Landeskreis Harburg

Pastor soll in 80- und 90er Jahren Mädchen missbraucht haben

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Kirchenvertreter wollen über die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers informieren.

Kirchenvertreter wollen über die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers informieren.

Foto: picture alliance/chromorange

Die Landeskirche Hannover informierte über Missbrauchsfälle in der Kirche. Auch ein Opfer wurde über Video dazugeschaltet.

Hittfeld. In Niedersachsen soll ein Pastor mindestens zwei junge Frauen aus seiner Gemeinde sexuell missbraucht haben. „Wir kehren als Kirche nichts unter den Teppich“, versicherte Oberlandeskirchenrat Rainer Mainusch bei einer Pressekonferenz der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover am Montag in Hittfeld (Gemeinde Seevetal).

Dort wurde die Aussage einer anonymen Betroffenen per Video eingespielt, die von ihren Erlebnissen mit dem inzwischen verstorbenen Pastor Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre berichtete. „Er hat langsam die Grenzen überschritten“, sagte die Frau über den Pastor Jörg D., der 2013 im Alter von 70 Jahren gestorben ist.

Pastor im Kirchenkreis Hittfeld beging den Missbrauch

Demnach war D. in der Jugendarbeit im Kirchenkreis Hittfeld im Landkreis Harburg engagiert, wo er der Betroffenen zufolge „sexuellen Missbrauch an jugendlichen Schutzbefohlenen“ begangen hat. Des Weiteren soll es weitere Fälle in Wolfsburg-Detmerode geben, wo der Pastor von 1972 bis 1986 gearbeitet hat. Auch dort soll es zumindest um sexuelle Belästigung gehen.

„Bei mir hat das zu sehr schweren Traumatisierungen geführt“, berichtete die Frau, die unter dem Pseudonym Katarina Sörensen auftrat. Sie war damals 15 Jahre alt und Konfirmandin bei dem 30 Jahre älteren Pastor gewesen. „Ich bin mir heute sicher, dass er von Anfang an geplant hat, sexuelle Übergriffe an Mädchen zu begehen.“

Für das Opfer sei der Weg der Aufarbeitung in der Kirche „eher steinig“ gewesen, wobei es aber seit zwei Jahren positive Erfahrungen mit der Landeskirche gemacht habe. Sie erhielt nach eigenen Angaben Schmerzgeld von der Kirche. Es soll sich laut Kirchensprecher Benjamin Simon-Hinkelmann um 35.000 Euro handeln, das bisher höchste, was die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers bei Missbrauchsfällen gezahlt haben soll.

Landeskirche Hannover wurden mehrere Dutzend Missbrauchsfälle gemeldet

Die evangelisch-lutherische Kirche arbeitet seit mehreren Jahren Fälle von sexualisierter Gewalt systematisch auf. In den vergangenen zehn Jahren seien der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers bereits mehrere Dutzend Missbrauchsfälle gemeldet worden, sagte Mainusch weiter. „Wir haben insgesamt 123 Fälle sexualisierter Gewalt seit 1945. Davon sind die weitaus meisten, das sind über 80 Prozent, Fälle in den Einrichtungen der Diakonie.“


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( AFP/dpa )