Naherholung

Wildparks südlich von Hamburg öffnen wieder ihre Türen

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Rolf Zamponi
Tierpflegerin Nele Oesterreich kümmert sich um Bache Hedda, die inzwischen vier Frischlinge zur Welt gebracht hat.

Tierpflegerin Nele Oesterreich kümmert sich um Bache Hedda, die inzwischen vier Frischlinge zur Welt gebracht hat.

Foto: Rolf Zamponi

Ab 6. Mai sind wieder Besucher in den beiden Tierparks der Region zugelassen. Es gelten aber Hygienevorschriften.

Vahrendorf/Nindorf.  Die Tierparks in Niedersachsen können wieder öffnen. Den Termin zum 6. Mai hat ein Sprecher der Landesregierung am Montag erneut bestätigt. Die Zoologischen Gärten stehen damit in einer Reihe mit Museen, Ausstellungen, Galerien und Gedenkstätten, die ebenfalls wieder Besucher willkommen heißen können.

„Für uns ist das großartig, wir schauen nach vorn“, sagte Alexander Tietz, der zusammen mit seinem Vater Norbert den Wildpark Lüneburger Heide in Nindorf führt. „Wir werden versuchen, den verloren gegangenen Umsatz zumindest zum Teil aufzuholen“, sagte Arne Vaubel, der Chef des Wildparks Schwarze Berge in Vahrendorf. „Doch die Probleme durch die wochenlange Schließung“, räumt Vaubel ein, „sind noch lange nicht vom Tisch.“

Dem Wildpark fehlen rund 1,5 Millionen Euro in der Kasse

Wildpark-Chef Vaubel nennt Zahlen über die Folgen der Schließung zum 17. März. „So hätten wir bis heute durch das trockene Wetter rund 1,5 Millionen Euro einnehmen können, die wir vor allem für die Wintermonate brauchen“, rechnet der Park-Chef vor. Stattdessen muss er nun einen Kredit über 500.000 Euro von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) innerhalb von fünf Jahren zurückzahlen.

Das dürfe sich auf die künftigen Investitionen auswirken. Dazu kommt, dass bei viele potenziellen Besuchern die Haushaltskassen durch die Kurzarbeit arg belastet sein dürften.

Viele Urlauber in Deutschland könnten für den Umsatz helfen

„Immerhin ist es möglich, dass viele Leute in diesem Jahr in Deutschland Urlaub machen. Das kann ein Pluspunkt für uns sein,“ sagt Vaubel. In Vahrendorf wird weiter am geplanten Marderland gearbeitet. Der Park bittet alle Besucher, Masken zu tragen, will sie aber nicht dazu verpflichten.

Auch für Tietz in Nindorf ist klar: „Wir haben Umsatz verloren. Das ist schwer aufzuholen.“ Zahlen nennt er nicht. Nur so viel: Einen Kredit haben Vater und Sohn nicht aufgenommen.

In Nindorf wurde die Zeit genutzt, um das Gehege für Polarfüchse zu erneuern. Für die Wölfe stehen ähnliche Arbeiten kurz vor dem Abschluss. Zusammen mit Reparaturen, neuen Geräten für die Spielplätze sowie neu gepflanzten Bäumen und Blumen kommt eine Investitionssumme im höheren fünfstelligen Bereich zusammen. In den nächsten Tagen soll ein Online-Ticket-System in Betrieb gehen. „Wir erwarten zudem zwei neue Tiere“, verrät Tietz. Um welches es sich handelt, soll aber zunächst eine Überraschung bleiben. Masken sollten im Park Lüneburger Heide mitgebracht werden, sind aber ebenfalls nicht vorgeschrieben.

Für den im vergangenen September eröffneten Baumwipfelpfad Heide-Himmel ist der Parkplatz jetzt komplett. Seit Montag weiß Alexander Tietz vom Landkreis, das auch diese Attraktion für Besucher am 6. Mai wieder offen steht.

Abstandsregel zwei Meter, Masken sind empfohlen

Für beide Parks gilt: Alle Gäste müssen den vorgeschriebenen Abstand von zwei Metern einhalten. Für die Rundgänge sind Einbahnstraßen eingerichtet, so dass es beim Publikum keinen Begegnungsverkehr gibt. Die Restaurants bleiben geschlossen. Allerdings ist es in beiden Parks möglich, sich Essen aus den Imbissen zu holen, das durch Klappen oder Fenster nach außen gereicht wird. „Wir denken an ein ähnliches Vorgehen wie in Bäckereien. Die Besucher bestellen und erhalten ein Gerät, das anzeigt, wenn alles fertig ist“, sagt Schwarze-Berge-Chef Vaubel. Danach kann der Imbiss an anderer Stelle abgeholt werden. Um Gedränge zu vermeiden, werden Sitzplätze mit großem Abstand aufgestellt.

Für die Flugschauen will Vaubel zur Sicherheit jede zweite Bank aus dem Atrium ausbauen, so dass sich die Kapazität von 800 bis 900 Besuchern in etwa halbiert. Tietz denkt daran, Sitze auf der Tribüne zu sperren. Einen Termin für die Vorstellungen gibt es noch nicht.

Mitarbeiter werden in zwei Schichten aufgeteilt

Für ihre Belegschaften haben die Park-Chefs an beiden Standorten ähnliche Konzepte entwickelt. Die Mitarbeiter wurden in zwei Schichten aufgeteilt, die sich wöchentlich abwechseln, so dass die Kollegen untereinander kaum in Kontakt kommen. Wichtig ist dabei, dass bei einer Infektion die Teams jeweils komplett ausgewechselt werden können. Bei Vaubel, der zunächst 70 seiner 80 festen Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt hatte, sind monatlich pro Kopf noch fünf Tage Kurzarbeit geplant.

Vom morgigen Mittwoch an wird die völlig ungewohnte Leere in den Parks wieder Vergangenheit sein. Das dürften auch viele Tiere zu schätzen wissen. Etwa das Steinbock-Weibchen Ida in Vahrendorf, das nach der Schließung meckerte, weil keine Besucher mehr vorbeikamen. Es vermisste offensichtlich die Streicheleinheiten.