Tourismus in Corona-Zeiten

Urlaub an Nord- und Ostsee: Diese Regeln erwarten die Gäste

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Juliane Lauterbach
Sankt Peter-Ording zählt zur Modellregion Nordfriesland an der Nordsee und darf bald wieder für Touristen öffnen. Auch an der Ostsee ist bald wieder Urlaub möglich.

Sankt Peter-Ording zählt zur Modellregion Nordfriesland an der Nordsee und darf bald wieder für Touristen öffnen. Auch an der Ostsee ist bald wieder Urlaub möglich.

Foto: Markus Lange / dpa/picture alliance / imageBROKER

Nordfriesland darf bald wieder für Gäste öffnen. Was auf Sylt, Amrum, Sankt Peter-Ording und Co. dann möglich ist.

Kiel. Nachdem klar ist, welche touristischen Destinationen in Schleswig-Holstein als Modellregion bald wieder öffnen dürfen, laufen dort die Vorbereitungen auf Hochtouren. Wie berichtet, hatte das Land gemeinsam mit Tourismusfachleuten vier Destinationen ausgewählt, in denen vier Wochen lang erprobt werden soll, wie und ob Urlaub in Corona-Zeiten funktioniert: Ab dem 19. April die innere Lübecker Bucht, die Schlei und Büsum im Kreis Dithmarschen und ab dem 1. Mai der Kreis Nordfriesland.

Aber worauf genau müssen sich Gäste nun einstellen, wenn sie in den Modellregionen Urlaub machen möchten? Ein Großteil ist in den Konzepten geregelt, mit denen sich die jeweiligen Regionen beworben haben. Das gilt auch für den Kreis Nordfriesland, zu dem Sylt, Sankt Peter-Ording, Amrum und Föhr gehören. Dort dürfen Gäste nur mit einem negativen Antigen-Schnelltest anreisen, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Urlaub in Schleswig-Holstein mit Schnelltests, Quarantäne und Co.

Dieser soll vor der Abreise zu Hause durchgeführt werden und nicht erst im Hotel. Bereits bei der Buchung müssen Gäste unterschreiben, dass sie damit einverstanden sind, dass die Testergebnisse und weitere persönliche Daten aufgenommen, gespeichert und ausgewertet werden. Spätestens 48 Stunden nach der Anreise und danach alle weiteren 48 Stunden muss der Gast einen erneuten Test machen. Ist ein Schnelltest positiv, wird ein PCR-Test gemacht.

Die Beherbergungsbetriebe müssen laut Konzept, das dem Abendblatt vorliegt, im Falle eines positiven Tests eine möglicherweise notwendige Quarantäne beziehungsweise Isolation der Gäste gewährleisten. „Es muss vorab zwischen Beherbergungsbetrieb und Gast eine Regelung bezüglich der möglichen Kostenfolge und Vorgehensweise bei notwendiger vorzeitiger Abreise oder notwendigem verlängerten Aufenthalt getroffen werden (...)“, heißt es.

Hotels dürfen nur mit Hygienekonzept öffnen

Weiter müssten die Beherbergungsbetriebe Vorkehrungen treffen, um eine sichere Rückreise zu ermöglichen. Die Kosten dafür müsse aber der Gast tragen. Und wo werden die Tests durchgeführt? Direkt im Hotel? Oder in einem Testzentrum? Laut Konzept ist beides möglich. So könnten sich etwa auch verschiedene Betriebe zusammentun und gemeinsam einen Testanbieter beauftragen.

Dass nur Hotels öffnen dürfen, die ein Hygienekonzept entwickelt haben, versteht sich von selbst. Schwimmbäder und Badebecken der Hotelbetriebe aber bleiben offenbar in jedem Fall sowohl im Innen- als auch im Außenbereich geschlossen. Ebenfalls ist geregelt, wie die Gastronomie unter Corona-Bedingungen öffnen darf.

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Das Konzept sieht vor, dass sowohl Innen- , als auch Außengastronomie bis 23 Uhr geöffnet haben darf. Zugänglich ist sie allerdings nur mit negativem Test. Außerdem gelten die Kontaktbeschränkungen auch an den Restauranttischen, was derzeit bedeutet, dass maximal fünf Personen aus zwei Haushalten zusammensitzen dürfen.

Urlaub in Modellregion: Ausnahmeregelungen für Einzelhandel

Und können Urlaubsgäste in Nordfriesland nach Belieben einkaufen? Klar ist: Der Einzelhandel hat mit dem Modellprojekt erst einmal nichts zu tun. Allerdings heißt es in dem Konzept, dass es „wünschenswert“ wäre, wenn es für die Modellregionen Ausnahmeregelungen für den Fall geben würde, dass die Sieben-Tage-Inzidenz einen bestimmten Wert überschreitet.

So soll bei Erreichen des 50er-Wertes etwa nicht auf „Click&Collect“ oder „Click&Meet“ umgestellt werden. Stattdessen soll der Einzelhandel weiter offen bleiben, wenn die Kunden einen negativen Schnelltest vorweisen können. Wichtig: Auch die Luca-App ist Teil des Konzeptes. Demnach ist die Nutzung für alle teilnehmenden Betriebe selbstverpflichtend.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Modellregion zu sein, ist auch eine Herausforderung

Einer der beliebtesten Reiseorte in Nordfriesland ist Sankt Peter-Ording. Und dort ist man offenbar ganz froh darüber, dass es erst am 1. Mai losgeht und nicht schon am 19. April. Der spätere Beginn war Teil des Konzepts. „Grundsätzlich ist die Freude natürlich groß“, sagt Tourismusdirektorin Katharina Schirmbeck. „Allerdings ist die Teilnahme an dem Projekt auch eine große Herausforderung.“

Es gehe nun darum, das Konzept, mit dem die Region an den Start gegangen ist, auch umzusetzen und alle mit ins Boot zu holen. Dafür müssten nun noch viele Fragen geklärt werden. „Dazu zählt, dass wir ja nicht nur die großen Hotels dabeihaben wollen, sondern auch kleine Anbieter, die vielleicht nur ein Ferienhaus haben und die das Konzept bisher nur aus den Medien kennen“, so Schirmbeck. Weiter gehe es darum, die Testkapazitäten – bisher gibt es drei Zentren im Ort – zu erweitern. Außerdem müssten noch etliche Detailfragen geklärt werden. „Was passiert etwa, wenn der Gast einer Ferienwohnung positiv getestet wird? Und wo können wir Testkapazitäten bündeln?“

Corona: Diese Testverfahren gibt es

  • PCR-Test: Weist das Virus direkt nach, muss im Labor bearbeitet werden – hat die höchste Genauigkeit aller Testmethoden, ist aber auch die aufwendigste
  • PCR-Schnelltest: Vereinfachtes Verfahren, das ohne Labor auskommt – gilt als weniger zuverlässig als das Laborverfahren
  • Antigen-Test: weniger genau als PCR-(Schnell)Tests, dafür zumeist schneller und günstiger. Laut RKI muss ein positives Testergebnis durch einen PCR-Test überprüft werden, ein negatives Ergebnis schließt eine Infektion nicht aus, insbesondere, wenn die Viruskonzentration noch gering ist.
  • Antigen-Selbsttest: Die einfachste Test-Variante zum Nachweis einer Infektion mit dem Coronavirus. Wird nicht von geschultem Personal, sondern vom Getesteten selbst angewandt. Gilt als vergleichsweise ungenau.
  • Antikörper-Test: Weist keine akute, sondern eine überstandene Infektion nach – kann erst mehrere Wochen nach einer Erkrankung sinnvoll angewandt werden
  • Insgesamt stellt ein negatives Testergebnis immer eine Momentaufnahme dar und trifft keine Aussagen über die Zukunft

Optimismus und positive Stimmung in Schleswig-Holstein

Grundsätzlich überwiege in diesen Tagen positive Stimmung und Optimismus. „Es ist einfach wichtig, dass wir nun wieder eine Perspektive haben“, so Schirmbeck. „Ich gehe auch davon aus, dass viele mitmachen werden, zumal der Mai ohnehin ein wichtiger Urlaubsmonat ist.“

Während die Vorbereitungen im gesamten Kreis weiterlaufen, bleibt allerdings die Corona-Entwicklung nicht stehen. Die Fallzahlen steigen jedenfalls auch in Schleswig-Holstein – derzeit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 71,8. Klar ist in jedem Fall: Das Infektionsgeschehen wird für die Modellregionen eine große Rolle spielen. Denn öffnen dürfen sie nur unter dem Vorbehalt, dass das jeweils zuständige Gesundheitsamt zustimmt.

Niedrige Inzidenzen auf Nordseeinseln Föhr und Amrum

Auch die Auslastung der Kliniken vor Ort werde natürlich beobachtet, wie Tourismusminister Bernd Buchholz mitteilte. Von hohen Inzidenzwerten ist man derzeit auf der Nordseeinsel Föhr weit entfernt. „Wir haben hier stabil sehr niedrige Inzidenzen unter 35“, sagt Peter Boy Weber vom Verein Föhr-Amrumer Unternehmer. „Auch der Einzelhandel ist extrem erleichtert, dass sich nun etwas tut.“ Denn klar ist: „Der Einzelhandel auf den Inseln hängt zu nahezu 100 Prozent vom Tourismus ab“, so Weber.

Aber es gebe auch kritische Stimmen. Besonders im Internet kritisieren Menschen aus der Region die Entscheidung zur Modellregion. Sie bemängeln, dass sie dazu nicht befragt wurden und nicht damit einverstanden seien, dass „über ihren Kopf hinweg“ einfach entschieden wird. Weber und viele andere sind da anderer Meinung. „Durch die zusätzlichen Maßnahmen in der Modellregion ist es hier bald noch sicherer als vorher.“

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