Malereien

Das bis in die Tiefen geschädigte Mauerwerk des Tempels soll nun zum großen Teil abgetragen, restauriert und anschließend wieder aufgebaut werden. Darüber hinaus ist die Restaurierung der Glasmalereien der bemalten Glasdecken sowie der Fenster ein Schwerpunkt der Arbeiten. So sind einige Scheiben bereits beschädigt oder gefährdet. Die auf den Scheiben befindlichen Motive waren nicht geschützt. Nun müssen die aufgetragenen Malereien konserviert und ebenfalls teilweise rekonstruiert werden. Bei den Dreiecksfenstern wird zudem die vermutlich aus den 1970er Jahren stammende Silikonverklebung zwischen den äußeren und inneren Scheiben entfernt. Auch im Inneren des Kunsttempels muss Hand angelegt werden. Immerhin: Die Kosten von 688.000 Euro sind gedeckt. Sie werden vom Bund, dem Land, Stiftungen und zum Teil mit Eigenmitteln finanziert.

Kurse und Veranstaltungen geplant

Die Kunststätte plant für 2021 Kurse, Lesungen, Konzerten und Theater. Neben neuen Marktveranstaltungen wie„Künstler.Garten.Kunst“ (1./2.Mai) oder „Land.Lust.Lecker“ (20. Juni) findet erstmals in diesem Jahr die Abend-Veranstaltung „Bossard in neuem Licht“ (11. September) statt, bei der die Gebäude und das Gelände der Kunststätte künstlerisch illuminiert werden. Als begleitende Kommunikation für die Aufarbeitung der Bossard-Problematik ist die Gesprächsreihe „Reden wir über Bossard“ geplant. Start ist am 15. April mit einem Ateliergespräch mit dem Holocaust-Überlebenden Ivar-Buterfas-Frankenthal. Sobald das Museum nach dem Lockdown wieder geöffnet, der Tempel aber wegen der Arbeiten geschlossen ist, wird der Eintrittspreis auf sechs anstatt zuvor acht Euro gesenkt.