Personalmangel

Sorge um die Wälder im Landkreis Harburg

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Rolf Zamponi
Experten sind in Sorge um den Wald im Landkreis Harburg

Experten sind in Sorge um den Wald im Landkreis Harburg

Foto: GCShutter / iStock

Immer mehr Bäume könnten Dürren, Stürmen und Schädlingen zum Opfer fallen – wenn nicht mehr für den Umbau der Wälder getan wird.

Landkreis Harburg.  Klimanotstand im Wald: Immer mehr heimische Bäume könnten Dürren, Stürmen und Schädlingen zum Opfer fallen – wenn nicht deutlich mehr für den klimagerechten Umbau der Wälder getan wird. Davon geht die Gewerkschaft IG BAU aus und fordert zusätzliches Forstpersonal auch im Landkreis Harburg.

„Seit Jahren erleben wir einen besorgniserregenden Personalabbau im Forst. Zur Borkenkäferbekämpfung haben die niedersächsischen Landesforsten bislang lediglich einige befristete Förster eingesetzt. Qualifizierte Forstwirtstellen wollen sie weiterhin abbauen. Dem Ausmaß der Schäden wird mit diesen personalpolitischen Maßnahmen in keiner Weise Rechnung getragen“, kritisiert der Bezirksvorsitzende der IG BAU Hamburg, Matthias Maurer.

Die aktuelle Krisensituation sei jedoch nicht mit mehr Forstfachpersonal abzuwenden oder dadurch allein aufzuhalten gewesen, teilte Natascha Manski, einer der Sprecherinnen des zuständigen Landwirtschaftsministeriums am Montag mit. Der gesamte Sektor Forst/Holz sei betroffen und derzeit durch die Rahmenbedingungen nicht in der Lage, die anfallenden Holzmengen rasch aufzuarbeiten, abzutransportieren und weiterzuverarbeiten. Die niedrigen Rundholzpreise machten diese Arbeiten überdies oftmals unwirtschaftlich, wodurch dem Borkenkäfer mehr Brutmaterial zur Verfügung stehe und dessen Ausbreitung begünstige.

1300 Mitarbeiter

Zur Entlastung haben die Niedersächsischen Landesforsten, die Ende 2019 rund 1300 Mitarbeiter auf 1213 Vollzeiteinheiten beschäftigen, in den vergangen Dürrejahren jeweils mehr als 100 Mitarbeiter, befristet und auf freiwilliger Basis, aus weniger betroffenen Regionen in die Hauptschadensgebiete abgeordnet. Dies waren Harz, Solling und Weserbergland.

„Nach den beiden Katastrophenjahren 2018 und 2019 mit Trockenheit und zuletzt dem Befall der Bäume mit Borkenkäfern hat das Forstpersonal ohne Zweifel zu kämpfen. Die Förster leisten jedoch eine herausragende Arbeit“, sagt Norbert Leben, der als Präsident des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen und Vorsitzende der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Nordheide-Harburg die privaten Eigner vertritt. „Wir versuchen, so gut und so rasch wie möglich kranke Bäume herauszunehmen, damit die Käfer sich nicht von Baum zu Baum verbreiten.“

Besitzer melden Standort kranker Bäume per App

Dabei sind im Landkreis auch einige der knapp 3600 Waldbesitzer unterwegs und tragen auf einer Warnapp die Standorte kranker Bäume ein. Nach Angaben der Gewerkschaft dürften in Niedersachsen 2018 bis 2020 insgesamt 13 Millionen Kubikmeter Schadholz anfallen. Extreme Wetterlagen und Schädlinge wie Borkenkäfer könnten demnach bis zum Jahresende eine Waldfläche von 26.300 Hektar vernichtet haben. Die IG Bau bezieht sich dabei auf Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

Leben räumt ein, dass für die Arbeiten des Verbandes allein im Landkreis zwei bis drei neue studierte Förster oder ausgebildete Forstwirte notwendig wären. Auf Landesebene schätzt er diese Zahl auf 35. Die Fachleute müssen dann mit den Besitzern beraten, wie die Flächen aufgeforstet und welche Baumarten dafür bevorzugt werden. In den Fokus rücken dabei mehr Douglasien als Fichten sowie Laubbäume wie Buchen oder Eichen. „Wir brauchen eine Risikostreuung bei den Arten, um uns so besser auf den Klimawandel einzustellen“, sagt der Waldbesitzer-Präsident.

Waldumbau ist eine Mammutaufgabe

In klimastabilen Wäldern gehe es darum, weiter den Holz zu produzieren, an dessen Pflege, Nutzung und Weiterverarbeitung viele Arbeitsplätze in der Region hängen, sagt Gewerkschafter Maurer. „Der Waldumbau ist jedoch eine Mammutaufgabe, für die es viel mehr Förster und Forstwirte braucht als bislang. Die Landesbetriebe sollten deshalb mehr ausbilden und Azubis übernehmen“, empfiehlt Maurer.

Der Nachholbedarf sei enorm, wie die letzte Bundeswaldinventur gezeigt habe. Danach machten Nadelbäume , ein Großteil davon in Monokulturen, 52 Prozent der rund 1,2 Millionen Hektar des niedersächsischen Waldes aus. Als Arbeitgeber für die privaten Wälder fungieren in Niedersachsen die Landwirtschaftskammern.

„Der Verband zahlt etwa die Hälfte der Entgelte und übernimmt die Sachkosten etwa für Dienstwagen“, erklärt Leben. Gerade für private Waldbesitzer spiele der Nutzen des Waldes neben dem Schutz für Wild und Insekten sowie der Erholung für Menschen eine gleichwertige Rolle. „Wir brauchen klare, einfache und überschaubare Förderungen.“