Schleswig-Holstein

Arbeitslosigkeit im Norden niedriger als im Juli

Zwei Menschen stehen vor dem Logo der Agentur für Arbeit. Die hat die Arbeitslosenzahlen für August veröffentlicht.

Zwei Menschen stehen vor dem Logo der Agentur für Arbeit. Die hat die Arbeitslosenzahlen für August veröffentlicht.

Foto: Carsten Rehder/dpa

Hoffnungssignale am Arbeitsmarkt im Norden. Minister Buchholz sieht in der Verlängerung der Kurzarbeit auch eine Gefahr.

Kiel.  Anders als in Deutschland insgesamt ist die Arbeitslosigkeit in Schleswig-Holstein im August im Vergleich zum Vormonat etwas gesunken. Wie die Agentur für Arbeit am Dienstag berichtete, sind derzeit im Norden 97.600 Frauen und Männer ohne festen Job. Das sind 1,2 Prozent weniger als im Juli. Im Vorjahresvergleich gab es infolge der Corona-Krise einen Anstieg um 23,1 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt 6,2 Prozent, nach 6,3 Prozent im Juli und 5,0 Prozent vor einem Jahr.

„In Schleswig-Holstein hat sich im August die Lage am Arbeitsmarkt aufgehellt“, sagte die Regionaldirektorin der Bundesagentur für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann. „Ein positiver Impuls war dabei, dass viele Betriebe auch in diesem Jahr trotz der Corona-Pandemie ihre geplanten Personaleinstellungen nach dem Ende der Sommerferien umgesetzt haben.“

Arbeitsagentur: Kurzarbeit in Corona-Zeit kostet bisher 310 Millionen Euro

Seit Beginn der Corona-Krise zeigten den Angaben zufolge 30.000 Betriebe für 348.200 Beschäftigte Kurzarbeit an und damit 37,6 Prozent aller Betriebe. Schwerpunkte sind Einzelhandel, Gastronomie und Gesundheitswesen. Allerdings sank die Zahl der Anzeigen von Kurzarbeit auch im August stark, wie schon im Juni und im Juli.

Die Arbeitsagentur brachte für Kurzarbeit in der Corona-Zeit bisher 310 Millionen Euro auf, wie Regionaldirektorin Haupt-Koopmann der Deutschen Presse-Agentur sagte. Nach den aktuellsten Zahlen zu tatsächlich realisierter und nicht nur angezeigter Kurzarbeit seien im Mai 144 300 Beschäftigte betroffen gewesen und damit jeder siebte im Land. 17.800 Betriebe ließen demnach kurzarbeiten. Das entspreche einem Anteil von 22 Prozent. Seit Beginn der Corona-Krise zeigten der Arbeitsagentur zufolge 30.000 Betriebe für 348.200 Beschäftigte Kurzarbeit an und damit 37,6 Prozent aller Unternehmen.

Die Verständigung der Koalition in Berlin zur Verlängerung des Kurzarbeitergeldes bis Ende 2021 könne er grundsätzlich nachvollziehen, sagte Arbeitsminister Bernd Buchholz (FDP). „Ich sehe aber die Gefahr, dass wir den Transformationsprozess des Arbeitsmarktes künstlich bremsen.“ Reduzierte Arbeitszeiten sollten die Unternehmen zur Qualifizierung der Beschäftigten nutzen, um beim technologischen und organisatorischen Wandel mithalten zu können, riet Buchholz.

Verkauf und Tourismus profitieren von Corona-Lockerungen

Besonders in Bereichen, die von den Corona-Lockerungen profitierten, wie Verkauf, Logistik, Lebensmittelherstellung und Tourismus, wurden laut Arbeitsagentur im August zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Insgesamt wurden seit Jahresbeginn 35.100 freie sozialversicherungspflichtige Stellen gemeldet, 22,5 Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Die Zahl der Beschäftigten stieg nach den aktuellsten Zahlen vom Juni im Vorjahresvergleich um 0,4 Prozent auf 1.003.800. Besonders der Gesundheits- und Sozialbereich, die öffentliche Verwaltung, Dienstleistungen und Bau legten zu, das Gastgewerbe und die Zeitarbeit bauten ab. Unter den Kreisen hat weiter Stormarn mit 4,2 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote und Steinburg mit 6,3 Prozent die höchste. Bei den kreisfreie Städten schwankt der Wert zwischen 8,6 Prozent in Lübeck und 9,6 Prozent in Flensburg.

„Die Zahl der Arbeitslosen hat sich erstmalig seit April 2020 wieder sichtbarer verringert, dennoch kann keine Entwarnung gegeben werden“, kommentierte Minister Buchholz. „Unsere Unternehmen fahren weiterhin auf Sicht, viele Beschäftigte bleiben in Kurzarbeit oder Homeoffice.“ Diese Vorsicht sei angesichts der Infektionszahlen richtig.