Gewerbegebiete der Zukunft

Er lockt Unternehmen nach Seevetal

Michael Mammes (46), der neue Wirtschaftsförderer der Gemeinde Seevetal, mit Bürgermeisterin Martina Oertzen im Rathaus in Hittfeld

Michael Mammes (46), der neue Wirtschaftsförderer der Gemeinde Seevetal, mit Bürgermeisterin Martina Oertzen im Rathaus in Hittfeld

Foto: Lena Thiele

Michael Mammes ist der neue Wirtschaftsförderer der Gemeinde. Die will vor allem Unternehmen mit hochwertigen Arbeitsplätzen locken.

Hittfeld .  Michael Mammes ist am liebsten in Bewegung. Zwar bleibt ihm zurzeit keine Zeit fürs Wandern, aber dafür ist er jetzt in seiner Freizeit öfter mit dem Fahrrad unterwegs. Von seinem neuen Arbeitsplatz im Hittfelder Rathaus aus ist er bereits zu verschiedenen Antrittsbesuchen bei Unternehmen in Seevetal gestartet. „Ich muss ja erstmal alles kennenlernen und Kontakte knüpfen “, sagt der neue Wirtschaftsförderer der Gemeinde. „Der Austausch muss funktionieren, das ist enorm wichtig für meine Arbeit.“

Günstige Lage in der Metropolregion

In Seevetal erwartet ihn zum einen eine Gemeinde mit einer äußerst günstigen Lage in der Metropolregion Hamburg und einer einkommensstarken Bevölkerung. Auf der anderen Seite herrscht ein beispielloser Mangel an freier Fläche, was für eine weitere Entwicklung der regionalen Wirtschaft eigentlich unbedingt notwendig ist. Auch deshalb fiel bei der Besetzung der neu geschaffenen Vollzeitstelle die Wahl auf den studierten Raumplaner aus dem Ruhrgebiet, der zuletzt bei der Beratungsfirma Cima in Lübeck tätig war. Sein Schwerpunkt: Flächenpotenziale im Bestand aufdecken und Bedarfsprognosen erstellen.

Viel zu wenig freie Flächen

„Die Entwicklung im Innenbereich wird auch hier ein starker Teil meiner Arbeit sein“, sagt Mammes, der am 1. September sein Büro bezogen hat. „Auch wenn der Spielraum natürlich begrenzt ist.“ Denn viele Grundstücke, die für eine Ansiedlung interessant wären, könnten nur kompliziert erworben werden. Um in diesen Markt der Kauf- und Mietimmobilien einen besseren Einblick zu erhalten, will sich der Wirtschaftsförderer ein Netzwerk aufbauen. „Wir müssen alles im Blick behalten. Das wird intensiv harte Arbeit.“

Sein Ziel für Seevetal ist es, vor allem Unternehmen aus dem Hochlohnsektor – als Beispiel nenne er die IT-Branche, bestimmte Zuliefererbetriebe, spezialisierte Maschinenbaufirmen – anzusiedeln. Dabei geht sein Blick durchaus auch über die Landesgrenze nach Hamburg. „Es geht um den wissensintensiven Produktions- und Dienstleistungsbereich“, sagt Mammes. Für diese Firmen sei es besonders wichtig, dass die passenden Immobilien, vor allem auch zur Miete, vorhanden sind. Ein Vorteil sei dabei, dass sich diese Unternehmen auch näher an Wohngebieten niederlassen könnten.

Ähnliche Kaufkraft wie in der Region München

Solche Arbeitgeber sind zudem besonders attraktiv für die oft sehr gut ausgebildeten Einwohner Seevetals, die bisher oftmals zum Job nach Hamburg pendeln. Die Menschen hier verdienen ähnlich gut wie im Raum Stuttgart oder München, wie Mammes an einer in verschiedenen Gelb- und Rottönen eingefärbten Deutschlandkarte zeigt: Seevetals Kaufkraft ist tiefrot. Dieses Geld soll künftig verstärkt vor Ort verdient werden.

Reine Speditionsbetriebe mit großem Flächenbedarf und vergleichsweise wenigen Arbeitsplätzen stehen nicht auf der Wunschliste des neuen Wirtschaftsförderers für die Ansiedlung neuer Firmen. Er betont: „Flächenfraß wird es nicht geben.“ Ganz ohne neue Flächen werde es aber auch nicht gehen, so sollen bereits ansässige Unternehmen, die expandieren wollen, nach Möglichkeit auch in Seevetal gehalten werden. Überhaupt hält der Wirtschaftsexperte es für enorm wichtig, den Firmenbestand gut zu pflegen und mit den Unternehmern im Gespräch zu bleiben.

Nicht reagieren sondern selbst gestalten

„Wir können uns keinen Stillstand erlauben“, sagt Bürgermeisterin Martina Oertzen. „Deshalb müssen wir die Wirtschaftsförderung strukturiert angehen.“ Nicht mehr nur reagieren, sondern selbst gestalten, das sei wichtig für die Entwicklung der Gemeinde. Die Wirtschaftsförderung werde, sagt Oertzen, künftig in sogenannten Clustern gedacht, sodass bestimmte Branchenschwerpunkte entstehen. „Wir fragen uns stärker: Was passt nach Seevetal?“ Michael Mammes sei mit seiner Expertise genau der Richtige für diese Aufgabe. Unter seiner Leitung sollen künftig „Gewerbegebiete von morgen“ entstehen, in denen sich die Menschen auch außerhalb der Arbeit gern aufhalten.

Erst einmal auf Tour zum Netzwerken

Der 46-Jährige, der ursprünglich aus dem Ruhrgebiet kommt, ist mit seiner Frau und dem kleinen Sohn nach Buchholz gezogen. Die Mieten in Seevetal seien einfach zu hoch gewesen, sagt er. An seinem neuen Arbeitsplatz sind die Wege kurz. Sein Büro liegt direkt neben den Büros von Martina Oertzen und Andreas Schmidt, der sich bisher auch um die Wirtschaftsförderung gekümmert hat, nun aber auf die Öffentlichkeitsarbeit konzentriert. Auch für die Kultur und den ÖPNV ist Schmidt weiterhin zuständig.

In den ersten Wochen hat Michael Mammes eine Tour durch die Region begonnen, um verschiedene Unternehmen, aber auch die IHK Lüneburg-Wolfsburg und die Landkreisverwaltung kennenzulernen. Neben dem Netzwerkaufbau wird er sich gründlich nach potenziellen Gewerbeflächen innerhalb der Gemeinde Seevetal umsehen.