Winsen

Zwei Radschnellwege für den Kreis

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Rolf Zamponi

Foto: Rolf Zamponi / HA

Die Metropolregion Hamburg stellt für acht Strecken eine Million Euro für Machbarkeitsstudien bereit.

Winsen.  Zwei neue Radschnellwege sollen künftig den Landkreis Harburg durchziehen. Der Lenkungsausschuss der Metropolregion Hamburg hat jetzt grünes Licht für Machbarkeitsstudien für insgesamt acht Strecken bewilligt. Die Linien sollen von 2018 an für drei Jahre geprüft werden. Daran würde sich die Bauphase anschließen. Allerdings rechnet Alexander Stark, der Stabsstellenleiter Kreisentwicklung des Landkreises Harburg kaum damit, dass der Bau vor dem Jahr 2025 beginnen wird. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, sagte Stark.

Für die Machbarkeitsstudie ist eine Million Euro vorgesehen. Die Technische Universität Hamburg hatte zuvor 33 Korridore für Radfahrer danach untersucht, ob sich mit ihnen Arbeitsplätze, Schulen oder Einkaufsmöglichkeiten besser erreichen lassen.

Die beiden Stecken durch den Landkreis Harburg führen von Lüneburg über Winsen nach Harburg sowie von Stade über Buxtehude in den Süden der Hansestadt. Die erste ist 57 Kilometer lang und reicht 25 Kilometer durch den Kreis, bei der zweiten über 56 Kilometer wird das Kreisgebiet nur über rund zwei Kilometer berührt.

Der Bau der Wege ist an die Standards von „Fahrrad-Autobahnen“ gebunden. Das bedeutet: Sie sollen bei zwei Spuren vier Meter breit werden und an ihrer Seite einen Gehweg von 2,50 Meter bieten. „Das werden wir aber gerade in Ortsdurchfahrten nicht überall einhalten können“, sagte Stark.

Im Rahmen der Machbarkeitsstudie wird jetzt festgelegt, wer die Planungen übernimmt und vor allem, wie die einzelnen Strecken finanziert werden können. Auch der genaue Verlauf steht noch nicht fest. Klar ist aber, dass Orte auf möglichst kurzen Strecken miteinander verbunden werden und die Trassen siedlungsnah verlaufen sollen. Regionale Radwegekonzept werden berücksichtigt. Die einzelnen Machbarkeitsstudien werden dabei europaweit ausgeschrieben.

„Wir werden jetzt schauen, wo Äcker durchschnitten, Gewässer oder Bahnschienen überquert werden oder andere Hindernisse umgangen werden müssen“, sagte Jürgen Krumböhmer, der Erste Kreisrat des Landkreises Lüneburg. „Möglicherweise sind auch Straßen vorhanden sind, auf denen Fahrradfahrer künftig Vorrang vor Autos haben können. Solche Umwidmungen werden nicht immer konfliktfrei ablaufen,“ so Krumböhmer, der gemeinsam mit Kai Uffelmann, Erster Kreisrat des Landkreises Harburg, das Projekt in Winsen vorstellte.

Die Baukosten ließen sich derzeit noch nicht seriös abschätzen, hieß es am Freitag. Sie dürften aber im zweistelligen Millionenbereich liegen. Neben Fördermitteln von Bund, Ländern und Gemeinden oder aus dem Städtebau könnten auch private Gelder zum Einsatz kommen. So hätten Bürger in Wuppertal etwa Spenden für einen Weg gesammelt, sagte Krumböhmer. Ein Engagement des Landes Niedersachsen liegt in seinem Sinn, machte er deutlich. „Nordrhein-Westfalen solche Radwege durch eine Gesetzesänderung zu Landesstraßen erklärt.“

Immerhin: Die politische Unterstützung des Landkreises Harburg hat das Radwegeprojekt bereits erhalten. Der Bau- und Planungsausschuss des Landkreises Harburg habe dem Projekt einstimmig zugestimmt, berichtete Kreistagsmitglied Claus Eckermann.

„Wir haben hier ein neues Thema. Es geht um eine Mobilität, die zu einem Bestandteil des gesamten Verkehrs werden soll und Knotenpunkte verbindet“, sagte Uffelmann. „Die Einstellung der Menschen verändert sich. Sie fahren schneller und weiter auch mit Hilfe von Elektrofahrrädern und sie bleiben länger fit, um solche Möglichkeiten für sich zu nutzen.“

Gleichzeitig damit würden die Ansprüche an Fahrradstrecken steigen. „Es passt nicht mehr, alles für Autofahrer zu machen und zu meinen, ein bisschen für Fahrradfahrer hier und da würde reichen“, argumentiert der Vizechef der Winsener Kreisverwaltung.

So sind die geplanten Radschnellwege für die beiden Kreisräte aus Lüneburg und Winsen auch ein Zeichen für den gesellschaftlichen Wandel. Weniger Kohlendioxid zu erzeugen und die Straßen vom Autoverkehr zu entlasten, sind Ziele, die auch Stabsstellenchef Stark nennt. „Diese Entwicklung“, versichert Uffelmann, „wollen wir jetzt voranbringen.“

274,5 Kilometer Strecke werden geprüft

Die Radschnellwege umfassen insgesamt einen Strecke von 274,5 Kilometer. Eine dritte Strecke im Kreis Harburg von Tostedt über Buchholz nach Hamburg wurde erwogen aber noch nicht mit aufgenommen.

Hamburgs Staatsrat Andreas Rieckhof, der dem Regionsrats der Metropolregion vorsitzt, ist überzeugt: „Wenn wir einen Beitrag zu sauberer Luft und weniger Staus leisten wollen, führt am Rad kein Weg vorbei.“