Stadtentwicklung

Glückstadt: Streit um Hotelneubau am Marktplatz

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Friederike Ulrich
So soll sich das „Altstadthotel Am Fleth“ zum Markt und zur Großen Nübelstraße hin präsentieren.

So soll sich das „Altstadthotel Am Fleth“ zum Markt und zur Großen Nübelstraße hin präsentieren.

Foto: André Fuhrmann-Oster

Die Bürgermeisterin und Vertreter aller Parteien würden das Vier-Sterne-Haus mit 47 Doppelzimmern begrüßen. Doch es gibt Kritik.

Glückstadt. Im beschaulichen Städtchen Glückstadt an der Elbe ist ein Streit um den städtebaulichen Umgang mit der historischen Substanz entflammt. Konkret geht es um einen Hotelneubau, der am historischen Marktplatz entstehen soll. Das Vier-Sterne-Hotel wäre mit 47 Doppelzimmern eine Bereicherung für die mit Hotelbetten unterversorgte Hafenstadt.

Doch die zuständige Denkmalschutzbehörde lehnt das geplante „Altstadthotel Am Fleth“ mit der Begründung ab, es wäre um ein Stockwerk zu hoch. Es gelte baurechtlich als viergeschossig und füge sich weder in die Bebauung des Marktplatzes ein noch in die der Großen Nübelstraße. In einer gemeinsamen Presseerklärung haben Bürgermeisterin Manja Biel, Vertreter aller Parteien sowie die Investoren diese Entscheidung scharf kritisiert. Denn würde die Höhe reduziert, könne das Hotel nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden.

Glückstadt ist mit Hotelbetten unterversorgt

Laut einer von der Stadt 2018 in Auftrag gegebenen Analyse gibt es in Glückstadt nur drei kleinere Hotels mit jeweils bis zu zwölf Zimmern, sieben kleinere Pensionen, eine Jugendherberge und eine ganze Reihe privater Unterkünfte. „Glückstadt bietet zurzeit keine Möglichkeiten, Großgruppen wie etwa Busreisende gemeinsam unterzubringen“, sagt Bürgermeisterin Biel. Dabei würden Kurzreisen innerhalb Deutschlands immer beliebter – und auch der Beitritt zum Verkehrsverbund HVV 2022 schaffe weitere Besuchsanreize.

Auch die Glückstädter Bürger würden von dem neuen Hotel profitieren, betonen die Befürworter. Mit einem multifunktionalen Veranstaltungs- und Tagungssaal böte es Ersatz für die mittlerweile geschlossenen Lokalitäten Tivoli und Weißer Bär. Die ansässigen Gastronomen müssen keine Konkurrenz befürchten: Das Hotel soll an das Restaurant Logger angebunden werden, dessen Betreiber Björn und Olaf Heinrich mit dem Hamburger Rechtsanwalt Alexander Valentin das Investorenteam des geplanten Hotels bilden.

Geplantes Hotel richtet sich an Fahrradtouristen

Das „Altstadthotel Am Fleth“ soll sich überwiegend an Natur- und Fahrradtouristen richten: mit 40 Radstellplätze im Erdgeschoss, einem Fahrradverleih und – um auch den stehenden Autoverkehr in Glückstadt zu reduzieren – einen Shuttle-Service zum Bahnhof. Das Gebäude soll sich in L-förmiger Form über die Große Nübelstraße bis zum Markt erstrecken. Es würde eine Baulücke schließen und daher laut Manja Biel einen „städtebaulichen Missstand“ beseitigen.

Am Markt selber müsste für den Neubau ein Bestandsgebäude abgerissen werden, in dem jetzt ein Bekleidungsgeschäft sitzt. Es gehöre zwar zu dem geschützten Ensemble rund um den Markt, so die Bürgermeisterin, in der Abwägung sei ein neues Hotel jedoch wichtiger als der Erhalt. „Wir stecken hier viel Geld in eine denkmalgerechte Stadtentwicklung“, sagt sie mit Blick auf die kürzlich erfolgte Sanierung des Marktplatzes und den laufenden barrierefreien Ausbau der Altstadt. Das könne sich eine Stadt aber nur leisten, wenn sie gleichzeitig genüge

Bau des Hotels würde sich für Glückstadt lohnen

Laut Investor Valentin, der die Investitionskosten auf 7,5 Millionen Euro schätzt, würde sich der Bau des Hotels für die Stadt durchaus lohnen. „Bei einer Auslastungsprognose von 58 Prozent könnte die Stadt jährlich mit zusätzlichen 10.000 Übernachtungen beziehungsweise 20.000 Touristen rechnen“, sagt er. Diese würden statistisch gesehen neben der Übernachtung rund 55 Euro pro Kopf und Tag ausgeben, was für die Glücksburger Gewerbetreibenden einen zusätzlichen Umsatz von mehr als einer Million Euro in die Kasse spüle.

Tatsächlich sind bei der Hotelplanung außer den denkmalrechtlichen weitere Belange betroffen, die mit einer Bauvoranfrage geklärt werden müssen. Bürgermeisterin Biel hofft daher auf eine baldige Einigung. „Wir brauchen jetzt endlich einen Entwurf, mit dem wir in die öffentliche Diskussion treten können“, sagt sie. Der jetzt erneut von der Denkmalpflege abgelehnte Entwurf sei das Resultat von sechs Monaten, in denen die Investoren und ihr Architekt laufend nachgebessert hätten. Um den Vorstellungen der Denkmalschützer entgegen zu kommen, sei bereits die Zahl der Zimmer reduziert worden.

Streit in Glückstadt mittlerweile zum Politikum geworden

Weil der Streit bereits zum Politikum geworden ist, hält sich die zuständige Untere Denkmalschutzbehörde des Kreises Steinburg mittlerweile bedeckt. Gegenüber der Norddeutschen Rundschau hatte Denkmalpflegerin Beate von Malottky vor wenigen Tagen jedoch gesagt, dass es sich bei dem geplanten Neubau nicht um eine dreigeschossige, sondern um eine viergeschossige blockhafte Bauweise handele, die durch eine Dachschräge kaschiert sei.

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Das Hotel werde sich in dieser Größenordnung nicht in die benachbarte zwei- bis dreigeschossige Marktplatzbebauung einfügen und zudem die platzprägende Wirkung der Marktkirche beeinträchtigen. Es habe bereits mehrere Gespräche mit dem Investor und der Stadt Glückstadt über die Größe des Baukörpers gegeben, auch unter Einbeziehung des Ombudsmanns und des Denkmalrates. Dabei sei es jedoch stets nur um die Gebäudehöhe und die Gesamtkubatur im Vergleich zu den anderen Häusern am Markt gegangen. Nie um das Hotelprojekt an sich.

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