Tagsüber zu wenig Kräfte

Buchholz will sein Feuerwehr-Problem mit Satelliten lösen

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Tobias Johanning
Jan-Hendrik Röhse, Markus Höfemann und Oliver Weiß mit einem Flyer zur Tageseinsatzbereitschaft der FF Buchholz.

Jan-Hendrik Röhse, Markus Höfemann und Oliver Weiß mit einem Flyer zur Tageseinsatzbereitschaft der FF Buchholz.

Foto: Joto / JOTO

Tagsüber arbeiten viele Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr außerhalb der Stadt. Deshalb versucht es Buchholz jetzt mal ganz anders.

Buchholz. Die Freiwillige Feuerwehr in Buchholz sucht dringend Satelliten. Die Retter wollen aber nicht ins Raumfahrtgeschäft einsteigen, wie der Name zunächst vermuten lässt. Es geht vielmehr um ein seit Jahren bestehendes Problem: Tagsüber sind zu wenige Feuerwehrleute in der Stadt.

Deswegen wirbt die Feuerwehr seit Donnerstag mit einem neuen Imagefilm um Mitglieder anderer Feuerwehren, die tagsüber in Buchholz arbeiten. Diese sogenannten Satelliten sind bereits Mitglied einer Feuerwehr an ihrem Wohnort und könnten tagsüber die freiwilligen Feuerwehrleute in Buchholz unterstützen.

Der Filmemacher Markus Höfemann war 2018 beim Unternehmertag der Buchholzer Wirtschaftsrunde auf das Problem aufmerksam geworden. Damals erklärte der Buchholzer Stadtbrandmeister André Emme den Unternehmen der Region, dass es zwar fast 280 ehrenamtliche Feuerwehrleute in der Stadt geben würde, aber viele der Retter tagsüber nach Hamburg zum Arbeiten fahren. Damit fehlen sie werktags bei Einsätzen im Buchholzer Stadtgebiet. Das Problem hat sich seitdem kaum verkleinert.

Vier Minuten nach einem Alarm nur vier Feuerwehrleute an der Wache

Wie bei einem Gutachten aus dem Jahre 2017 herauskam, waren wochentags vier Minuten nach einem Alarm nur vier Feuerwehrleute an der Wache und bereit, loszufahren. Das sind gerade bei Brandeinsätzen oder Verkehrsunfällen zu wenige ehrenamtliche Einsatzkräfte. Zum Vergleich: Am Wochenende oder werktags zwischen 18 und 6 Uhr sind innerhalb von vier Minuten schon 16 Feuerwehrleute an der Wache.

„Aus diesem Grund fährt seit einigen Jahren tagsüber zu bestimmten Einsätzen zusätzlich die Ortsfeuerwehr Sprötze mit zu den Einsatzorten im Stadtgebiet“, erklärt Feuerwehrsprecher Oliver Weiß. Regisseur Höfemann bot deshalb unentgeltlich seine Hilfe an. Zusammen mit einigen freiwilligen Feuerwehrleuten begannen im Herbst 2019 die ersten Dreharbeiten zum Imagefilm. Dazu stand auch Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse für ein Interview vor der Kamera.

Damit Arbeitgeber nicht von vornherein abgeschreckt sind, die ehrenamtlichen Feuerwehrleute im Unternehmen für mögliche Feuerwehreinsätze freizustellen, erklärt Röhse im Kurzfilm: „Wenn ein Mitarbeiter einmal für bestimmte Tätigkeiten unabdingbar sein sollte, kann er sich von der Tageseinsatzbereitschaft abmelden.“ Wenn ein Arbeitnehmer zu einem Einsatz den Betrieb verlässt, bekommen die Unternehmer eine Entschädigung für die ausgefallenen Arbeitsstunden.

Neue Außenwache der Feuerwehr

Der Film war bereits Anfang des Jahres fertiggestellt. Aufgrund der Corona-Pandemie hatten die Macher aber bis jetzt gewartet, ihn zu veröffentlichen. Verbreitet wird der Kurzfilm über die Stadt-Webseite sowie die Social-Media-Kanäle. „Jeder Satellit trägt einen wichtigen Teil dazu bei, dass wir auch tagsüber den Brandschutz sicherstellen und über notwendige Reserven verfügen“, sagt Feuerwehrsprecher Weiß.

Bei einer anderen Baustelle der Retter gibt es dagegen schon jetzt gute Nachrichten. Im November soll eine neue Außenwache der Feuerwehr auf dem Gelände der Stadtwerke Buchholz an der Maurerstraße eröffnen. Dort wird ein Fahrzeug der Feuerwehr stationiert, welches neben der Hauptwache an der Bendestorfer Straße zu Einsätzen fährt. Zwei Vorteile sprechen schon lange für diesen Ergänzungsstandort. Zum Einen arbeiten einige Feuerwehrleute bei den Stadtwerken sowie in der nahen Umgebung und sind damit innerhalb weniger Augenblicke bei dem Wagen – wesentlich schneller als derzeit, da die Fahrt im Privat-PKW im Berufsverkehr von den Stadtwerken bis zum Feuerwehrhaus schon einmal bis zu 15 Minuten dauern kann.

Der zweite Vorteil ist, dass die Retter durch den neuen Standort deutlich schneller mit dem ersten Wagen bei einem Einsatz im Westen der Stadt sind. Damit erreichen die Feuerwehrleute öfter die Hilfsfrist (Zeit vom Alarm bis zum Einsatzort) von acht Minuten.

Neubau der Feuerwehrgerätehäuser in Sprötze und Holm-Seppensen

Laut des Gutachtens von 2017 erreichte die Feuerwehr bisher theoretisch im gesamten Buchholzer Stadtgebiet nur knapp 50 Prozent der bebauten Flächen innerhalb dieser Zeitspanne. Mit dem neuen Standort konnten auch schon neun neue Satelliten aus den Firmen in der nahen Umgebung gewonnen werden. Um auch den Buchholzer Süden sowie Holm-Seppensen schneller zu erreichen, laufen derzeit die weiteren Planungen zum Neubau der Feuerwehrgerätehäuser in Sprötze und Holm-Seppensen. In Sprötze steht als Ersatz für die zu kleine und marode Feuerwache im Ortskern ein Neubau an der Neuen Brückenstraße fest. In Holm-Seppensen gibt es den festen Willen, erstmals eine Feuerwache zu bauen.

Bisher deckt den Bereich die Freiwillige Feuerwehr Holm ab. Was zu einer Erreichungsquote der Hilfsfrist von wenigen Prozentpunkten führt. Viele Mitglieder der Feuerwehr Holm leben in Holm-Seppensen. Sie müssen nach einem Alarm erst mit ihrem Privat-Pkw nach Holm fahren und dann wieder mit dem Feuerwehrwagen zurück nach Holm-Seppensen. Während der Neubau in Sprötze 2022 starten soll, steht ein Umzug der Retter von Holm nach Holm-Seppensen noch nicht fest.