Parteivorsitz

Merz, Laschet, Röttgen? Wen die CDU im Norden wählen will

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Burkhard Fuchs, Michael Schick und Harald Klix
Norbert Röttgen möchte die CDU in die Bundestagswahl führen. Am Wochenende tritt er gegen Friedrich Merz und Armin Laschet an.

Norbert Röttgen möchte die CDU in die Bundestagswahl führen. Am Wochenende tritt er gegen Friedrich Merz und Armin Laschet an.

Foto: Getty Images

CDU entscheidet, ob Armin Laschet, Friedrich Merz oder Norbert Röttgen die Partei führen soll. Wer in der Metropolregion vorne liegt.

Metropolregion.  Es wird ein Mann – soviel ist sicher, wenn die Christdemokraten am Wochenende für ihre CDU eine neue Führung wählen. Armin Laschet (59), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Friedrich Merz (65), Ex-Fraktionschef und Wirtschaftspolitiker, sowie der Außenpolitiker Norbert Röttgen (55) treten an.

Insgesamt 1001 Männer und Frauen sind aufgerufen, einen der drei beim Digitalen Parteitag am 15. und 16. Januar zum Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer zu ernennen. Wir haben bei den CDU-Delegierten in der Metropolregion, den Kreisen Segeberg, Pinneberg, Stormarn und Harburg-Land nachgefragt. Welcher Parteivorsitzende ist der Favorit im Norden?

CDU im Kreis Segeberg: Norbert Röttgen liegt vorn

Norbert Röttgen heißt der Favorit der sechs Segeberger Delegierten. „Ich werde meine Stimme Norbert Röttgen geben“, sagt Gero Storjohann, CDU-Bundestagsabgeordneter und Kreisvorsitzender. Seit 30 Jahren ist er Delegierter bei Bundesparteitagen. Er kenne den Bewerber seit fast 20 Jahren und schätze seine Sacharbeit.

Röttgen habe viele politische Ämter durchlaufen, im politischen Getriebe ebenso Erfahrungen gesammelt wie als Umweltminister und als Vorsitzender des auswärtigen Ausschusses auch über die Landesgrenzen hinaus. „Vor allem aber hat mich beeindruckt, dass er nach einer Niederlage wieder aufgestanden ist“, sagt Storjohann. Als Spitzenkandidat erlitt der Jurist 2012 bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen eine schwere Niederlage und verlor in der Folge Ministeramt, den Landesvorsitz und das Amt des stellvertretenden Bundesvorsitzenden. Röttgen habe Nehmerqualitäten bewiesen und sich wieder hochgearbeitet.

„Wer mich kennt, weiß: Ich werde mich nicht für Friedrich Merz erwärmen können. Ich glaube nicht, dass er dafür steht, die erfolgreiche Politik von Angela Merkel fortsetzen zu können – doch das ist es, was ich möchte“, sagt die Landtagsabgeordnete Katja Rathje-Hoffmann. Seine Art und Weise, seine Aussagen zu Beschlüssen des Parteivorstandes, zur Gleichberechtigung, wo er sich sehr bedeckt halte, sprächen gegen den Sauerländer.

„Ihr Mann“ sei eigentlich Armin Laschet, den sie noch als Sozialpolitiker kenne. „Ich finde ihn verlässlich und geeignet“, sagt die Abgeordnete. Dann sei durch die Krise in Amerika der Außenpolitiker Norbert Röttgen ins Spiel gekommen. „Seine Performance war nicht schlecht. Beide Kandidaten sind für mich wählbar. Vielleicht mache ich es davon abhängig, wie die Darstellung auf dem Parteitag sein wird. Trotzdem: Armin Laschet hat ein bisschen die Nase vorn.“ Kanzlerkandidat? „Das kann der Laschet.“

„Für mich war lange Friedrich Merz vorn, weil er die ursprünglichen Werte der CDU am besten verkörpert“, sagt Ex-Innenminister Hans-Joachim Grote. Doch inzwischen habe Röttgen aufgeholt, er zeige Qualitäten als ausgleichender Moderator, der die Partei zusammenhalten und auch gut nach außen repräsentieren könne. Grote will die Präsentation der Kandidaten auf dem Parteitag abwarten.

Der Landtagsabgeordnete Ole-Christopher Plambeck unterstützt Norbert Röttgen, „weil er für mich die moderne politische Mitte verkörpert und für kein bestimmtes Lager steht“. Als einziger der drei Kandidaten gehe er Zukunftsthemen wie Digitalisierung und Klimaschutz an. Röttgen habe auch das Thema gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land im Blick.

„Ich bin der festen Überzeugung, dass die Union einen echten Neuanfang braucht. Das hat uns in den letzten Jahren die schwindende Zustimmung zu unserer Politik gezeigt“, sagt die Bundestagsabgeordnete Melanie Bernstein. Und dafür stehe Norbert Röttgen. Er sei in der Lage, in der Zeit nach der Coronapandemie mutige Entscheidungen zu treffen und Reformen entschlossen durchzusetzen.„Ich kenne alle Drei, und alle Drei haben ihre Qualitäten“, sagt Reimer Böge. Der ehemalige Europaparlamentarier will sich ansehen, wie sich das Trio auf dem Parteitag präsentiert und dann entscheiden. Es sei nicht einfach, eine solche Drucksituation zu bewältigen, zumal der Redner kein Publikum vor sich habe und darauf reagieren könne, sagt Böge.

CDU im Kreis Pinneberg ist mehrheitlich für Friedrich Merz

Der CDU-Kreisverband in Pinneberg, der fünf der 47 Delegierten aus Schleswig-Holstein auf dem Bundesparteitag am Sonnabend stellt, spricht sich mehrheitlich für Friedrich Merz als künftigen Parteivorsitzenden aus. Um die „größte wirtschaftliche Krise seit Ende des Zweiten. Weltkrieges“ zu bewältigen, brauche es „ökonomische Kompetenzen“, ist der Bundestagsabgeordnete Michael von Abercron überzeugt. „Die erkenne ich besonders bei Friedrich Merz, der auch die immer noch bestehenden Unterschiede zwischen den östlichen und westlichen Bundesländern sehr gut im Blick hat.“ Eine Vorfestlegung auf den Kanzlerkandidaten der CDU/CSU geht für von Abercron damit aber nicht einher.

Auch der Pinneberger Kreisvorsitzende und ehemalige Landesvorsitzende der CDU, Christian von Boetticher, spricht sich für Merz als Bundesvorsitzenden aus. Der wirtschaftliche Schaden durch die Corona-Pandemie und den monatelangen Lockdown werde allein für Deutschland mit mehr als 200 Milliarden Euro so hoch ausfallen „wie der Schaden aller Naturkatastrophen 2020 weltweit“, sagt von Boetticher. „Um diesen Wiederaufbau zu schaffen, brauchen wir jemand mit ökonomischem Sachverstand, der auch ein Gefühl für den globalisierten Markt mitbringt und Ökonomie und Ökologie zusammenführen kann.“ Das zu meistern, traue er Merz am ehesten zu, sagt von Boetticher, der im Moment Merz bundesweit bei der CDU hinter Armin Laschet und Norbert Röttgen an dritter Stelle der Beliebtheit einschätzt. Der Kanzlerkandidat der Union sollte danach auch schnell festgelegt werden, fordert von Boetticher. „Das muss innerhalb eines Monats nach dem Parteitag geklärt werden.“ Denn: „Der CDU-Bundesvorsitzende interessiert die Bürger viel weniger als die Frage, mit wem die CDU in die nächste Wahl geht.“

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Auch die Kreistagsabgeordnete Kerstin Seyfert will am Sonnabend Merz zum Parteichef wählen. „Weil er von außen kommt und in der jetzigen Politik nicht mitspielt und die Dinge beim Namen nennt“, sagt Seyfert. „Seinen wirtschaftlichen Sachverstand werden wir nach der Pandemie brauchen. Vielleicht bekommen wir dann auch endlich die Steuerklärung auf dem Bierdeckel.“

Der ehemalige Bundestagsabgeordnet Ole Schröder und die Elmshorner Unternehmerin Friederike Driftmann, die beide ebenfalls als Delegierte am Parteitag teilnehmen, wollten auf Nachfrage nicht verraten, wen sie zum Vorsitzenden wählen wollen. Kreispräsident Helmuth Ahrens, der aber nicht mitstimmen darf, spricht sich für Röttgen aus.

„Das ist jemand, der in der Partei die verschiedenen Meinungen integrieren kann und nicht so polarisiert wie der Favorit Friedrich Merz.“ Hinzu komme, dass Röttgen als ehemaliger Umweltminister von allen drei Kandidaten am meisten Verständnis für ökologische Themen mitbringe.

CDU im Kreis Stormarn stimmt geschlossen für Norbert Röttgen

Die beiden Stimmen aus Stormarn bekommt Norbert Röttgen. Das haben die Delegierten – die Landtagsabgeordneten Tobias Koch und Lukas Kilian – bei einer Videokonferenz mit Mitgliedern aus dem Kreis besprochen. Das Ergebnis war deutlich: Von den mehr als 40 Teilnehmern stimmten 73,6 Prozent für Röttgen und der Rest für Friedrich Merz. Für Armin Laschet war niemand.

„Röttgen engagiert sich am stärksten für die Partei, bei den anderen steht die Kanzlerkandidatur im Vordergrund“, sagt der Ahrensburger Tobias Koch, der Fraktionsvorsitzender im Landtag und auch Kreisvorsitzender ist. „Zudem imponiert mir, wie er nach der Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen und der Entlassung als Bundesumweltminister 2012 nicht aufgegeben, sondern sich weiter für die CDU eingesetzt hat.“

Ein weiteres Argument nennt der Oststeinbeker Joachim Wagner, seit einem Vierteljahrhundert Vorsitzender der Kreistagsfraktion. Er sagt: „Ich bin und bleibe Merz-Fan, aber mit Blick auf die Bundestagswahl lässt einzig ​Röttgen alle Optionen offen.“ Vor zwei Jahren sah das Stimmungsbild in Stormarn noch ganz anders aus: Damals waren bei einem Treffen in Bargteheide 80 Prozent der Mitglieder für Friedrich Merz und nur 20 Prozent für die spätere Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer.

CDU-Delegierte im Landkreis Harburg nennen ihren Favoriten nicht

Die drei Delegierten aus dem Landkreis Harburg sind neben der CDU-Kreisvorsitzenden Britta Witte noch Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann, der auch regionaler Landtagsabgeordneter ist und der Bundestagsabgeordnete Michael Grosse-Brömer, der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion. Witte äußerte sich am Mittwoch nicht zu ihrer Stimmabgabe. Nur so viel: Sie geht davon aus, dass der gewählte Kandidat auch als Kanzlerkandidat der Union antreten wird.

Althusmann hatte sich zuvor bereits öffentlich positioniert und dabei darauf verwiesen, dass er persönlich eine Präferenz für Armin Laschet habe. Damit wolle er aber als CDU-Landesvorsitzender für die niedersächsischen Delegierten keine Linie vorgeben.

Auch Grosse-Brömer legt sich bei seiner Wahl nicht fest. „Glücklicherweise haben wir in Deutschland das Wahlgeheimnis. Ich persönlich sehe Armin Laschet in der Favoritenrolle“, sagt der CDU-Politiker.

Die Frage, wer Kanzler werde, werde traditionell zusammen mit der CSU geklärt. „Ohnehin sind die Zeiten gerade so turbulent, dass ich eine vorzeitige Festlegung bei der Frage eines Kanzlerkandidaten nicht für zwingend halte. Die Unionsparteien haben ja mehrere Persönlichkeiten in ihren Reihen, die Kanzler können.“

Eine Probeabstimmung für den Parteitag habe am Dienstag gut funktioniert, berichtete Witte. Der Onlinecode für die Wahl ging per Post ein und liegt nun für die Abstimmung über den Parteivorsitzenden vor. Auch der Wahlumschlag für die nach dem Corona-Gesetz vorgeschriebene Briefwahl hat die Kreis-Vorsitzende erhalten.

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