Baltrum

Im Video: Walross ruht sich auf Nordsee-Insel aus

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Walross vor Baltrum gesichtet

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Spektakulärer Besuch auf Baltrum: Eine junge Walrossdame machte es sich auf einer Buhne der Ostfriesischen Insel bequem.

Baltrum . Auf der Nordsee-Insel Baltrum ist offenbar ein Walross gesehen worden. Der Arktisbewohner habe am Dienstagmorgen auf einer breiten Buhne – einer Küstenschutzanlage – an der Westspitze der Ostfriesischen Insel im niedersächsischen Wattenmeer gelegen, berichtete Dünen- und Vogelwart Heinz Ideus. Daraufhin versammelten sich zahlreiche Schaulustige. „Ich habe es erst gar nicht geglaubt, als mich ein Baltrumer darauf aufmerksam gemacht hat“, sagte er. Er habe dafür gesorgt, dass das Walross in Ruhe dort liegen konnte und ihm niemand zu nah kam.

Die Gemeinde schaltete die Seehundaufzuchtstation Norddeich ein. Dort tauschte man sich mit europäischen Kolleginnen und Kollegen aus und stellte fest, dass das Walross wohl zuletzt in Dänemark gesichtet worden war. Nach Angaben von Chef-Tierpfleger Tim Fetting von der Aufzuchtstation wurde seit 1998 kein Walross mehr in der südlichen Nordsee gesehen. Damals war ein Tier auf der Insel Juist aufgetaucht.

Baltrum: Walross auf Nordsee-Insel gesichtet

Gegen 13.30 Uhr war das Walross dann wieder weggeschwommen, sagte Dünen- und Vogelwart Heinz Ideus am Mittwoch: „Ich hatte den Eindruck, dass es ausgeschlafen hatte."

„Walrosse können weite Strecken zurücklegen und sind auch innerhalb des arktischen Lebensraumes recht mobil“, sagt Ursula Siebert, Expertin für Meeressäuger an der Tierärztlichen Hochschule Hannover (Tiho). Zuletzt war 1998 ein Walross in der südlichen Nordsee - nämlich auf Juist und auf Sylt - gesichtet worden. „Meist sind das abenteuerlustige jüngere Tiere, die auch eine Weile bleiben, wenn sie sich wohlfühlen“, sagt die Wissenschaftlerin.

  • Das Walross (Odobenus rosmarus) ist eine Robbenart, die eigentlich in den kalten Meeren der Nordhalbkugel vorkommt
  • Es gehört zur Ordnung der Raubtiere
  • Walrossbullen werden etwa dreieinhalb Meter lang, die Kühe hingegen drei Meter
  • Das auffälligste Merkmal des Walrosses sind die Stoßzähne
  • In der südlichen Nordsee wurde zuletzt 1998 ein Walross gesichtet - vor Juist

Im März war an der Küste der britischen Provinz Wales sowie an der irischen Westküste jeweils ein Walross gesehen worden. Biologen gingen im Frühjahr davon aus, dass es sich um das gleiche Tier handelte - womöglich auf einer Eisscholle angeschwemmt.

Walross auf Baltrum hatte Hautabschürfungen an Flossen

Die bis zu 3,50 Meter langen und bis zu 1000 Kilogramm schweren Walrosse leben eigentlich rund um den Nordpol. Sie gelten als gefährdete Art. Naturschützern zufolge bringt die Eisschmelze in der Arktis aufgrund des Klimawandels die Raubtiere mit den markanten Stoßzähnen besonders in Not.

Die massige Walross-Dame hatte zwar Hautabschürfungen an den Vorderflossen, wirkte aber sonst gesund. Sie soll sich sogar einem Angler neugierig genähert haben. „Als ein Hund bellte, hat das Walross aufmerksam den Kopf gehoben“, berichtet die Leiterin des Nationalparkhauses auf Baltrum, Karen Kammer. „Leider meinte dann auch noch ein Boot, es müsse sich nähern.“ Das Tier habe aber seine Ruhe gebraucht.

„Das Walross war zwar ein Publikumsmagnet, aber es gehört nicht hierher“

„Um 12.30 Uhr hatten wir Hochwasser. So gegen 13.30 bis 14.00 Uhr ist das Walross wieder weggeschwommen“, erzählt Dünenwart Ideus. „Es wäre wünschenswert, dass es den Weg nach Hause findet oder zumindest Kameraden.“ Das sieht Inselbürgermeister Harm Olchers ähnlich: „Es war zwar ein Publikumsmagnet, aber es gehört nicht hierher.“

An der Atlantikküste macht seit einigen Monaten ebenfalls ein Walross Schlagzeilen. Das Männchen wurde unter anderem in Wales und Irland gesichtet und inzwischen Wally getauft. Es gibt sogar ein Video, in dem offenbar dieses Walross versucht, in ein Boot zu klettern. Das Weibchen von Baltrum soll vorher in Dänemark gesehen worden sein.

Eisschollen sind eigentlich typische Ruheplätze für Walrosse

Vereinzelte Arktis-Bewohner, die sich nach Süden verirren, gab es schon immer. Der Klimawandel könnte jedoch zu größeren, erzwungenen Wanderbewegungen führen. So dringen Eisbären in Russland und Kanada auf der Suche nach Nahrung vermehrt in Dörfer ein. Walrosse haben nicht mehr ausreichend Ruheplätze, liegen gedrängt auf Felsen und kommen bei durch Störungen verursachten Massenpaniken zu Tode. Auch die verstärkte Schifffahrt und Ölförderung in der Arktis ist laut der Organisation WWF ein Problem für die gefährdeten Tiere.

„Der Eisbär ist schon gut untersucht, aber es ist erstaunlich, wie wenig wir über das Walross wissen“, sagt Tiho-Professorin Siebert. Deshalb sei an der Tiho Hannover unter anderem ein Projekt zur Erforschung der Meeressäuger in Kooperation mit Russland in Planung. Eisschollen sind eigentlich typische Ruheplätze für Walrosse, jedoch fehlen sie zunehmend aufgrund der Erwärmung der arktischen Gewässer. „Es ist ganz traurig, dass den Tieren quasi der Lebensraum unter dem Körper wegschmilzt.“

( dpa )

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