Jahresbilanz

Corona zwingt Freilichtmuseum in rote Zahlen

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Rolf Zamponi
Kiekeberg-Geschäftsführerin Carina Meyer, der Stiftungsratsvorsitzende Klaus-Wilfried Kienert und Museumsdirektor Stefan Zimmermann (v.l.) vor der Ladenzeile der „Königsberger Straße“.Rolf Zamponi

Kiekeberg-Geschäftsführerin Carina Meyer, der Stiftungsratsvorsitzende Klaus-Wilfried Kienert und Museumsdirektor Stefan Zimmermann (v.l.) vor der Ladenzeile der „Königsberger Straße“.Rolf Zamponi

Foto: Rolf Zamponi

Zahlreiche Großveranstaltungen am Kiekeberg mussten ausfallen: Zahl der Besucher im Museum geht von 218.000 auf 90.000 Euro zurück

Ehestorf .  Das Freilichtmuseum am Kiekeberg wird in diesem Jahr in Folge der Corona-Pandemie 492.100 Euro weniger einnehmen als im vergangenen Jahr. Vor allem fehlen die Eintrittsgelder. 2019 waren durch sie rund 843.000 Euro zusammen kamen. Die Zahl der Besucher im Museum, die 2018 und 2019 jeweils ein Rekordniveau erreichte, sank von 218.000 im zurückliegenden Jahr auf jetzt noch knapp 90.000. Der Förderverein rechnet zudem mit Ausfällen von 288.800 Euro, weil Pachten in der Gastronomie und Mieten für Feiern und Tagungen ausfielen und der Museumsladen über Wochen und Monate schließen musste. Diese Bilanz zogen Museumsdirektor Stefan Zimmermann und die kaufmännische Geschäftsführerin des Kiekebergs, Carina Meyer, am Montag im Gespräch mit dem Abendblatt.

Wie viel der Landkreis Harburg, der mit der Trägerstiftung einen Zukunftsvertrag geschlossen hat, letztlich als Defizit übernehmen muss, ist noch offen. „Auch im sicherlich schwierigen Jahr 2021 sind wir ein Partner, auf den sich die Stiftung verlassen kann“, versicherte der Erste Kreisrat und Finanzchef des Landkreises, Kai Uffelmann. Er unterstrich dabei, dass „das Museum eine überregional bedeutende Institution und ein wichtiges Aushängeschild für den Landkreis“ sei. Der Kreis fördert den Kiekeberg noch bis Ende 2023 mit mehr als zwei Millionen Euro jährlich.

Rote Zahlen nach lauter Rekordjahren

Diesen jährlichen Zuschuss hat Uffelmann eher als bislang üblich ausgezahlt, um so keinen Engpass bei der Liquidität des Museums entstehen zu lassen. Zudem hatte das Land zuvor aus dem Corona-Sonderprogramm 100.000 Euro an das Museum überwiesen. Dafür war Wissenschaftsminister Björn Thümler Ende Juli extra aus Hannover angereist. Dennoch musste auf Kurzarbeit zurückgegriffen werden. Konnte sie für knapp 50 von 72 Mitarbeitern Ende Juli aufgehoben werden, ist jetzt wieder die gleiche Zahl von Beschäftigten betroffen.

„Wir gehen derzeit davon aus, dass wir 2020 beim Ergebnis mit einem blauen Auge davonkommen“, sagt Meyer. In jedem Fall würden die roten Zahlen „deutlich geringer ausfallen als nach dem ersten Lockdown erwartet wurde. Testiert werden die Zahlen im Mai.

Insgesamt waren das Museum und seine vier Außenstellen vom 14. März bis zum 6. Mai geschlossen und sind es nun seit dem 2. November bis zumindest zum 10. Januar erneut. Die Folge: Allein während des zweiten Lockdowns fielen zwei Weihnachtsmärkte oder auch der Themensonntag Grünkohl im Museumsbauernhof Wennerstorf aus. Im Frühjahr und Sommer waren etwa der Pflanzenmarkt, das Oldtimertreffen oder der Imkertag betroffen.

Mitglieder blieben treu

Immerhin konnten im Sommer einige Ausfälle kompensiert werden. Das gelang mit einem zusätzlichen Öffnungstag am Montag, dem Ferienprogramm für Familien und dem Pflanzenmarkt Ende August, zu dem an zwei Tagen 7000 Besucher kamen. „Wir hatten zu den Zeiten, an denen wir öffnen durften, eine sehr hohe Besuchernachfrage“, sagt Museumsdirektor Zimmermann. Erst zuletzt war der Museumsshop als Einzelhandel eine Woche geöffnet. „Viele Mitglieder des Fördervereins haben Weihnachtsgeschenke im Laden gekauft“, hat Geschäftsführerin Meyer beobachtet.

Der Verein hat bislang nicht wie viele Sportvereine Mitglieder verloren. Vielmehr blieb die Zahl mit 13.500 konstant. „Ein großer Erfolg“, sagt Museums-Chef Zimmermann. Wir haben gezielt Werbung gemacht.“ Dazu gelang es, 90.000 Euro an Fördermitteln für die Ausstellung im Haus des Handwerks zu sammeln und die Ausstellung zur Nachkriegsgeschichte im Kreis im neuen Siedlungsdoppelhaus zu eröffnen. Das Siedlungshaus zählt zum Projekt „Königsberger Straße“, das allein vom Bund und dem Land Niedersachsen mit mehr als vier Millionen Euro gefördert wird.

Zimmermann und Meyer hoffen nun auf 2021 und haben ihre Planungen abgeschlossen: „Wir können dabei flexibel auf neue Situationen reagieren.“ Das Jahresprogramm wird jetzt verschickt und liegt öffentlich aus. Heiner Schönecke, der Vorstandschef des Fördervereins, rechnet mit weiteren Zuwendungen. „Auf unsere Mitglieder, darunter mehr als 350 Ehrenamtliche, kann man sich verlassen. Sie verschenken jetzt Jahresmitgliedschaften zu Weihnachten.“