Ostsee und Nordsee

Hotels an den Küsten ausgebucht – Urlauber bleiben länger

| Lesedauer: 8 Minuten
Urlaub an Ostsee (wie hier in Scharbeutz) und Nordsee ist besonders 2021 gefragt. Viele Hotels und Ferienwohnungen sind ausgebucht.

Urlaub an Ostsee (wie hier in Scharbeutz) und Nordsee ist besonders 2021 gefragt. Viele Hotels und Ferienwohnungen sind ausgebucht.

Foto: Bodo Marks / dpa

Die Corona-Beschränkungen verändern auch die Gästestruktur an Ostsee und Nordsee. Das sorgt für ein gravierendes Problem.

Kiel. Noch bis in den September hinein wird es schwer werden, an Nordsee und Ostsee für einen Kurzurlaub eine freie Unterkunft in Hotel oder Ferienwohnung zu finden – das ist schade für diejenigen, die spontan an die Küste wollen. Die Küstenregion dagegen freut sich über eine erfolgreiche zweite Corona-Sommer-Saison mit einer Belegung von fast 100 Prozent. Eine Saison, die ein wenig anders ist als sonst. Mit Gästen, die manchmal ganz besondere Vorstellungen haben.

Gäste überall. Wer in diesen Tagen durch Büsum schlendert, ist nicht allein. Erst Ende September werden es weniger Touristen sein, sagt Olaf Raffel, Geschäftsführer der Tourismus Marketing Service Büsum GmbH. „Es ist voll. Wir sind auch für die kommenden drei Wochen zu 99 Prozent ausgebucht“, sagt er.

Viele Hotels in Büsum an der Nordsee ausgebucht

Diese Sommersaison ist länger als üblicherweise, so der Tourismuschef. Er weiß schon jetzt: „Oktober und November werden hervorragende Monate. Da geht es richtig rund.“ Bereits im vergangenen Corona-Sommer verzeichnete der Küstenort rund zehn Prozent neue Gäste, die zuvor noch nie in Büsum waren und sehr viel jünger seien als die Stammgäste. Viele Gäste, das allein ist schon ein Grund für Olaf Raffel sich zu freuen.

Doch in Büsum gibt es einen weiteren Grund: Die HeimatHafen Hotels haben mit dem Bau der Bretterbude begonnen, etwas später als geplant. Ursprünglich sollte es im Frühjahr losgehen.

Der derzeitige Besucheransturm habe auch noch weitere Effekte. „Der Einzelhandel, vor allem der Lebensmittelbereich, hat ein enormes Umsatzplus machen können. Der Grund: Die Leute versorgen sich überwiegend selbst in ihren Ferienunterkünften“, sagt Raffel. Eine nicht ganz so schöne Begleiterscheinung ist die Menge an Müll.

Die habe ebenfalls zugenommen. „Viele weichen auf Essen zum Mitnehmen aus, dadurch steigt die Menge an Müll an“, so Raffel. Es wurden zusätzliche Mülleimer aufgestellt und neun „Big Belly Anlagen“ mit integrierter Müllpresse. Der Clou: Der Mülleimer meldet den Verantwortlichen, wenn er voll ist und geleert werden muss.

Nachfrage an Ostsee und Nordsee anhaltend hoch

Ganz ähnlich sieht es auf Sylt, in Grömitz, an der Schlei oder an der Flensburger Förde aus: „Die Nachfrage ist anhaltend sehr hoch, das heißt es sind nur noch vereinzelt Unterkunftsmöglichkeiten zu finden“, sagt Moritz Luft, Geschäftsführer der Sylt Marketing GmbH. „Die Monate September und Oktober stellen sich ähnlich wie im Vorjahr als sehr beliebte Reisezeiträume heraus.“

Lesen Sie auch:

Er rechnet mit einem, im Vergleich zu den Vorjahren bis 2019, stärkerem dritten Quartal in den Bereichen Anreise und Übernachtungen. Luft: „Wir profitieren an der deutschen Küste erneut von einer durch Pandemie-Entwicklungen und -Regelungen empfundenen Unsicherheit bei Urlaubsreisen ins Ausland.“ Dass sich das Müllaufkommen im Verhältnis zum Gästeaufkommen verhält, sei überall ähnlich. „Insofern haben die Servicekräfte momentan jede Menge zu tun.“

Urlaub auf Sylt: Mehr Betten sind nicht erwünscht

Damit die Kapazitätsgrenzen auf Sylt, vor allem jetzt in den Sommerwochen, nicht überschritten werden, seien höhere Bettenkapazitäten auf der Insel nicht erwünscht. Sonst werde es schwierig, die Insel überhaupt noch zu erreichen und auch verkehrstechnisch komme Sylt an seine Grenzen. Nicht die Menge an Urlaubern zähle, sondern es gehe darum, einen hochwertigen Urlaub auf der Insel zu verbringen. Qualität statt Quantität.

Auf der Nachbarinsel Föhr hat man ähnlich wie in Büsum beobachtet, dass viele Gäste bis zu diesem Corona-Sommer noch nie an der Nordsee waren: Sie kennen die Strandregeln und das Verhalten bei Ebbe und Flut noch nicht. „Aber alles ist entspannt“, heißt es von der Föhr Tourismus GmbH (FTG). Auf der nordfriesischen Insel zeichnet sich ein leichter Trend hin zu mehr Dauervermietungen ab.

Ostsee: Fehmarn will mehr Ganzjahrestourismus

Da machen Hotelbetten Sinn. Jochen Gemeinhardt, FTG-Geschäftsführer: „Ein zusätzliches Hotel wäre wünschenswert, um auch für Kurzaufenthalte ein größeres Angebot zu haben – besonders jetzt, wo viele Menschen in Deutschland Urlaub machen. Wer die Insel noch nicht kennt, möchte ungern gleich ein bis zwei Wochen buchen, wie es bei vielen Ferienunterkünften aber gewünscht ist. Hotels bieten da eine tolle Gelegenheit, ein paar Tage Nordseeluft zu schnuppern.“

Die Ostseeinsel Fehmarn setzt ebenfalls stärker auf Hotelbetten. „Fehmarn steht im engen Kontakt mit Investoren zum Bau von Hotels am Südstrand von Burgtiefe. Diese Betten werden auch benötigt, um die Vor- und Nachsaison zu stärken. Ziel ist ein Ganzjahrestourismus auf Fehmarn“, so Lina Rotte vom Tourismus-Service Fehmarn.

St. Peter-Ording hat mehr Urlauber von anderswo

Auf dem Festland in St. Peter-Ording, wo die Buchungsauslastung bei 97 Prozent liegt, hat sich die Gästestruktur in diesem Sommer auch ein wenig geändert: „Wir haben mehr Gäste aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin“, sagt Claudia Nissen von der Tourismuszentrale. „Das kommt sicherlich daher, dass Nordfriesland mit der Modellregion als Zweite neben der Schleiregion gestartet ist und wir dadurch das Interesse der Urlauber geweckt haben.“ Die Gäste buchen im Durchschnitt 6,8 Tage, das sind im Schnitt 1,2 Tage länger als zu Nicht-Coronazeiten. Coronabedingt verschiebt sich die Saison nach hinten, da sie ja auch erst am 1. Mai gestartet war.

Gute Nachrichten aus Sicht der Touristiker kommen von der Flensburger Förde. Die Region ist im August zu mehr als 95 Prozent ausgebucht. „Es gibt nur wenige kleine Lücken über höchstens zwei bis drei Tage“, sagt Gorm Casper, Geschäftsführer der Tourismus Agentur Flensburger Förde GmbH. „Die erste Septemberwoche ist zu 87 Prozent ausgebucht, erst danach haben wir mehr Vakanzen – rechnen aber damit, dass die weiteren Septemberwochen zu über 80 Prozent gebucht und bei schönem Wetter auch komplett belegt sein werden.“ Im Vergleich zu 2019 sei die Saison deutlich länger.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Unter den diesjährigen Gästen seien offenbar viele, die Pauschalreisen gewohnt sind und entsprechende Ansprüche und Erwartungen haben, so die Beobachtung von Gorm Casper. „Wenn dann das Frühstück in der Ferienwohnung nicht ans Bett geliefert werden kann, sorgt dies für Überraschung. Auch verändert hat sich die Bereitschaft zu Gruppenaktivitäten, da die Menschen aufgrund der Pandemie eher davor zurückscheuen, etwas mit Fremden zu unternehmen. Zugleich haben sie sich sehr daran gewöhnt, etwas alleine zu unternehmen.“

Ostsee: Lübecker Bucht im Herbst zu 75 Prozent gebucht

Doris Wilmer-Huperz von der Lübecker Bucht Tourismus meldet für den Bereich von Scharbeutz bis Rettin einen super Sommer. „Bis Ende August sind wir mit unseren Vermittlungsobjekten ausgebucht, da kann man nur mit Chance eine Stornierungslücke erwischen.“ Wer für September an die Lübecker Bucht möchte, sollte sich beeilen: Der September ist aktuell zu 75 Prozent gebucht. Es kommen gerade viele Anfragen für den September rein.

Der September ist auch in Grömitz bereits sehr gut gebucht nach einem sehr erfolgreichen Sommer. Jetzt im August ist eigentlich keine Unterkunft mehr frei, sagt Jacqueline Felsmann vom Tourismus-Service Grömitz. „Wir spüren eine deutliche Saisonverlängerung.“

Die ersten beiden Septemberwochen sind noch sehr stark, im Anschluss sinkt die Auslastung leicht ab, sodass noch Unterkünfte vermittelt werden können. „Langjährige Vermieter berichten, dass weit bis in den Oktober hinein die Buchungslage sehr gut ist.“ Die Urlauber bleiben auch hier länger als sonst. „In den Sommerferien buchen die Gäste deutlich länger, da haben wir viele Gäste, die für sieben bis 14 Tage bei uns sind.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Region