Winsen

Landkreis hat einen neuen Fahrradkoordinator

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Rolf Zamponi
Tobias Schmauder, der Radverkehrskoordinator des Landkreises Harburg steht mit einem E-Bike vor der Kreisverwaltung.

Tobias Schmauder, der Radverkehrskoordinator des Landkreises Harburg steht mit einem E-Bike vor der Kreisverwaltung.

Foto: Rolf Zamponi

Diplom-Geograf Tobias Schmauder hat seine Arbeit aufgenommen. Er soll den Weg des Kreises zur fahrradfreundlichen Kommune mit steuern.

Winsen.  Schon von Kind auf war er in seiner Heimatstadt Ulm mit dem Rad unterwegs und verlor als Erwachsener nie die Freude an der Bewegung auf zwei Rädern. „Die Geschwindigkeit auf dem Rad erlaubt es, viel von der Natur und dem Leben um mich herum mitzubekommen und der Radius ist dazu größer als bei einem Fußgänger“, sagt Tobias Schmauder, der neue und erste Radverkehrskoordinator des Landkreises Harburg. Diese Perspektive findet der 53-Jährige schlichtweg „faszinierend.“

Der Diplom-Geograf mit Schwerpunkt Verkehrsplanung ist der dritte Kandidat für die in der Stabsstelle Kreisentwicklung/Wirtschaftsförderung angesiedelte Vollzeitstelle. Zwei Mal sagten Bewerber Stabsstellenleiter Alexander Stark ab. Der erste, ein bereits ausgesuchter Bewerber aus dem Saarland, noch vor Dienstantritt. Danach Janna Ortmanns nach wenigen Tagen in der Kreisverwaltung. Der Landkreis Lüneburg hatte ihr ein Angebot gemacht, das sie nicht ausschlagen konnte. Sie arbeitet heute für die Lüneburger Kreisverwaltung auf einer vergleichbaren Position wie Stark im Landkreis Harburg als Fachdienstleiterin für Kreisentwicklung, Wirtschaft und Klimaschutz.

Geografie-Studium in Trier

Der nun zum 1. November eingestiegene neue Radverkehrskoordinator hat nach Abitur und Zivildienst in Ulm in Trier studiert und war nach dem Abschluss 1997 bei verschiedenen Planungs- und Ingenieurbüros tätig. Dabei war er schon einmal in den Norden bis nach Hannover vorgestoßen. Zuletzt war Schmauder von 2002 bis 2020 für 18 Jahre für den Kreis Tübingen tätig. Dort plante er zunächst den Öffentlichen Personennahverkehr und war von 2016 an zudem Koordinator für den Radverkehr.

„In Tübingen musste ich mich so mit zwei Themen befassen und sehe jetzt eine Chance darin, mich im Landkreis Harburg nur um das Thema Fahrrad kümmern zu können“, sagt Schmauder. Beflügelt hat den Wechsel zudem, dass seine Frau Imke vor einem halben Jahr eine neue Stelle als Kunsthistorikerin in Hamburg angetreten hat.

Kontakt zu Verbänden und Nachbarlandkreisen

An Themen wird es Schmauder nicht mangeln. Über das Kennenlernen in der Verwaltung, wo er mit den Teams des Betriebs Kreisstraßen und der Unteren Verkehrsbehörde zusammenarbeiten wird, wird er Kontakte zu einzelnen Verbänden sowie zu den Nachbarlandkreisen und der Metropolregion aufnehmen und ausbauen.

Fahrrad-Konzept soll zum Masterplan werden

Orientieren wird er sich an dem seit 2017 vorliegenden Fahrrad-Verkehrskonzept, das zu einem Masterplan werden soll. Die Planungen müssen dabei mit den Gemeinden und Städten abgestimmt werden. Dies gilt auch für drei von neun in der Metropolregion geplante Radschnellwege Richtung Hamburg, bei denen Teilstrecken durch den Landkreis führen. Die Machbarkeitsstudien sollen nach den Verzögerungen durch die Corona-Pandemie bis Mitte 2021 abgeschlossen sein. „Spannend“ findet der neue Koordinator die Möglichkeit, künftig Radwege auch abseits von Straßen und nicht mehr nur an ihnen entlang bauen zu können. Dies wird derzeit noch im Landtag diskutiert.

Das Ziel lautet „Fahrradfreundliche Kommune“

Als Ziel hatte der Kreis schon bei der Stellenausschreibung für den Koordinator ausgegeben zur „Fahrradfreundlichen Kommune“ zu werden. Dafür sind verschiedene Kriterien der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommunen zu erfüllen, bei der der Kreis Mitglied ist. Immerhin: Mit der Besetzung der Stelle für Schmauder ist ein Kriterium für das Zertifikat nun erfüllt.

„Der Radverkehr hat im Landkreis Harburg hohe Priorität“, sagt Landrat Rainer Rempe. „Mit Tobias Schmauder als Koordinator haben wir dafür jetzt einen festen Ansprechpartner und Impulsgeber. Unser Ziel ist es, den Verkehrsanteil des Radverkehrs sowohl im Alltag als auch in der Freizeit künftig weiter zu erhöhen, um so einen guten Beitrag zur umweltfreundlichen Mobilität zu leisten.“

Radwegenetz im Kreis umfasst 1255 Kilometer

Der Landkreis Harburg biete schon heute gute Voraussetzungen für Fahrradfahrer, ist der Landrat sicher. „Das Radwegenetz umfasst immerhin 1255 Kilometer, es gibt viel zu entdecken.“ Es bestehe aber durchaus noch Optimierungsbedarf. Daher werde das Netz stetig überprüft, verbessert und ausgebaut. Allein in diesem Jahr werden für den Bau, fertige Wege und vergebene Aufträge gut 900.000 Euro investiert.

„Netzlücken zu schließen hat hohe Priorität“, versichert der neue Koordinator. „Wir müssen aber auch den Aufwand im Auge behalten.“ Für die Zukunft setzt er dafür auf eine sachliche Diskussion mit den Interessengruppen. „So lässt sich am besten etwas bewegen.“

Schmauder sieht sich nicht nur als Radfahrer sondern auch als Jogger und Ausdauersportler. Beruflich hat er diese Ausdauer über die 18 Jahre im Tübinger Landratsamt bereits bewiesen. Seine neue Aufgabe sieht er ähnlich: „Ich habe vor, lange zu bleiben.“