Helsinki-Kommission

Müll und Überdüngung: So soll die Ostsee geschützt werden

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Die Ostseestaaten wollen Plastikmüll in der Ostsee bis zum Jahr 2025 um mindestens 30 Prozent reduzieren (Symbolbild).

Die Ostseestaaten wollen Plastikmüll in der Ostsee bis zum Jahr 2025 um mindestens 30 Prozent reduzieren (Symbolbild).

Foto: picture alliance / dpa Themendienst / Florian Schuh

Die Ostseestaaten wollen verstärkt gegen Plastikmüll und die Überdüngung der Ostsee vorgehen. So sieht der neue Aktionsplan aus.

Lübeck. Die Ostseestaaten wollen verstärkt gegen Plastikmüll und die Überdüngung der Ostsee vorgehen. Darauf haben sich die Mitglieder der Helsinki-Kommission (Helcom) bei ihrem Treffen in Lübeck einstimmig geeinigt. Außerdem beschlossen die Teilnehmer erstmals eine Wissenschaftsagenda zum Ostseeaktionsplan (Baltic Sea Action Plan, BSAP).

„Die Ostsee und ihre Küsten sehen sich vielen Herausforderungen gegenüber, wie Überdüngung, Meeresverschmutzung, Rückgang der Fischbestände und Auswirkungen des Klimawandels“, sagte EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius am Mittwoch. Der aktualisierte Plan werde helfen, den Zustand der Ostsee bis 2030 zu verbessern.

Schutzfläche der Ostsee wird ausgeweitet

Der ursprünglich aus dem Jahr 2007 stammende Plan wurde nach Angaben der Helsinki-Kommission aktualisiert und bis zum Jahr 2030 fortgeschrieben. Die Verlängerung des Plans sei ein großer Tag für alle Ostseestaaten, sagte der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth. „Die jetzt beschlossenen Maßnahmen sind viel konkreter als die von 2007.“

Als Beispiel nannte er die jetzt vereinbarten Obergrenzen für Plastikmüll in der Ostsee. „Der soll bis zum Jahr 2025 um mindestens 30 Prozent und bis 2030 um 50 Prozent vermindert werden“, sagte er. Auch für die Reduzierung von Nährstoffen in der Ostsee seien konkrete Obergrenzen festgesetzt worden. Weniger Überdüngung soll das Algenwachstum senken. Auch der Unterwasserlärm soll reduziert werden. Außerdem solle die Schutzfläche der Ostsee bis 2030 von derzeit 15 Prozent auf 30 Prozent erhöht werden.

Bedrohung der Ostsee durch alte Weltkriegsmunition

Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) wies auf die Bedrohung der Ostsee durch alte Weltkriegsmunition hin. „Diese Altlasten rosten auf dem Meeresgrund. Wir müssen ein flächendeckendes Austreten der giftigen Stoffe in die Umwelt durch eine systematische Bergung verhindern, bevor es zu spät ist“, sagte er.

„Sind die Meere krank, geht es auch den Menschen schlecht. In den nächsten Jahren wollen die Helcom-Partner die Meeresverschmutzung in den Griff kriegen und das Ökosystem Ostsee intakt bringen“, sagte Umweltstaatssekretär Flasbarth. Vor allem dürfe der wirtschaftliche Aufbau nach der Corona-Krise nicht zu Lasten von Klimaschutz und Meeresschutz gehen.

Deutschland hat von 2020 bis 2022 den Vorsitz der Ostsee-Meeresschutzkommission inne. Der Kommission gehören Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Polen, Russland, Schweden sowie die EU an.

Naturschutzverbänden wie dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und dem World Wide Fund For Nature (WWF) gehen die Beschlüsse nicht weit genug. Die Probleme des Ökosystems Ostsee seien schon lange bekannt, sagte der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt. Das Problem sei, dass der Ostseeschutz nicht konsequent genug durchgesetzt werde. Der WWF forderte verbindliche Verpflichtungen, um den guten Umweltzustand eines der am stärksten bedrohten Meeresökosysteme der Welt wiederherzustellen.

( dpa/afp )

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