Pop it

Dieses besondere Spielzeug aus Kiel erobert Deutschland

| Lesedauer: 4 Minuten
Camilla John
Pop it ist bei Kindern sehr beliebt: Die Spielzeuge aus Silikon hatte zunächst Enis Ayari, Erfinder und Gründer der Kinderwarenfirma bumpli aus Kiel, in Deutschland vertrieben. Er findet täglich neue Inspirationen bei Ehefrau Elisabeth und Sohn Elyan.

Pop it ist bei Kindern sehr beliebt: Die Spielzeuge aus Silikon hatte zunächst Enis Ayari, Erfinder und Gründer der Kinderwarenfirma bumpli aus Kiel, in Deutschland vertrieben. Er findet täglich neue Inspirationen bei Ehefrau Elisabeth und Sohn Elyan.

Foto: bumpli

Enis Ayari vertrieb hier als Erster die bei Kindern beliebten Silikonmatten. Gedacht waren sie aber für eine andere Zielgruppe.

Kiel. Plopp, plopp, ploppplopp. „Neun Sekunden“, brüllt es durch die Küche. Ein neuer Rekord, den der achtjährige Clemens aufgestellt hat. In dieser kurzen Zeit hat er alle fingerspitzengroßen Einkerbungen seines Pop-it-Spielzeugs eingedrückt.

Pop its gibt es seit einigen Wochen überall zu kaufen, im Supermarkt, am Kiosk, in der Tankstelle, online. Etwa fünf Euro kosten die handtellergroßen Silikonmatten mit Mulden, die man eindrücken und dann umdrehen kann. Mal in Form eines Einhorns, dann als Eisbecher, Herz oder Ninja.

Pop it: Spielzeuge erinnern an Luftpolsterfolie

„Es erinnert an Luftpolsterfolie“, sagt Enis Ayari, „aber ursprünglich war es ein Spielzeug für Autisten, um die Feinmotorik zu trainieren.“ Der 33 Jahre alte Kieler kennt sich aus, hat zum einen lange Zeit gemeinsam mit einem autistischen Freund an einer Wasseraufbereitungsanlage getüftelt, zum anderen ist der junge Vater Gründer und Inhaber der Kinderwarenfirma Bumpli mit Sitz in Kiel-Wellsee.

Den Trend und die Anziehungskraft auf die junge Käuferschicht der Pop its hat er früh erkannt – durch eine Verwandte: „Ende April habe ich die kleine Tochter meiner Cousine gefragt, was denn gerade so in ist, und sie hat mir auf Tik Tok diese Spielzeuge gezeigt“, sagt Ayari. „Ich habe sofort gewusst, dass wir damit auf den noch komplett leeren deutschen Markt müssen.“

Ab 22. Mai verkaufte er dann online nach eigenen Angaben als Erster in Deutschland die begehrten Spielzeuge. Ähnlich wie vor einigen Jahren, als die drehenden Fidget Spinner oder Tamagochi-Eier Schulhöfe und Kinderzimmer einnahmen, um wenige Monate später im Staub unter der Couch ihr Ende zu finden.

Pop it sorge für Entspannung und Stressabbau

Nun sind es eben die Noppen, die in den meisten Haushalten mit Kindern und Jugendlichen gedrückt und gequetscht werden – vielleicht beschert das sensorische Spielzeug dem einen oder anderen die angepriesene Entspannung, baut Stress durch eine geführte Beschäftigung der Hände ab.

Wer früher gedankenverloren einen Stift in den Fingern drehte oder Haarsträhnen zwirbelte, kann jetzt also ploppen. Oder noch viele andere Dinge damit anstellen, Plattformen wie YouTube zeigen zuhauf Videos von Usern, die die Formen zum Wassereinfrieren benutzen, oder dafür, darin Smarties mit Schokolade zu übergießen, kalt zu stellen und dann Schokoriegel zu genießen.

Spielzeug auch als Kuchenformen verwendbar

„Man kann sie auch als Kuchenformen benutzen“, weiß Anari, der gerade ein Pop it in Schildkrötenform produzieren lässt. Das Tier soll von nun an zum Markenzeichen seines Unternehmens avancieren, das vor einigen Tagen seinen zweiten Geburtstag feierte. „Das Silikon unserer Formen ist bis zu 300 Grad erhitzbar und komplett schadstofffrei.“ Da es noch kein nachhaltig produziertes Silikon gebe, zahlt Bumpli für CO2-Neutralität.

„Bei all unseren Produkten ist es immens wichtig, dass sie völlig unbedenklich für Babys, Kinder und Eltern sind“, sagt der Vater des zweijährigen Elyan, der Ingenieurwesen studiert hat und seinen beruflichen Durchbruch mit einer Erfindung hatte, die gleichzeitig das erste Kaufprodukt seiner Firma war: „Mein patentiertes Nachtlichtsystem für Baby- und Kindertrinkflaschen“, sagt Ayari mit Stolz in der Stimme.

Pop it bringt die Firma des Kielers nach vorn

Das mit dem deutschen Innovationspreis ausgezeichnete Produkt ist eine äußerst dehnbare Silikonhülle, die über den Boden der Flaschen gezogen wird, darin ein aufladbares und dimmbares Lichtmodul, das ans Trinken erinnern soll und die oft verschwundene Flasche nachts leicht auffindbar macht. Nach TV-Auftritten werden Ayaris Produkte heute in vielen Rewe-, Rossmann- und Baby-One-Märkten sowie online geführt. „Bis hierher war es ein echt schwerer Weg“, sagt er. „Nicht so viele haben an mich geglaubt, aber ich wusste, dass es richtig ist und habe Tag und Nacht gearbeitet.“

Heute wächst seine Firma kontinuierlich, neue Produkte wie auslaufsichere Trinkflaschen und unterteilbare Brotdosen sind im Sortiment, Massen an weiteren Ideen zudem bereits in Ayaris Kopf. Längst tüftelt er nicht mehr allein, rund zwanzig Mitarbeiter – darunter seine Ehefrau Elisabeth Karoline, Cousins und Freunde, sind im Team.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Region