Corona-Pandemie

Das denken Gastronomen über die Öffnung der Außengastronomie

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Friederike Ulrich und Sophie Laufer
Hotel StrandGut in St. Peter-Ording bereitet sich auf die Öffnung der Außengastronomie vor.

Hotel StrandGut in St. Peter-Ording bereitet sich auf die Öffnung der Außengastronomie vor.

Foto: Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

In Schleswig-Holstein darf die Außengastronomie ab Montag wieder öffnen. Die Gastronomen sind skeptisch. Was sie nun fordern.

Kiel. Das Gastgewerbe in Schleswig-Holstein hat überwiegend erleichtert auf die für Montag von der Regierung angekündigte Öffnung der Außengastronomie reagiert. „Jetzt freuen sich die Betriebe, dass sie draußen öffnen dürfen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes im Land, Stefan Scholtis, am Donnerstag. „Die Betriebe möbeln schon ihre Terrassen auf und warten händeringend auf das Go.“ Die entsprechende Landesverordnung hat die Landesregierung für das Wochenende angekündigt.

Wie berichtet, plant Kiel den Tourismus bei einer stabilen Inzidenz von unter 100 in bestimmten Regionen, wieder zu ermöglichen. Dies sei der erste Schritt in die richtige Richtung, dem mit der Innengastronomie der zweite folgen müsse, sagte Scholtis. Dies könne nicht viele Wochen oder Monate dauern.

Scholtis fordert vollständige Öffnung der Gastronomie

Die Außengastronomie stelle nur einen kleinen Teil der Branche dar. Viele Betriebe hätten gar keine Außengastronomie. „Auch diese Betriebe müssen die Möglichkeit bekommen, ihrem Beruf nachzugehen“, sagte Scholtis. Die Gastronomie sei kein Pandemietreiber, betonte er unter Hinweis auf die Hygienekonzepte in der Branche.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hatte am Mittwoch bekräftigt, dass die Außengastronomie ab Montag öffnen darf. Dies wird an strenge Auflagen gekoppelt. Die Öffnungsmöglichkeit besteht in Kreisen und kreisfreien Städten, in denen die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen stabil unter 100 ist - was mit Ausnahme des Kreises Segeberg zuletzt überall so war.

Kontaktnachverfolgung muss sichergestellt werden

Das Land hatte mit Stand Mittwochabend den bundesweit niedrigsten Wert von 63,3. Im Außenbereich von Gaststätten dürfen ab Montag maximal fünf Personen aus zwei Haushalten an einem Tisch sitzen. Kinder unter 14 Jahren zählen nicht mit. Die Gastronomen müssen eine Kontaktnachverfolgung sicherstellen.

Skeptisch sieht die Außenöffnung allerdings Karsten Werner, Chef des StrandGut Resorts in St. Peter-Ording. „Außen“ ohne „innen“ zu öffnen sei eine „typische politische Entscheidung, die in Schleswig-Holstein und insbesondere an den Küsten nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein ist“, sagte er. Dennoch bereitet sich das StrandGut-Restaurant Deichkind auf die Öffnung der Außengastronomie vor: So erhalten alle Tische Aufkleber mit jeweils individuellem QR-Code für die Luca-App.

Stufenplan würde Öffnung der Hotels erlauben

„So können die Gäste einfach und datensicher einchecken, und es wird dokumentiert, wer wo zu welchem Zeitpunkt saß“, teilt das StrandGut Resort mit. Wer kein Handy habe, bekomme ein iPad für die Registrierung gestellt. Richtig weiter helfe der Branche allerdings nur die Umsetzung der geplanten Modellregionen mit kompletten Öffnungsstrategien, so Werner. „Wir appellieren an Ministerpräsident Günther, zu seinen Worten zu stehen und nicht wieder umzufallen.“

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Auch in Ost-Holstein ist man skeptisch. Er habe bereits eine Flasche Wein darauf gewettet, dass Günther „wieder eine Rolle rückwärts machen muss“, sagt Töns Haltermann, Mitinhaber des Hotels Bayside in Scharbeutz. Doch er wünsche es sich natürlich nicht. Die Außengastronomie allein werde er aber nicht öffnen, „das lohnt sich bei dem schlechten Wetter wirtschaftlich nicht“. Interessanter wäre der Stufenplan, der in Modellregionen in einem zweiten Schritt auch die Öffnung der Hotels erlaube.

Testzentrum in Hotel

„Aber auch das würde sich für uns nur dann rechnen, wenn wir jedes Zimmer belegen und auch unser Restaurant öffnen dürfen.“ Eine gewisse Zuverlässigkeit sei aber auch dann notwendig. „Ein Haus wie unseres hochzufahren kostet ein Vermögen. Es dann gegebenenfalls kurz darauf wieder schließen zu müssen wäre fatal.“

Was er auf jeden Fall demnächst eröffnen wird, ist ein Testzentrum im Hotel – entweder nur für die Bürger, um dort von seinem medizinisch geschulten Personal die kostenlosen Schnelltests vornehmen zu lassen, oder gegebenenfalls auch für die Hotelgäste und Touristen aus der Umgebung. Diese bräuchten, sollte der Kreis zur Modellregion werden, schließlich bei der Anreise einen negativen Test und nach jeweils 72 Stunden einen weiteren.

Gastronomen in Flensburg vorsichtig

In Flensburg sind die Gastronomen ebenfalls vorsichtig. „Wir freuen uns sehr, dass es langsam wieder Richtung Öffnung geht, aber bei uns schwankt die Inzidenz einfach zu stark“, sagt Sandra Nielsen, Inhaberin der Hafenküche. Derzeit bereiten sie und die Kollegen erst einmal nur alles für eine baldige Öffnung vor. „Wir machen aber nicht am Montag auf.“ Sie hätten Sorge, dass sie wenige Tage später wieder zumachen müssten.

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Yvonne und Christoph Koeppen werden ihre beiden Restaurants Gudlak und Glückselig in Glücksburg am Montag wieder öffnen. „Wir freuen uns so sehr, dass es nun endlich wieder losgeht“, sagt Yvonne Koeppen. Deshalb wollten sie auch unbedingt dabei sein. Allerdings, so die Hamburgerin, könne sie noch überhaupt nicht einschätzen, wie viele Menschen das neue Angebot wegen des Wetters auch annehmen würden.

Tourismus-Modell-Projekte in Schleswig-Holstein

Zwischen Hoffnung und Skepsis schwankt auch Philipp Brandt vom Hotel Genueser Schiff in Hohwacht. „Unser Vorteil ist, dass wir draußen Strandkörbe haben, in denen es sich die Gäste mit Decken gemütlich machen können.“ Alex Rojas vom Beachmotel und Matthias Reisewitz von der Bretterbude in Heiligenhafen setzen auf Markisen und Heizstrahler als Schutz vor Wind und Wetter. „Wir nutzen jede Chance, wieder etwas dazuzuverdienen, und werden daher auf jeden Fall am Montag öffnen.“

Für die geplanten Tourismus-Modell-Projekte in Schleswig-Holstein sind zwölf Bewerbungen bei der Landesregierung eingegangen: von den Städten Kiel und Eckernförde, den Kreisen Herzogtum Lauenburg und Nordfriesland, den Gemeinden Büsum, Grömitz und Wangels (Weißenhäuser Strand), der inneren Lübecker Bucht, der Schleiregion, den Inseln Sylt und Helgoland sowie einem Einzelunternehmen. Die Konzepte sollen bis Montag bewertet werden, versprach Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP).

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