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Wie Corona aus Kreuzfahrt-Expertinnen Burgfräulein macht

Die Kreuzfahrt-Veranstalterinnen Ulrike Kappeler (links) und Patricia  Witzigmann.

Die Kreuzfahrt-Veranstalterinnen Ulrike Kappeler (links) und Patricia Witzigmann.

Foto: myseavent

Statt von Hafen zu Hafen reisen Ulrike Kappeler und Patrizia Witzigmann jetzt mit ihren Kunden zu Schlössern in Mecklenburg-Vorpommern.

Lokstedt. Das wäre ja gelacht – wenn zwei Organisationstalente und Frohnaturen wie Ulrike Kappeler und Patricia Witzigmann wegen Corona verzagen würden. Natürlich hat die Pandemie ihnen in diesem Jahr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die exklusiven Charter auf Kreuzfahrten mit dem ausgefallenen Land-Programm, die ihre Agentur myseavent für illustre Kunden ausgearbeitet hat, wurden alle aufs nächste Jahr verschoben. Stattdessen haben die beiden Hamburgerinnen, die sonst bis zu 200 Tage im Jahr auf See sind, den Sommer in Hamburg verbracht – und sich „mal vor der eigenen Haustür umgeguckt“, wie sie sagen.

Wer seit jungen Jahren auf den luxuriösen Kreuzfahrtschiffen von Hapag Lloyd oder den Seacloud-Windjammern die ganze Welt bereist, meint mit „vor der Haustür“ nicht nur die Stadtteile Lokstedt und St. Pauli (wo die beiden wohnen), sondern auch die angrenzenden Bundesländer. „Es war wie ein Geschenk, endlich auch mal die Nord- und Ostsee und vor allem die mecklenburgische Seenplatte kennenzulernen“, sagt Ulrike Kappeler (52), die 2002 nach Hamburg gezogen ist. Und Patricia Witzigmann (55), die seit 1993 in Hamburg lebt und hier auch Stadtführerin ist, ergänzt: „Wir hatten schon gehört, dass es da schön ist, hatten aber vorher nie Zeit hinzufahren.“

Von der wildromantischen Landschaft der Mecklenburgischen Schweiz mit ihren verträumten Dörfern und den historischen Schlössern und Herrenhäusern waren sie sofort fasziniert. Da auch ein Stammkunde (des Hapag-Lloyd Cruises Clubs) eine außergewöhnliche Reise angefragt hatte, hatte das Duo schnell die Idee, eine Exkursion zu ausgewählten Schlössern anzubieten. Und da die Kunden Wert auf Exklusivität legen, arbeiteten die beiden ein ganz besonderes Programm aus – unter anderem mit einem Galadinner im Wappensaal von Burg Schlitz in Hohen Demzin, einer Dampfschifffahrt auf der Müritz, bei der einheimische Fischer Räucherfisch anbieten, einem Mittagessen im Herrenhaus Vogelsang, einer Besichtigung des Lenné-Parks von Schloss Basedow und einem Konzert auf dem Steinway-Flügel im Rokoko-Schlosssaal von Schloss Viertgest. „Nach drei Tagen war die Reise ausgebucht“, freuen sich die Veranstalterinnen.

Außergewöhnliches steht im Vordergrund

Mit hochkarätigen Veranstaltungen haben die beiden jahrelange Erfahrung – wenn auch mit dem Schwerpunkt Kreuzfahrt: Ulrike Kappeler, die nach ihrer Ausbildung zur Reisekauffrau viele Jahre im Ausland lebte und dort im Tourismus arbeitete, heuerte 1993 auf dem ersten europäischen Kreuzfahrtschiff an und hatte sich bereits drei Jahre danach zur jüngsten Kreuzfahrtdirektorin Amerikas hochgearbeitet. Patricia Witzigmann, ausgebildete Schauspielerin, Tänzerin und Choreografin, hatte schon lange an Bord für die Unterhaltung von Kreuzfahrt-Gästen gesorgt, bevor sie 1993 Kreuzfahrtdirektorin auf der MS „Berlin“, dem alten Traumschiff, wurde.

2007 machten sich die beiden Kreuzfahrt-Expertinnen, die sich bei Sea­cloud-Cruises kennenlernten, selbstständig und gründeten die Agentur myseavent. „Wir waren die Ersten, bei denen Clubs, Unternehmen, Freunde und Familien ihr privates Kreuzfahrtschiff chartern können und von uns rund um die Uhr betreut werden – Landausflüge inklusive.“ Sie haben schon Reisen zu den Gletschern Südamerikas und zu den Vulkanen Italiens organisiert. Eine Sternen-Reise in die Karibik, bei der Thomas Kraupe, der Leiter des Hamburger Planetariums, den Gästen die Sternenbilder näherbrachte. Und Schiffscharter für Germanys Next Top Model oder The Leading Hotels of the World.

Das Außergewöhnliche und Exklusive muss bei den Reisen stets im Vordergrund stehen – auch an Land, auch für die bevorstehende Schloss-Reise, für die Ulrike Kappeler und Patricia Witzigmann mit den jeweiligen Guts- und Schlossherren ein individuelles Programm ausarbeiteten. Doch die ausgewählten Häuser stehen natürlich auch – wenn möglicherweise mit einem etwas weniger ausgefallenen Programm – anderen Gästen offen.

Hier sind sie:

Das Schlosshotel Burg Schlitz ist ein prächtiges Land-Palais inmitten traumhafter Natur und wurde gerade vom „Connoisseur Circle“ zum besten Schlosshotel Deutschlands gekürt. Der Besitzer, Armin Hoeck, führt das Anwesen mit seiner Frau Manuela seit 2011. Kulinarisch verwöhnt werden die Gäste im Gourmetrestaurant Im Wappensaal, der Brasserie Louise, an der Hotelbar L’Orchidee und in der Davidoff Lounge. Für private Feiern stehen weitere Räume wie der mit feinem Porzellan dekorierte Salon Meißen, der prächtige Schinkelsaal und der Schlosskeller zur Verfügung. In der Umgebung locken zahlreiche Ausflugsziele, darunter der Natur- und Umweltpark Güstrow, die Hansestädte Wismar, Rostock, Stralsund und Greifswald, die 1000-jährigen Eichen von Ivenack und das Kloster Dobbertin. Außerdem gibt es die Möglichkeit zu reiten und Golf zu spielen.

Schlosshotel Burg Schlitz, Hohen Demzin, www.burg-schlitz.de

Am Westufer der Müritz, zwischen zwei Naturschutzgebieten, liegt das Romantik Hotel Gutshaus Ludorf – eines der ältesten Gutshäuser Mecklenburg-Vorpommerns. Das Haus von 1698 wird geführt von Manfred Achternhagen und seiner Familie. Sie haben eine Art „landadelige“ Atmosphäre geschaffen, die die Gäste zurück in eine Zeit versetzt, in der die Uhren noch langsam gingen und der Mensch im Einklang mit der Natur gelebt hat. Das Gutsensemble bietet stilvolle Hotelzimmer, attraktive Übernachtungsarrangements (beispielsweise den dreitägigen „Schlösserherbst“) und richtet auch Tagungen und Feiern aus. Es gibt einen Wellnessbereich, in dem Seele und Körper verwöhnt werden. Außerhalb des Gutshofes locken der Müritz Nationalpark und die Golfplätze am Fleesensee zum Radfahren, Wandern und Bälleabschlagen.

Romantik Hotel Gutshaus Ludorf, Ludorf/Müritz, www.gutshaus-ludorf.de

Neben der Henneburg in Hamburg-Poppenbüttel nennen Miriam und Helge Hager seit 2019 auch Schloss Vietgest in der mecklenburgischen Schweiz ihr Eigen. Noch ist das Barockschloss zwischen Güstrow und Teterow, das inmitten eines fünf Hektar großen Parks liegt, nicht komplett fertig ausgebaut. Doch bereits ab dem 2. Oktober soll dort, im wunderschönen Barocksaal, ein durchgehendes Kulturprogramm angeboten werden – die ersten Termine stehen bereits fest. Durch ihr Veranstaltungsprogramm im „Alsterschlösschen“ sind die neuen Schlossherren von Vietgest mit vielen Künstlern vernetzt: rund 100 Konzerte fanden vergangenes Jahr in der kleinen Poppenbüttler Burg statt. Auch die ersten Übernachtungsmöglichkeiten haben sie im 1792 errichteten Vietgest geschaffen, weitere sollen folgen.

Schloss Vietgest, Lalendorf, www.schloss-vietgest.de

Das Herrenhaus Vogelsang gehört zu den großartigsten neugotischen Bauten Mecklenburgs. Der aus Mitte des 19. Jahrhunderts stammende Bau mit flachem Walmdach, umlaufendem Zinnenkranz und den symmetrisch angeordneten Türmen hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Als der heutige Schlossherr Robert Uhde es 2010 kaufte, war es wegen Vandalismus, Schwammbefall und Deckendurchbrüche von der Denkmalpflege bereits abgeschrieben worden. Nach einer einjährigen Notsanierung und weiteren Instandsetzungsmaßnahmen werden dort heute regelmäßig (Kultur-)Veranstaltungen angeboten. Dazu gehören ein Victorian Art Festival ebenso wie Soul- und Klassikkonzerte oder das Barock-Dinner, das nach der coronabedingten Zwangspause am 24. Oktober wieder in den romantisch-morbiden Räumlichkeiten veranstaltet wird – zum Rahmenprogramm gehören immer eine historische Führung, Musik und eine Pferdeshow.

Herrenhaus Vogelsang, Lalendorf, www.herrenhaus-vogelsang.de (oder über Facebook)

Schloss Basedow ist aus einer Burg entstanden, die bereits seit dem 13. Jahrhundert am Malchiner See liegt und ab 1552 von der gräflichen Eigentümerfamilie von Hahn im Stil der Renaissance umgestaltet wurde. Im 19. Jahrhundert wurde dann das gesamte Gutsdorf neu angelegt, der Park wurde von dem berühmten Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné gestaltet. Nachdem der letzte Spross der von Hahns im Zweiten Weltkrieg gefallen war, wechselte das Anwesen mehrfach den Besitzer. Im ehemaligen Wirtschaftsgebäude ist heute ein Steakhouse untergebracht, von dem aus man das Schloss gut im Blick hat. Durch Teile der Innenräume und durch den Park werden Führungen veranstaltet (Anmeldung erforderlich).

Schloss Basedow, Basedow, www.gaestefuehrerin-mueller.de