Buchholzer Stadtentwicklung

„Die Ostumgehung ist eine Mogelpackung“

Die Mitglieder des BIO-Vorstands Dr. Rolf Reineke-Koch, Britta Berekowski, Peter Eckhoff und Grit Weiland (v.l.) wollen vermeiden, dass die Wiesen im Osten der Stadt Buchholz bebaut werden.

Die Mitglieder des BIO-Vorstands Dr. Rolf Reineke-Koch, Britta Berekowski, Peter Eckhoff und Grit Weiland (v.l.) wollen vermeiden, dass die Wiesen im Osten der Stadt Buchholz bebaut werden.

Foto: Privat / HA

Die Kosten für die Kreisstraße rund um Buchholz soll zwischen 35,2 und 38,1 Millionen Euro kosten. Jetzt kommt Kritik aus dem Kreistag.

Buchholz.  Es soll ein echtes Vorzeigequartier werden mit 1500 Wohnungen, welches die Stadt Buchholz für die kommenden Generationen höchst attraktiv machen könnte. „Buchholz 2025plus“ heißt das Projekt, mit dessen Entwicklung am östlichen Stadtrand unmittelbar auch der Bau einer Umgehungsstraße zur Erschließung des Viertels verknüpft ist. Und um genau diese Straße mit dem ursprünglichen Arbeitstitel „Ostring“ gibt es seit Jahrzehnten in Buchholz immer wieder Diskussionen.

Machbarkeitsstudie liegt vor und wird angezweifelt

Jetzt hat der Landkreis eine Machbarkeitsstudie mit verschiedenen Streckenführungen und konkreten Zahlen vorgelegt. Demnach würde der Bau der Umgehungsstraße zwischen 35,2 und 38,1 Millionen Euro kosten. Eine Summe, die sich die Stadt und der Landkreis teilen würden – und die erneut kritische Stimmen auf den Plan ruft. Zweifel an den Zahlen kommen von den Grünen und den Freien Wählern. Diese befürchten eine Explosion der Kosten und bezeichnen das Projekt als „Mogelpackung“ und „nicht tragfähig“.

„Ich habe Zweifel daran, dass es sich bei der in Planung befindlichen Straße tatsächlich um eine Kreisstraße handelt“, sagt Kreisratsmitglied Willy Klingenberg von den Freien Wählern. „Die östliche Ortsumgehung ist eine Mogelpackung. Hier versucht die Stadt Buchholz auf Kosten der Landkreisgemeinden eine Erschließungsstraße für ein neues Quartier zu bauen. Buchholz will die Straße haben, bezahlen dürfen diese die anderen.“ Ein solches Vorgehen sei nicht nur fragwürdig sondern auch „politisch unzulässig.“

Wie hoch würden die Kosten tatsächlich sein?

Grünen-Kreistagsmitglied Elisabeth Bischoff bezeichnet die prognostizierten Kosten als „nicht tragfähig“. Allein der Bau von zwei Bahnquerungen verschlinge Millionen. „Wer realistisch rechnet, kommt auf mindestens 50 Millionen Euro Kosten“, so die Umweltpolitikerin. „Wir halten den Bau einer großen Umgehungsstraße unabhängig von den Kosten jedoch für grundsätzlich verkehrt und nicht mehr zeitgemäß. Angesichts des Klimawandels brauchen wir neue Mobilitätskonzepte, heißt: kurze Wege, Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs, Schaffung von Radwegen und Stärkung des Fußverkehrs.“ Der Kreis solle beim Umbau zur Klimaneutralität unterstützen und nicht Dinge fördern, die die Klimakrise noch verschärfen.

Grüne befürworten Bebauung der Rüttgers-Fläche

Kritik gibt es darüber hinaus an den Plänen für ein Quartier auf der grünen Wiese. „Nachverdichtung innerorts geht vor Außenentwicklung“, lautet das Credo der Grünen-Kreistagsfraktion. „Wir lehnen eine Neuversiegelung im Außenbereich der Stadt ab“, so Elisabeth Bischoff. Buchholz habe innerörtlich Potenzial, zum Beispiel mit der Rüttgers-Fläche. Dort aber sei die Entwicklung ausgebremst worden.

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz mahnt einen massiven Verlust an natürlichen Ressourcen wie Boden und landwirtschaftlich genutzter Fläche, sollten die Planungen für das neue Quartier am Stadtrand umgesetzt werden. „Es soll in einem Raum entstehen, der aufgrund seiner Ausstattung als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen werden könnte und für die Buchholzer ein wichtiges Naherholungsgebiet darstellt“, heißt es in einer Stellungnahme. Potenziert würde der Flächenverlust noch durch die im Anschluss an das Wohngebiet geplante Umgehungsstraße, so die Umweltschützer weiter. Diese sei zwar nicht Bestandteil der vorgelegten Planungen, tatsächlich müssten die beiden Projekte – Bebauung und Infrastruktur – als Gesamtprojekt betrachtet werden.

„Konzept ist nicht zeitgemäß“

Dass die Stadt Buchholz im Zuge der Entwicklung des neuen Quartiers den seit seit Anbeginn der Planungen umstrittenen Ostring durchsetzen möchte, beklagt auch die BürgerInitiative Ostring (BIO). „Diese Straße – Ostring, neuerdings Osterschließungs-, Ostumgehungs-, Ostentlastungsstraße genannt – basiert auf einem uralten Konzept aus der Zeit der ‚autogerechten Stadt’“, sagt die Vorsitzende Grit Weiland. „Wir sind der Ansicht, dass dieses Konzept alles andere als zeitgemäß ist: Umwelt- und Klimaschäden würden damit verschlimmert werden, Naherholungsgebiete gingen verloren.“ Bereits 2016 sei die Umgehungsstraße schon einmal mit Unterstützung der BIO gerichtlich gekippt worden. „Nun ist sie mit der Planung ‚Buchholz 2025plus‘ wieder „auferstanden“, sagt Grit Weiland.

Wohnraum durch Einliegerwohnungen

Dabei gebe es Alternativen für ein Wachstum der Stadt, so die Vorsitzende. Statt der Ausweisung von immer mehr Bauland, sollte die Stadt einen alternativen Weg zur Schaffung von Wohnraum gehen. „Potenzial liegt in einem kommunalen Management von Bestandsimmobilien“, so Weiland. „Denkbar wäre unseres Erachtens die Teilung großer Grundstücke, um so neue Baumöglichkeiten zu schaffen. Zudem sei eine Teilung der Häuser selbst möglich, etwa durch die Schaffung von Einliegerwohnungen.

Das aber würde voraussetzen, dass die Eigentümer mitspielen. „Ein Großteil der Stadt liegt in privater Hand“, sagt der Buchholzer FDP-Politiker Arno Reglitzky. „Hier können wir nichts erzwingen.“ Reglitzky, der sowohl im Stadtrat als auch im Kreistag aktiv ist, hat gemeinsam mit der Buchholzer Politik das „Paket Ostumfahrung und neu geplantes Quartier Buchholz 2050plus“ vor zwei Jahren geschnürt.

Reglitzky ist davon überzeugt, dass die Schaffung von Wohnraum im Versorgungszentrum Buchholz sowie die verkehrliche Entlastung der Stadt eines der zentralen Anliegen des Landkreises ist. „Es ist ausdrücklich Aufgabe und Wunsch des Kreises, hier eine Umfahrung zu sichern“, sagt er. Was die Kosten angehe, seien 90 Prozent der Summe förderfähig. Für Kreis und Stadt blieben dann von noch zehn bis 15 Millionen Euro, die sich die beiden teilen müssten.