Ostsee

Diese dänische Insel sucht Investoren aus Norddeutschland

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Ulrich Gaßdorf
Auf dem Areal an der Ostsee sind bis  zu 500 Ferienappartements geplant.

Auf dem Areal an der Ostsee sind bis zu 500 Ferienappartements geplant.

Foto: Lykke+Nielsen Arkitekter

Auf dem Gelände einer ehemaligen Zuckerfabrik soll eine exklusive Ferienanlage entstehen – mit Wohnungen und Tiny Houses.

Insel Møn. Eine gute Stunde mit dem Auto dauert die Fahrt vom pulsierenden Kopenhagen bis nach Stege. Das ist die Inselhauptstadt der beschaulichen dänischen Ostseeinsel Møn. Und nur wenige Hundert Meter von der Ortsmitte entfernt ist das riesige Areal einer ehemaligen Zuckerfabrik zu finden. Das liegt direkt an der Ostsee, hat eine Größe von rund 86.000 Quadratmetern und damit die Ausmaße des Holsten Areals in Hamburg, dessen städtebauliche Entwicklung für die Hansestadt von großer Bedeutung ist.

Für die Insel Møn ist das Sukkerfabrikken – so die offizielle Bezeichnung für das Projekt – ein Bauvorhaben der Superlative. Und bei der Vermarktung spielt die Robert C. Spies Gruppe mit Sitz in Bremen, Hamburg und Frankfurt eine große Rolle. Die Immobiliendienstleister haben den exklusiven Auftrag der Eigentümer erhalten, für das Sukkerfabrikken-Projekt Investoren zu gewinnen. Dabei setzt die eigens gegründete Tochter Robert C. Spies Nordics ApS mit eigenem Büro in Kopenhagen vor allem auf „Investoren aus Norddeutschland und damit natürlich auch aus Hamburg“, sagt Christoph-A. Böhme, Leiter Investment, beim Ortstermin mit dem Abendblatt auf Møn.

Ostsee: 500 Appartements und Tiny Houses sind geplant

Der Masterplan für das außergewöhnliche Ferienresort steht: „Auf dem Gelände ist Platz für bis zu 500 Ferienappartements in drei- bis sechsgeschossiger Bauweise mit Meerblick“, sagt Böhme. Neben ihm steht Bent Lykke. Der Architekt ist einer der Eigentümer des Areals und lässt den Blick über die Ostsee schweifen. „Es sollen 25 Tiny Houses mit jeweils eigenen Bootsanleger auf einem 150 Meter langen Steg mitten im Meer gebaut werden. Das ist natürlich das absolute Highlight für die Urlauber, die nach Møn reisen und wäre ein Alleinstellungsmerkmal.“

Und am Ufer werde ein Sandstrand aufgeschüttet, erzählt Lykke. Dann dreht sich der Däne um und zeigt auf die beiden rund 50 Meter hohen Silos ­– die höher als der Kirchturm von Stege sind. „Die Silos bleiben erhalten. Dort könnten Appartements auf einem Stahlgerüst angebaut werden.“ Und was passiert im Inneren der Silos? „Da könnte zum Beispiel ein Aqua Dome mit Riesenrutschen entstehen“, sagt Lykke. In der obersten Etage des Silos gibt es Räume und darüber eine Dachfläche. „Diese Flächen würden sich gut für ein Restaurant mit Rooftop-Bar eignen“, sagt Lykke.

Unterstützung kommt auch vom Bürgermeister

Inzwischen ist auch Bürgermeister Mikael Smed eingetroffen und sagt: „Wir unterstützen dieses Projekt. Es ist extrem wichtig für die Insel Møn und auch für die Menschen die hier leben. Zum einen würde ein neues dringend benötigtes Angebot für Touristen geschaffen und zum anderen auch Arbeitsplätze. Die Sukkerfabrikken sind ein ganz besonderer Ort. Eigentlich hat jede Familie auf dieser Insel jemanden in ihren Reihen, der dort mal gearbeitet hat.“ Seit 1986 wird hier kein Zucker mehr produziert, und 2005 hatten Lykke und seine Partner das Gelände gekauft. Aktuell sind in den ehemaligen Produktionsgebäuden, die erhalten bleiben sollen, unter anderen ein Supermarkt, eine Pizzeria, Künstler und ein Fitnessstudio Mieter.

„Wir haben hier über die Jahre rund eine Million Euro aus den Mieteinnahmen in den Erhalt und die Sanierung der Gebäude investiert. Aber jetzt ist es an der Zeit, dieses Grundstück zu einem Resort zu entwickeln, das natürlich nicht nur den Urlaubern, sondern auch den Einheimischen offensteht“, sagt Lykke. Bis Ende des Jahres solle es einen Localplan für das Areal geben, sagt der Bürgermeister. Wenn der Bebauungsplan steht, dann „kann ab Januar 2022 mit der Umsetzung des Projekts begonnen werden. Erste Gespräche mit potenziellen Investoren aus dem norddeutschen Raum haben wir schon geführt“, sagt Böhme.

Bauvorhaben in Dänemark schneller umsetzbar

Der Vorteil in Dänemark sei, dass hier Bauvorhaben deutlich schneller und unbürokratischer umgesetzt werden könnten, weil die Kommunen sehr kooperativ seien. Daran lässt auch Bürgermeister Smed keinen Zweifel aufkommen. „Die Investoren aus Deutschland sind bei uns willkommen, und die Politik befürwortet die Pläne, das Gelände zu entwickeln.“

Und Simon Zachodnik, Vizepräsident der Møn Southzealand Tourist Organisation, ergänzt. „Wir haben auf der Insel bislang nur ein paar kleine Hotels. Wir haben eine große Nachfrage, aber ein Kapazitätsproblem. Deshalb brauchen wir dieses Projekt, das ein Motor für den Tourismus wäre. “ Im Jahr 2019, das sind die letzten relevanten Zahlen, zählte Møn rund 375.000 Übernachtungen. Davon entfielen etwa 33 Prozent auf Touristen aus Deutschland. Damit machen die Deutschen den größten Anteil der ausländischen Touristen aus.

Attraktion sind Kreidefelsen Møns Klint

Ein Hotel mit etwa 130 Zimmern soll in einem der ehemaligen Produktionsstätten der Zuckerfabrik in einem imposanten Backsteingebäude entstehen. „Die Verbindung aus Altem und Neuem wird den Charme dieses Projekts ausmachen“, sagt Lykke und führt durch eines der Gebäude. Er bleibt im Eingangsbereich stehen. Der Bürgermeister steht neben ihm und sagt. „Hier wollen wir als Kommune ein Welcome-Center für die Touristen einrichten, die Møn besuchen.“ Die Insel hat rund 9000 Einwohner, und eine Attraktion sind die Kreidefelsen Møns Klint.

Auch Flächen für Geschäfte, Gastronomie und Seminare sollen entstehen. In einem weiteren Gebäude gibt es bereits eine Veranstaltungshalle, „hier passen bis zu 600 Personen rein. Diese Location eignet sich auch gut für Konferenzen“, sagt Lykke. Der Architekt hat viele Ideen, dazu zählt auch Otto’s Erlebnisfabrik. Otto, so erzählt es Lykke, heißt der ehemalige Hausmeister der Zuckerfabrik, der inzwischen weit über 80 Jahre alt ist und immer noch auf dem Gelände nach dem Rechten schaut. „Auf der Fläche könnte ein Areal für Kinder und Jugendliche entstehen mit Indoorspielplatz und Kletterwand“, sagt Lykke.

Weitere Großprojekte geplant

Aber am Ende werden wohl die Geldgeber das letzte Wort haben, wenn es um die Feinheiten bei der Umsetzung des Projekts geht. Dem Vernehmen nach ist von einem Investitionsvolumen von rund 100 Millionen Euro die Rede. „Es gibt für Investoren viele Möglichkeiten, sich an diesem Projekt zu beteiligen. Es können einzelne Baufelder erworben werden, um zum Beispiel die Appartements zu bauen oder die Tiny Houses zu erwerben. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, nur das Gebäude zu kaufen und umzubauen, das für das Hotel vorgesehen ist und das dann entweder selber zu betreiben oder an eine Kette zu vermieten“, sagt Böhme. Aber es sei auch möglich, die gesamte Fläche von 8,6 Hektar zu erwerben, um das Projekt dann in Gänze umzusetzen.

Unterdessen ist die dänische Gesellschaft von Robert C. Spies nicht nur auf der Insel Møn aktiv. Zweimal im Monat reist Christoph-A. Böhme in das deutsche Nachbarland, das auch ein beliebtes Reiseziel der Hamburger ist. Bereits im vergangenen Jahr wurde ein 18.000 Quadratmeter großes Grundstück von den Immobiliendienstleistern auf der Insel Rømø an die Überseeinsel GmbH vermittelt. Eine dänische Gesellschaft des Bremer Unternehmens hat das Grundstück direkt am Hafen in Havneby erworben (wir berichteten), um dort Wohnungen und Ferienappartements zu errichten. Jetzt wurde bekannt, dass die Norddeutschen ihr Investment auf rund 25 Millionen Euro aufstocken und zusätzlich ein Hotel mit 120 Zimmern und Gastronomie an dem Standort bauen werden. Auch ein Marktplatz als Treffpunkt für Insulaner und Touristen soll entstehen. Der Bauantrag soll noch in diesem Jahr eingereicht werden, und der erste Spatenstich ist im ersten Halbjahr 2022 geplant.

Norddeutsche investieren auch in Kopenhagen

Investmentexperte Böhme hat viel zu tun. Demnächst soll ein Deal mit einem Volumen von rund 50 Millionen Euro unterschrieben werden. Investoren aus Norddeutschland steigen in Wohnungsbauprojekte in Kopenhagen und Umgebung ein. Und auch das Thema Tourismus beschäftigt Böhme und sein Team nicht nur auf Møn. „Auf den dänischen Inseln gibt es zahlreiche Flächen in Eins-a-Lagen direkt am Wasser, die für den Tourismus entwickelt werden können.“ Böhme nennt Beispiele.

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Auf der Insel Fanø sollen auf einem rund 40.000 Quadratmeter großen Grundstück an der Ostsee Ferienappartements, ein Hotel mit Wellnessbereich und Gastronomie errichtet werden. Die Exklusivität für dieses Areal am Strand hat sich nach Abendblatt-Informationen bereits ein Hamburger Projektentwickler gesichert. Auch auf der Insel Lolland ist ein Ferienresort auf einem 250.000 Quadratmeter großen Grundstück am Wasser geplant. „Dort besteht bereits Baurecht, und wir sind in Gesprächen mit Investoren.“ Außerdem werde die Anreise aus Norddeutschland mit der Fertigstellung des Fehmarnbelt-Tunnels ab Ende der 2020er Jahre deutlich weniger Zeit in Anspruch nehmen, sagt Böhme.

Ostsee: Hoffnung auf norddeutsche Investoren für Bauprojekt

Zurück auf das Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik auf Møn. Der Bürgermeister hat sich inzwischen verabschiedet. Bent Lykke steht auf dem großen Parkplatz, im Hintergrund ragen die Silos in den Himmel. Die Sonne scheint. Der umtriebige Architekt lächelt und sagt. „Dänemark ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Ich bin mir sicher, dass wir für unser Projekt auch norddeutsche Investoren begeistern können.“

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