Volleyball

Pokal-Schlappe gegen den Rekordmeister

SVG-Diagonalangreifer Richard Peemüller (Nummer 10) versucht sich gegen den Friedrichshafener Block. 

SVG-Diagonalangreifer Richard Peemüller (Nummer 10) versucht sich gegen den Friedrichshafener Block. 

Foto: Maximilian Bronner

SVG Lüneburg scheitert beim 0:3 im Viertelfinale an der eigenen Unerfahrenheit. VfB Friedrichshafen bestraft jeden Fehler.

Lüneburg.  Der Donnerstagabend dürfte für die Volleyballer der SVG Lüneburg eine willkommene Ablenkung gewesen sein. Die drei US-Amerikaner Jordan Ewert, William Craft und Dalton Solbrig luden das Team zur mannschaftsinternen Thanksgiving-Feier ein. Beim gemeinsamen Essen nach amerikanischer Tradition hatten die SVG-Spieler Gelegenheit, die bittere 0:3 (26:28, 24:26, 19:25)- Pokalniederlage vom Mittwochabend gegen den VfB Friedrichshafen zu verdauen. Die SVG verpasste somit den Einzug ins DVV-Pokal-Halbfinale.

Etwas überraschend stand Lüneburgs Diagonalangreifer Jannik Pörner (26) nach seiner Bänderverletzung am Sprunggelenk wieder im Kader – allerdings war bereits beim Einschlagen zu erkennen, dass dem 26-Jährige noch ein paar Prozentpunkte zur vollen Einsatzfähigkeit fehlten. Zudem musste SVG-Trainer Stefan Hübner auf Dalton Solbrig (23) verzichten – dem Mittelblocker blieb mit Rückenproblemen nur ein Platz auf der Ersatzbank. „Dalton hat zwei Tage lang nicht trainiert. Wir hatten ihn nur für den Notfall dabei, falls irgendetwas passiert“, erklärte Hübner.

13-facher Deutscher Meister ließ sich nicht abschütteln

Umso überraschender war, dass die Hausherren gegen die favorisierten Friedrichshafener im ersten Satz schnell mit 5:1 führten. Zwei VfB-Angriffe landeten knapp im Aus, Michel Schlien und Florian Krage setzten mit überzeugender Blockarbeit frühe Ausrufezeichen. Doch der 13-fache Deutsche Meister und 16-malige Pokalsieger vom Bodensee ließ sich nicht abschütteln und glich schnell zum 8:8 aus. Zum Ende des ersten Satzes wurde es bereits ein Nervenspiel, der VfB legte vor, die SVG zog mit sicherem Side-Out-Spiel nach. Schließlich war es der französische Nationalspieler Nicolas Maréchal (33), der den Süddeutschen zum 26:28-Satzgewinn verhalf.

„In den entscheidenden Momenten sind wir dann nicht ruhig genug. In der Crunchtime entscheiden Kleinigkeiten“, sagte Trainer Hübner. Der zweite Satz begann ausgeglichen, kein Team schaffte es, den Gegner über mehrere Angriffe entscheidend zu breaken. Mitte des Satzes ließ der schwedische SVG-Außenangreifer Viktor Lindberg (24) die Gäste mit zwei misslungenen Angriffen auf 12:15 enteilen. Stefan Hübner reagierte und gab der SVG mit einer Auszeit die Chance zum Durchatmen.

Am Sonntag geht es nun gegen das Tabellenschlusslicht

Lüneburg kämpfte sich mit sauberen Angriffen wieder heran und schaffte durch einen starken Doppelblock von Hannes Gerken (22) und Florian Krage (23) den 18:18-Ausgleich. Als Richard Peemüller in der entscheidenden Phase die Chance zum Satzball hatte, sorgte ein bitterer Aufschlagfehler für den Vorteil der Gäste. VfB-Nationalspieler Linus Weber (21) ließ sich nicht zwei Mal bitten und schoss Jordan Ewert kompromisslos zum 24:26-Satzgewinn für die Gäste ab.

„Es ist natürlich frustrierend. Wir haben uns in den ersten beiden Sätzen immer wieder in die Position gebracht, den Satz am Ende für uns entscheiden zu können. Das war auch unser Ziel – die Sätze möglichst lange offen zu halten. Am Ende ist das auch die fehlende Erfahrung, wir haben sehr viele junge Spieler bei uns“, analysierte Stefan Hübner.

Nachdem SVG-Zuspieler Hannes Gerken Mitte des dritten Satzes zunächst per Ass eine 12:9-Führung herstellte, ließ sich der VfB Friedrichshafen erneut nicht abschütteln. Mit schnellen Angriffen und konsequenter Verteidigung bestraften die favorisierten Gäste jede Unkonzentriertheit. Schließlich war es der Este Juhkami Martti (32), der die Gäste zunächst staubtrocken zum 18:24-Matchball und wenige Augenblicke später mit dem 19:25-Satzgewinn ins Pokal-Halbfinale führte.

Trainer Stefan Hübner macht der Auftritt Mut

Den Spielern war die erneute Enttäuschung anzusehen, Florian Krage stützte sich sekundenlang mit leerem Blick auf eine Werbebande. Erst am Wochenende hatte die SVG nach starkem Auftritt ähnlich knapp gegen die Powervolleys Düren verloren. „Das ist in Ordnung. Ich würde mir auch eher Sorgen machen, wenn alle lachen würden und albern in der Kabine sitzen“, sagte Hübner. Dennoch mache ihm der Auftritt Mut. „Das Gute aus den beiden letzten Spielen ist, dass wir wieder eine ganz andere Atmosphäre auf dem Feld haben. Der Spirit ist da, spielerisch ist aber noch nicht alles gut“, sagte der SVG-Coach, dem der nächste Gegner nun durchaus gelegen kommen dürfte.

Am Sonntag (16 Uhr) trifft die SVG in der Bundesliga auswärts auf das bisher sieglose Tabellenschlusslicht TSV Unterhaching. „Vom Papier her hat Unterhaching nicht die Qualität von anderen Teams. Sie haben nicht viele starke Ausländer im Team, sondern sind jetzt mit vielen jungen Leuten aus der zweiten Liga diesen Schritt gegangen. Wir dürfen sie aber nicht unterschätzen, sondern müssen das Spiel komplett ernst nehmen“, so Hübner.