„Zukunftsräume“

Hier entsteht ein Ort für modernes Arbeiten

Coworking Space in Winsen: In der St. Georg-Straße sind die ehemalige Kapelle St. Georg und das ehemalige Leprosenhospital für diesen Zweck vorgesehen.

Coworking Space in Winsen: In der St. Georg-Straße sind die ehemalige Kapelle St. Georg und das ehemalige Leprosenhospital für diesen Zweck vorgesehen.

Foto: Rolf Zamponi

Winsen will vom Sommer 2021 einen Coworking Space anbieten. Lüneburger Unternehmen soll Betrieb übernehmen.

Winsen.  Die Kreisstadt wird von August 2021 an einen Coworking Space und damit einen offenen und flexiblen Raum für zeitlich nutzbare Arbeitsplätze anbieten. Damit nimmt Winsen nach Auffassung der Verwaltung im Landkreis Harburg als Kommune eine Vorreiterstellung ein. Derzeit bietet noch die Wirtschaftsförderung im Landkreis Harburg (WLH), deren Hauptgesellschafter der Landkreis ist, seit mehr als sechs Jahren in Buchholz ebenfalls solche Räume an. Der Wirtschafts- und Finanzausschuss der Stadt soll nun am Donnerstagabend endgültig über das zunächst auf zwei Jahre ausgelegte Projekt entscheiden. Abschließend muss noch der Verwaltungsausschuss zustimmen.

Die Idee für die Büroräume, die auf 700 Quadratmetern im Fachwerkhaus neben der Kapelle St. Georg nahe dem Bahnhof eingerichtet werden sollen, stammt von Bürgermeister André Wiese und Johann Reinhardt, der sich im Rathaus Förderanträgen befasst. Nachdem das Land zunächst eine zehntägige Beratung finanziert hatte, hatte Reinhardt eine Bewerbung für das Programm „Zukunftsräume“ auf den Weg gebracht. Anfang Mai traf der Bescheid vom Amt für regionale Landesentwicklung in Lüneburg ein. Für die Vorbereitung zum Projektstart in dem Haus und der angrenzenden Kapelle fließt die Höchstsumme von 300.000 Euro.

Zu den drei Bewerbern für den Betrieb der Räume zählte zwar auch die WLH. Die Verwaltung entschied sich jedoch für die geringfügig teurere Lüneburger Freiraum UG. Dennoch begrüßte WLH-Geschäftsführer Jens Werde am Dienstag den Aufbau in Winsen: „Cosharing ist ein wichtiges Thema.“ Freiraum stellt für die Vorbereitung sowie den Betrieb über zwei Jahre einschließlich Technikpauschale und Personalzuschüsse 168.800 Euro in Rechnung.

Fläche für Cosharing Space auf 700 Quadratmeter ausgedehnt

Die beiden Freiraum-Geschäftsführer Alexander Wall und Axel Bornbusch, die beide in Lüneburg Wirtschafts- und Sozialwissenschaften studiert haben, sind seit 2011 im Geschäft. Vor gut zwei Jahren haben sie die Flächen für ihren Cosharing Space von 400 auf 700 Quadratmeter ausgedehnt. „Wir haben zehn feste Mieter, täglich melden sich vier bis fünf Interessenten und drei Büros sind vermietet“, sagte Wall dem Abendblatt. Dazu kommen Seminarräume, die derzeit wegen der Corona-Pandemie nicht genutzt werden können. Zudem sind die beiden Chefs im kulturellen Bereich und in der Gastronomie tätig. Im Winsener Rathaus wird erwartet, dass Nutzer, für die in Lüneburg Kapazitäten fehlen, nach Winsen wechseln könnten. „Wir freuen uns, dass wir erstmals von einer Kommune unterstützt werden“, sagte Wall zur Initiative der Stadt.

Im Entwurf für den Businessplan zum Förderantrag wurden für das Fachwerkhaus die Themen flexible Arbeitsplatzvermietung, fester Arbeitsplätze in der Bürogemeinschaft, Büro- und Konferenzraumvermietung und virtuelle Büros als Themen festgelegt. In der entwidmeten Kapelle, die über eine Bühne verfügt, soll Platz für Workshops und kulturelle Angebote sein. Über die Mietkonditionen für die beiden Häuser verhandelt die Stadt derzeit noch mit dem Besitzer, der Milden Stiftung. Sie sollen auf maximal 2400 Euro pro Monat für fünf Jahre begrenzt werden.

Allein der Glasfaseranschluss wird 17.700 Euro kosten

Den Umbau will die Stadt in enger Kooperation mit dem Betreiber steuern. Allein für den Glasfaseranschluss sind dabei 17.700 Euro vorgesehen. Trotz der notwendigen Anforderungen an Brandschutz und Elektrik, die für das Coworking-Space notwendig sind, sollen 350.000 Euro nicht überschritten werden. Diese Summe würde nach den politischen Beschlüssen in die Haushalte für 2021 und 2022 eingestellt. Die Gesamtsumme beträgt so 650.000 Euro.

Der städtische Wirtschaftsförderer Markus Trettin sieht in dem neuen Angebot vor allem eine Chance für Menschen, die „digital und unabhängig unter Gleichgesinnten arbeiten wollen und eine Keimzelle für neue Geschäftsideen.“ Zudem gebe es in der Kreisstadt derzeit ohnehin zu wenig modern eingerichtete Konferenzräume. Trettin denkt aber auch an die knapp 10.000 Pendler, die täglich die Stadt auf dem Weg zur Arbeit verlassen. Sie könnten mit dem Coworking-Space zumindest auf einige dieser Fahrten verzichten. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie keine schlechte Alternative.