Seevetal

Clan-Streit – Polizei befürchtet weitere Eskalation

Bei einem Streit zwischen zwei Familien wurden zwei Männer mit Messerstichen und Schlägen schwer verletzt. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an.

Bei einem Streit zwischen zwei Familien wurden zwei Männer mit Messerstichen und Schlägen schwer verletzt. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an.

Foto: Joto / JOTO

Nach heftigen Kämpfen zwischen kurdischen Großfamilien wächst die Angst unter Anwohnern in Maschen. Die Hintergründe.

Maschen/Meckelfeld. Nach der brutalen Auseinandersetzung zweier kurdischer Familienclans befürchtet die Polizei nun weitere Auseinandersetzungen. Nach Erkenntnissen der Polizei könnten dabei auch Schusswaffen eingesetzt werden. In Maschen und Meckelfeld, den beiden Ortschaften, in denen am Sonnabend Angehörige beider Clans aus unbekannten Gründen aufeinandergeprallt waren, herrscht unterdessen Entsetzen. Viele Anwohner befürchten „zwischen die Fronten“ geraten zu können.

Vier Tatverdächtige konnten bisher gestellt werden. Alle blieben auf freien Fuß. Laut Staatsanwaltschaft Lüneburg konnte gegen keinen ein dringender Tatverdacht hergestellt werden. Auch ist offenbar unklar, ob der Vorwurf eines versuchten Tötungsdeliktes aufrechterhalten wird. Bei den Auseinandersetzungen waren mindestens zwei Männer mit Messerstichen und Schlägen schwer verletzt worden – Lebensgefahr bestand nach Polizeiangaben nicht.

Kurdische Familie in Maschen lebe „abgeschottet“

„Abgeschottet“, so berichten es Maschener, würde die kurdische Familie leben, die in der Gemeinde wohnt. Das gilt auch für Mitglieder der zweiten an der Auseinandersetzung beteiligten Familie. Viele leben schon länger in Deutschland. Mehrere haben auch die deutsche Staatsangehörigkeit bekommen. Im Landkreis Harburg wohnen sie „bunt verteilt“, wie es heißt.

Polizeilich aufgefallen waren Angehörige beider Familien bereits in der Vergangenheit. Auch in Verbindung mit Auseinandersetzungen untereinander. Die seien aber längst nicht so brutal gewesen wie die am Sonnabend.

Tatsächlich hatte die Auseinandersetzung deutlich dramatischere Züge, als zunächst bekannt. So hatte das Sondereinsatzkommando in Meckelfeld eine Wohnung nicht nur durchsucht, weil ein Tatverdächtiger gesucht wurde. Der Mann soll auch im Besitz zweier Schusswaffen sein, die in einem Versteck vermutet wurden. Gefunden wurden sie bei der gründlichen Durchsuchung allerdings nicht.

Schlägereien an mehreren Orten

Die Auseinandersetzungen, die sich über mehrere Stunden hinzogen, waren, so wurde mittlerweile bekannt, auch deutlich umfangreicher als zunächst festgestellt. Nach einer ersten überfallartig geführten Schlägerei auf dem Parkplatz vor Aldi, pikanterweise in unmittelbarer Nähe der neuen Polizeiwache, waren Mitglieder der in Maschen attackierten Familie in Meckelfeld in einem Geschäft aufgetaucht.

Auch dort kam es zu einer Schlägerei. Damit wurden auch die Polizeikräfte aus Maschen weggelockt. In Maschen kam es schließlich zu einer brutalen Auseinandersetzung, bei der auch Messer und Hämmer eingesetzt wurden. Auch in dem Fall sollen Beteiligte mindestens eine Schusswaffe in einem in der Nähe stehenden Wagen gehabt haben.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Mehr als 70 Beamte, darunter Polizisten aus Hamburg, von der Bundespolizei, aus den Landkreisen Stade, Celle, dem Heidekreis und Hannover waren im Einsatz. Angehörige der beiden Familien ließen sich allerdings nicht beruhigen. Selbst der Versuch der Familien-Ältesten, die Situation zu entschärfen, gelang nicht.

Verletzte unter Polizeischutz im Krankenhaus

Die beiden Verletzten, die zu der in Maschen wohnenden Familie gehören, kamen unter Polizeischutz in Hamburger Krankenhäuser. Der Wagen, mit dem die Angreifer nach der letzten Auseinandersetzung in Maschen geflüchtet waren, konnte sichergestellt werden. Im Landkreis richtete die Polizei mehrere Kon­trollstellen ein, weil weitere Auseinandersetzungen befürchtet wurden.

Die Staatsanwaltschaft tut sich unterdessen mit der Bewertung der Tat schwer. In Lüneburg war die Strafverfolgungsbehörde nicht in der Lage mitzuteilen, ob weiter wegen eines versuchten Tötungsdeliktes ermittelt wird oder ob die Tat mittlerweile auf eine gefährliche Körperverletzung herabgestuft wurde. Selbst die genauen Umstände der Tatbeteiligung konnten nicht ermittelt werden.

Das sei auch der Grund, warum die ermittelten Tatverdächtigen auf freiem Fuß bleiben. Völlig unklar ist auch das Motiv der Tat. Ganz offenbar ist keine der beteiligten Familien an einer Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden interessiert. Daran wird sich in Zukunft kaum etwas ändern.