Landkreise Harburg/Stade

Autoräder-Bande schlägt an einem Wochenende dreimal zu

In Meckelfeld nahm die Polizei den Tatort auch mit Hilfe einer Drohne in Augenschein. 

In Meckelfeld nahm die Polizei den Tatort auch mit Hilfe einer Drohne in Augenschein. 

Foto: Jörg Riefenstahl

Diebe bocken 24 Neuwagen auf und schrauben hochwertige Komplettrad-Sätze ab. Schaden: mindestens 100.000 Euro.

Meckelfeld/Jesteburg. Organisierte Kriminelle schrauben im Harburger Umland gezielt hochwertige Autoräder ab und stehlen sie. Das geht aus aktuellen Erkenntnissen der Polizeiinspektionen Harburg und Stade hervor. Danach wurden allein am vergangenen Wochenende drei Autohäuser gezielt heimgesucht. Es wird vermutet, dass eine organisierte Bande hinter der Diebstahlserie steckt. Der Gesamtschaden an den insgesamt 24 beschädigten Neuwagen summiert sich nach Schätzungen der Polizei auf mehr als 100.000 Euro.

Diebeszüge in Jesteburg und Meckelfeld

Vom Hof des Autohauses Kuhn und Witte im Allerbeeksring in Jesteburg schraubten Unbekannte in der Nacht zu Sonnabend 13 Radsätze mit Alufelgen von neuen S-Modellen der Marke Audi und VW Tiguan ab und nahmen sie mit. Bei einem Jaguar-Händler in der Glüsinger Straße in Meckelfeld bockten sie zehn neue Geländewagen und Lusxuslimousinen der Marken Jaguar und Land Rover auf. Sie schraubten sämtliche Räder ab und machten sich aus dem Staub.

In Horneburg drangen die Täter in der Nacht zum Sonntag auf das Gelände eines Autohauses in der Industriestraße vor, bockten ein zum Verkauf bestimmtes BMW Cabriolet auf, montierten die Alu-Kompletträder ab und entkamen ebenfalls unerkannt in der Dunkelheit.

Täter gingen nach gleichem Muster vor

Auffällig ist, dass die Täter in allen drei Fällen nach dem gleichen Muster und vermutlich arbeitsteilig vorgingen: Nachdem die Täter auf das Gelände gelangen, löst einer die Radmuttern, der Nächste bockt den Wagen auf, ein Weiterer demontiert die Räder. Danach werden die kompletten Radsätze in einen bereitgestellten Transporter verfrachtet. Damit machen sich die Täter auf und davon.

Da sich die Fälle in zeitlicher und räumlicher Nähe abgespielt haben, zwischen Meckelfeld und Harsefeld, vermutet die Polizei, dass es sich bei den Tätern um eine eingespielte, reisende Bande handelt. „Dafür spricht neben der zeitlichen Nähe auch die Größenordnung der Taten. Wir gehen davon aus, dass mehrere Täter gemeinsam zu Werke gegangen sind. Eine solche Häufung von Raddiebstählen bei Autohäusern in so kurzer Zeit ist sehr selten“, sagt Polizeihauptkommissar Jan Krüger, Sprecher der Polizeiinspektion Harburg.

Bei dem Autohaus in Meckelfeld hatten die Täter anscheinend einen noch umfangreicheren Diebstahl geplant. An einigen weiteren Fahrzeugen waren bereits die Radmuttern gelöst. Ob die Täter gestört wurden, ist unklar.

Schäden an der Karosserie

Den Dieben geht es eindeutig – und nur – um die Radsätze, das zeigt ihre Vorgehensweise. So haben sie in Jesteburg und in Meckelfeld die Neufahrzeuge zum Teil auf Steine aufgebockt. An den Fahrzeugen entstand dadurch noch ein erheblicher Karosserieschaden durch Kratzer im Lack.

„Die Holme der Autos, der Lack, die Bremsscheiben und teure Anbauteile wurden stark beschädigt“, sagt Franz Lewandowski, Geschäftsführer des Autohauses Kuhn und Witte in Jesteburg. Ein einziger Rädersatz mit Alufelgen für einen Audi-Sportwagen schlage schnell mit 8000 bis 20.000 Euro zu Buche, so der Fachmann.

Schutz ist schwierig

Sich vor den Diebstählen zu schützen, ist schwierig. „Wir haben es mit organisierten Taten bei Autohäusern zu tun – nicht mit Privatwagen“, sagt Krüger. Von Felgenschlössern hält er nicht viel, da sie von Dieben geknackt werden können. „Wir wollen auf unserem Hof eine Kameraüberwachung installieren“, sagt Lewandowski.

Vor mehr als zehn Jahren habe in der Region schon einmal eine Autoräder-Bande ihr Unwesen getrieben. „Die haben damals bei uns in der Firma die Radsätze von sechs Autos abmontiert“, erinnert sich Lewandowski. Die mutmaßlichen Täter wurden gefasst und landeten in Lüneburg vor Gericht.