Bilanz überrascht

Ausbildungszahlen geringer gesunken als erwartet

Auch im Bäckereihandwerk ist die Zahl der Auszubildenden stabil geblieben.

Auch im Bäckereihandwerk ist die Zahl der Auszubildenden stabil geblieben.

Foto: NGG LÜNEBURG

Corona-Pandemie führt im Landkreis zu Minus bei Bewerbern und Ausbildungsplätzen. Dennoch sehen Arbeitsagentur und Kammern nur leichte Blessuren.

Landkreis Harburg.  Die Ausbildungssituation im Landkreis Harburg ist trotz der Corona-Pandemie nicht erheblich schlechter als im vergangenen Jahr. Das geht aus einer gemeinsamen Bilanz der Arbeitsagentur Lüneburg, die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade und der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg hervor.

Zwar habe der Ausbildungsmarkt Blessuren davongetragen, sagte die Vorsitzende der Geschäftsführung der Lüneburger Agentur, Kerstin Kuechler-Kakoschke. „Von einem Jahrgang Corona oder einem Einbruch können wir nicht sprechen.“ Virtuelle Angebote für Ausbildungssuchende und Unternehmen hätten sich bewährt. „Beratungsformate haben sich vom Büro oder in der Schule ans Telefon oder in den Videochat verlagert. Damit konnten wir die Jugendlichen gut erreichen. Unsere Apps, Livechats auf Youtube und Online-Angebote haben wir nicht nur kurzfristig ausgebaut, sondern weiterentwickelt,“ erklärt die Agenturchefin.

Im Einzelnen meldeten sich im Kreis Harburg mit 1277 Bewerbern im Ende September abgeschlossen Ausbildungsjahr 145 Jugendliche weniger bei der Agentur als im vergangenen Jahr. Die Zahl der der Agentur vorliegenden Ausbildungsplätze sank um 91 auf 1029.

IHK verzeichnet 3614neue Ausbildungsverträge

Im Handwerk wurden bis Ende September 380 Verträge geschlossen. Allerdings weist Günter Neumann, der Leiter Berufliche Bildung bei der Kammer darauf hin, dass für die Region Lüneburg mit sechs Kreisen einschließlich Harburg, inzwischen mit 1595 neuen Lehrverträgen fast das Niveau von 2019 (1629) erreicht wurde. „Das Ergebnis ist unter den extremen Umständen bemerkenswert. Wichtig ist, dass bis Ende des Jahres ein Einstieg in die Ausbildung möglich ist, da alle Partner in der dualen Ausbildung vorbereitet sind, noch Späteinsteiger zu integrieren“, so Neumann.

Die Industrie- und Handelskammer verzeichnet zum 28. Oktober für die vier Kreise Harburg, Lüneburg, Lüchow-Dannenberg und Uelzen 3614 neue Ausbildungsverträge. Das sind zwar im Vergleich zum Vorjahr 10,6 Prozent weniger. „Doch nachdem die Betriebe im Sommer noch ein Minus von rund 20 Prozent angegeben hatten, fällt es nun deutlich geringer aus“, sagte Sönke Feldhusen, Ausbildungsexperte und stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Kammer.

Der Rückgang entspreche etwa den durch den reduzierten Abi-Jahrgang bereits erwarteten Zahlen. Im Landkreis Harburg wurde dabei das beste Resultat der vier Kreise erzielt. So ging die Zahl der Lehrverträge im Vorjahresvergleich nur um 1,3 Prozent zurück. Insgesamt wurden in den IHK-Berufen 527 Verträge neu abgeschlossen.

Unabhängig von der im Frühjahr einsetzenden Pandemie hatte sich schon bis zum März weniger Bewerber bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur gemeldet. Als Grund führt Agentur-Chefin Kuechler-Kakoschke ebenfalls den fehlenden Abitur-Jahrgang an den allgemeinbildenden Gymnasien durch die Umstellung von G8 auf G9 an.

„Gleichzeitig spiegelte sich diese Entwicklung bei den Ausbildungsstellen wider. Unternehmen, die vorrangig Abiturienten ausbilden, reduzierten in diesem Jahr ihre Ausbildungsplätze und meldeten zudem keine neuen freien Stellen“, so die Expertin weiter.

Corona-Pandemie stand Auslandsaufenthalten im Weg

Mit dem Monat März, in dem das Interessen an Ausbildungsverträgen gewöhnlich besonders hoch ist, veränderte der Corona-Lockdown die Wirtschaft und damit natürlich auch das Ausbildungsgeschehen. Allerdings wirkten sich die eingeschränkten Möglichkeiten für Aktivitäten von Jugendlichen auf Grund der Pandemie dagegen. So konnte der fehlende Abitur-Jahrgang teilweise kompensiert werden. „Statt Auslandsaufenthalt oder soziales Jahr interessierten sich die jungen Menschen für Ausbildungsmöglichkeiten in der Region“, sagte Arbeitsagentur-Chefin Kuechler-Kakoschke.

Seit dem 1. Oktober arbeiten Arbeitsagenturen und Kammern nun gemeinsam an einer Nachvermittlung. So sollen Jugendlichen, die noch auf der Suche nach der Ausbildung sind und Unternehmen, die noch freie Ausbildungsstellen anbieten können, zusammengebracht werden. Im Landkreis Harburg waren Ende September noch 103 Bewerber unversorgt und auf der anderen Seite noch 65 Ausbildungsplätze noch nicht besetzt.

Klar ist: Durch die Corona-Pandemie hat sich das Ausbildungsjahr um gut acht Wochen nach hinten verschoben. Selbst derzeit werden noch Ausbildungsverträge neu abgeschlossen.