Chefarztwechsel

Das ist die neue Chefin der Frauenheilkunde in Buchholz

| Lesedauer: 7 Minuten
Hanna Kastendieck
Julia Weidner ist neue Chefin der Gynäkologischen Abteilung im Krankenhaus Buchholz

Julia Weidner ist neue Chefin der Gynäkologischen Abteilung im Krankenhaus Buchholz

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Chefarztwechsel im Krankenhaus Buchholz. Dr. Friedemann Schulz geht in den Ruhestand. Die Leitung in der Gynäkologie übernimmt Julia Weidner.

Buchholz. Als im zweiten Staatsexamen das Modul Gynäkologie an der Reihe war, konnte sie das Thema wortwörtlich am eigenen Leib erfahren. Julia Weidner war damals 26 Jahre alt und mit Söhnchen Justus schwanger. Das zufällige Zusammentreffen dieser beiden Umstände hatte für ihre berufliche Laufbahn weitreichende Folgen. Mit dem Baby im Bauch fiel die Entscheidung für die medizinische Fachrichtung Gynäkologie und Geburtshilfe.

Inzwischen ist Söhnchen Justus 16 Jahre alt. Und seine Mutter leitende Oberärztin am Krankenhaus Buchholz. Jetzt steht der nächste Schritt für die 42-Jährige an. Im März geht ihr Chef, Dr. Friedemann Schulz, in den Ruhestand. Seinen Posten gibt der erfahrende Gynäkologe an die Frau ab, die seit 2007 in der Buchholzer Klinik an seiner Seite steht: Julia Weidner.

Dr. Friedemann Schulz, der seit dem Jahr 2005 die Leitung der Geburtshilfe und Gynäkologie im Krankenhaus Buchholz innehat, hätte sich keine bessere Nachfolgerin wünschen können. Er kennt Julia Weidner seit mehr 13 Jahren. Sie kam im August 2007 auf seine Station, um ihre Facharztausbildung in der Klinik zu absolvieren. Damals hieß sie noch Julia Pauck. 2012 erhielt sie ihren Facharzttitel für das Fach Gynäkologie und Geburtshilfe. Seit 2013 war sie als Oberärztin tätig, danach seit 2015 als leitende Oberärztin.

In die Chefarztrolle ist Julia Weidner quasi hineingewachsen. Und sie will das, was sie von ihrem Vorgänger und „Ziehvater“ Friedemann gelernt hat, auf jeden Fall weiterführen. „Ich habe nicht vor, alles umzuwandeln und auf den Kopf zu stellen“, sagt Julia Weidner. „Für die Patienten bleibt alles so, wie sie es kennen.“ Das betreffe sowohl das geburtsorientierte Arbeiten als auch den Ausbau der Vernetzung im zertifizierten Brustzentrum.

Zu tun gibt es für die neue Chefin genug. Und es wird stetig immer mehr. Nicht nur, dass die Zahl der Geburten im vergangenen Jahr um 100 von 822 auf 922 gestiegen ist, auch die Zahl der eingewiesenen Patienten nimmt stetig zu, seitdem die Geburtshilfe und Gynäkologie am Soltauer Heidekreis-Klinikum im August vergangenen Jahres geschlossen worden ist.

„Unsere Patienten kommen aus Soltau, Schneverdingen, Rotenburg, Scheeßel und inzwischen auch aus Lüneburg und Hamburg.“ Die Zusammenarbeit mit den Praxen der Region laufe gut, zumal viele der niedergelassenen Ärzte ursprünglich aus dem Krankenhaus Buchholz kommen. „Sie sind uns nach wie vor treu“, so Julia Weidner.

Das Herz der Medizinerin schlägt für die Gynäkologie

Auch wenn die Geburtenstation des Buchholzer Krankenhauses zunehmend beliebter wird, im vergangenen Jahr sogar ein vierter Kreißsaal eröffnet worden ist, schlägt das Herz der Medizinerin in allem voran für die Gynäkologie. „Mein Steckenpferd ist die gynäkologische operative Therapie“, sagt sie. „Geburten sind etwas Wunderbares, aber aus medizinischer Sicht weniger spannend. Ich interessiere mit schwerpunktmäßig für die Onkologie und die damit verbundenen chirurgischen Eingriffe.“ Neben der Brustchirurgie sei das die Therapie des Descensus und der Dysplasie, die Julia Weidner mit ihrem Team aus vier Oberärzten – davon drei in Teilzeit – und acht Assistenzärzten betreut.

Für den Babyboom verantwortlich seien weniger die Ärzte im Haus, sondern die zwölf Hebammen, allesamt Freiberuflerinnen, die enorme Arbeit leisten würden. „Sie pflegen den Kontakt zu den niedergelassenen Ärzten, bieten das gesamte Programm rund um die Geburt an, von Akupunktur bis Nachsorge, arbeiten familienorientiert und gehen auf die Wünsche der werdenden Eltern ein“, sagt Julia Weidner. Für dieses herausragende Engagement bin ich sehr dankbar.“

Einzige Chefärztin an den kreiseigenen Krankenhäusern

Sie erlebt, dass Frauen in leitenden Positionen immer mehr anerkannt werden und viele Frauen es sogar bevorzugen, von einer Frau untersucht zu werden, was sicherlich auch durch die vermehrte Zuwanderung, also Frauen aus anderen Kulturen, bedingt sei. Die Medizin wird weiblicher, und das findet gerade in ihrem Bereich große Anerkennung. Dennoch ist sie die einzige Chefärztin an den beiden kreiseigenen Krankenhäusern Buchholz und Winsen.

Um ihren Traumberuf als Ärztin in Deutschland ausüben zu können, hat Julia Weidner gleich zweimal Medizin studiert. Zunächst in ihrem Geburtsland Kirgistan an der Kirgisisch-Russisch-Slawischen Universität in der Landeshauptstadt Bischkek und anschließend noch einmal an der Universität Göttingen, da die Studienleistungen in ihrer Heimat in Deutschland nur teilweise anerkannt wurden. 2007 schloss sie das Staatsexamen mit Erfolg ab. Im gleichen Jahr nahm sie ihre Arbeit im Buchholzer Krankenhaus auf.

Inzwischen ist ihre Tochter 20 Jahre alt, der Sohn 16. „Der richtige Zeitpunkt für eine neue Aufgabe“, sagt die Bendestorferin, die in ihrer Freizeit übrigens seit einiger Zeit auf dem Golfplatz in Buchholz anzutreffen ist. Die Sportart passt zu ihr. „Beim Golf muss ich fokussiert sein. Es geht um Disziplin und Perfektion“, sagt sie. „Und darum, sich voll und ganz auf eine Sache zu konzentrieren.“ Abschalten durch Fokussierung – eine bessere Möglichkeit, aufzutanken, gebe es nicht, findet sie.

Geburtenstation

Die Entbindungsstation im Krankenhaus Buchholz hat vier Kreißsäle, unter anderem mit Entbindungswanne, einer „Gebärlandschaft“ sowie mit einem Doppelbett. Die Entbindungszimmer haben Zugang zum Wehengarten im Innenhof.

Eine Herztonüberwachung ist kabellos über ein Telemetriesystem möglich und erlaubt dadurch mehr Bewegungsfreiheit für die Gebärenden.

Zur Schmerzlinderung unter der Geburt werden neben sanften Methoden wie Entspannungsbäder mit Aromatherapie, Homöopathie und Akupunktur auch alle inzwischen gängigen medizinischen Verfahren, bis hin zur Peridualanästhesie eingesetzt.

Für Notfallsituationen unter der Geburt steht ein Team, bestehend aus Hebammen, Ärzten, OP- und Narkoseteam sowie ein kinderärztliches Notfallteam zur Verfügung. Sollte ein Kaiserschnitt erforderlich werden, so gehört der sogenannte „sanfte Kaiserschnitt“ (Methode nach Misgav-Ladach) zum Standard.

Die kinderärztliche Versorgung wird durch die Zusammenarbeit mit der Kinderklinik des städtischen Klinikums Lüneburg garantiert.

Brustzentrum

Das Brustzentrum der Krankenhäuser Buchholz und Winsen besteht seit 2009 und wird jährlich von den Fachgesellschaften überprüft. Es verfügt über alle Einrichtungen zur Diagnostik der Tumorerkrankung und führt auch wissenschaftliche Studien durch.

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung der Frau. Die chirurgische Behandlung als Hauptsäule der Therapie hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder verfeinert und ist weniger eingreifend geworden. In den meisten Brustkrebsfällen kann heute die Brust erhalten werden. Die Achsellymphknoten werden dabei häufig gezielt einzeln entfernt. Bei Korrektur oder Ersatz der Brust werden altbewährte und neue, innovative Rekonstruktionsverfahren eingesetzt.

Im Rahmen von häuserübergreifenden Tumorkonferenzen besprechen die Ärzte der verschiedenen Fachdisziplinen wie beispielsweise Pathologen, Radiologen, Strahlentherapeuten und Onkologen die individuell geeignete Therapie.

Weitere Infos gibt es im Internet unter www.krankenhaus-buchholz.de

Von heute an finden in Buchholz wieder Untersuchungen im Rahmen des Mammographie-Screening-Programms für Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren statt. Dieser Untersuchungszyklus zur Früherkennung von Brustkrebs wird im Mammobil durchgeführt. Die mobile Röntgenstation steht zunächst bis 26. Februar auf dem Parkplatz P3 hinter dem Krankenhaus Buchholz, Steinbecker Straße 44.