Corona-Krise

Wie ist die Lage in Heiligenhafen, Herr Bürgermeister?

Beliebtes Fotomotiv für Touristen: der Fischereihafen in Heiligenhafen.

Beliebtes Fotomotiv für Touristen: der Fischereihafen in Heiligenhafen.

Foto: dpa Picture-Alliance / Jürgen Wackenhut / picture alliance / Zoonar

Corona verlangt den Ferienzielen an Nord- und Ostsee viel ab. Wie funktioniert Urlaub in der Pandemie? Heute: Kuno Brandt.

Heiligenhafen.  Ein Heiligenhafener Jung ist seit April dieses Jahres Bürgermeister des Badeorts hoch im Norden von Ostholstein: Kuno Brandt.

Der 56-Jährige ist in Heiligenhafen auf die Welt gekommen und hat viele Jahre in der Stadtverwaltung gearbeitet, zuletzt als Leiter der Bau- und Ordnungsverwaltung. Sechs Jahre lang wird er nun Verwaltungschef des 10.000-Einwohner-Ortes sein. Brandt hat drei Kinder, in seiner Freizeit liest und kocht er – und er treibt gern Sport.

Wie ist bei Ihnen im Ort die aktuelle Lage?

Die aktuelle Lage ist als gut zu bezeichnen. Heiligenhafen ist nahezu ausgebucht, die rund 8500 zur Verfügung stehenden Betten sind belegt. Dazukommen dann noch die Tagesgäste. Es ist, wie sonst auch in Zeiten der Hochsaison, voll im Ort. Heiligenhafen ist durch die touristischen Maßnahmen der letzten Jahre qualitativ gut aufgestellt. Die Saisonzeiten haben sich nicht zuletzt durch attraktive Hotelangebote deutlich verlängert, sodass fast das ganze Jahr über viel los ist. Das gilt natürlich für dieses Jahr ganz besonders. Gäste und Einheimische gehen weit überwiegend sehr verantwortungsvoll mit den bestehenden Einschränkungen um. Dort, wo es erfahrungsgemäß eng ist, haben wir lenkende Maßnahmen ergriffen, um die Abstandsregeln einhalten zu können. Die Ordnungskräfte werden zusätzlich durch Sicherheitskräfte verstärkt, die meist beratend und manchmal regelnd tätig sind.

Haben Sie zu viele oder zu wenige Badegäste?

Heiligenhafen erfreut sich zunehmender Beliebtheit bei den Touristen. Die Buchungslage ist sehr gut. Am Strand, auf den Promenaden und in der Stadt ist ausreichend Platz. Wir haben weder zu viele noch zu wenige Touristen.

Warum sollten wir in Ihrem Ort Urlaub machen?

Heiligenhafen bietet für jeden etwas. Besonders attraktiv ist natürlich

•die Lage direkt am Meer mit dem Strand und der Seebrücke

•der lebendige Kommunalhafen fast in Innenstadtlage, in dem direkt vom Kutter Fisch gekauft werden kann

•das einzigartige Naturschutzgebiet auf der Halbinsel Graswarder mit den naturkundlichen Führungen

•die Fünf-Sterne-Marina mit 1000 Liegeplätzen

•Wassersport in allen Varianten

•die Promenade am Yachthafen, zur Seebrücke und um den Binnensee herum

•ein Rundgang durch die die Innenstadt mit der Kircheninsel und historischen Gebäuden oder ein Spaziergang an der Steilküste.

Was ist das Highlight in dieser Saison?

Die großen Veranstaltungen können natürlich nicht stattfinden. Dem Tourismusservice ist es aber gelungen, kleine attraktive Veranstaltungen anbieten zu können. Die Highlights sind definitiv „Musik auf dem Binnensee“ und die „Bootskulttouren“. Es handelt sich um zwei Veranstaltungsreihen, die auf individuelle Weise einmalig an der Ostseeküste sein dürften.

Wie lang ist Ihr Strand?

Unser Strand ist rund vier Kilometer lang. Da gibt es auch in der Hochsaison immer Bereiche, die ausreichend Platz bieten.

Urlaub 2020 an Nordsee und Ostsee
Urlaub 2020 an Nordsee und Ostsee

Was tun Sie, wenn er überfüllt sein sollte?

Aufgrund der Länge ist davon nicht auszugehen. Deswegen haben wir uns auch nicht für eine Strand-App oder ein Strand-Ticket entschieden. Natürlich beobachten wir die Lage immer genau, und hier stehe ich auch in ganz engem Kontakt zu unserem Touristikleiter Manfred Wohnrade.

Interaktiv – Deutschlands Urlaubsgebiete im Corona-Vergleich:

Wo baden Sie selbst am liebsten?

Natürlich in Heiligenhafen in der Ostsee. Ich selbst gehe in diesem Jahr gerne im Bereich zwischen Turm vier bis fünf baden.

Nennen Sie die drei am häufigsten zu hörenden Vorurteile über Touristen.

Touristen essen nur Fisch, Touristen halten sich nicht an die Abstandsregeln (Corona), Touristen sind nicht umweltbewusst.

Wo muss Ihr Ort besser werden, um mehr Touristen anzulocken?

Ich glaube nicht, dass es immer darum gehen muss, die Quantität zu steigern. Qualitativ ist sicher erforderlich, die fußläufigen Verbindungsachsen aus den touristisch stark geprägten Bereichen in die Innenstadt attraktiver zu gestalten und Lösungen zu finden, wie mit dem zunehmenden Autoverkehr umgegangen werden kann. Möglich, dass dann Heiligenhafen für noch mehr Gäste interessant wird.

Was wäre Ihr Ort ohne Touristen?

Was Heiligenhafen ohne Touristen wäre, haben wir in der Zeit des Lockdowns deutlich zu spüren bekommen. Erheblich ruhiger, aber auch verschlafener. Der Tourismus ist das für den Ort wirtschaftlich wichtigste Standbein und bildet für einen Großteil der Betriebe und auch deren Beschäftigten die Lebensgrundlage. Ohne den Tourismus und die damit verbundene Prosperität wären die Kosten für Infrastrukturmaßnahmen und allgemeine Daseinsvorsorge nicht zu tragen.

Was wird sich in den kommenden Jahren in Ihrem Ort verändern?

In den kommenden Jahren liegt der Fokus in der Innenstadt. Mithilfe von Städtebaufördermitteln sollen in den nächsten Jahren Maßnahmen ergriffen werden, um die Innenstadt positiv zu entwickeln. In der Priorität werden die Umgestaltung des Marktplatzes und die Optimierung der fußläufigen Achsen zu den touristischen Bereichen ganz vorne anstehen.

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Welche wirtschaftlichen Folgen hat Corona für Ihren Ort?

Die Folgen sind im Haushalt der Stadt deutlich zu spüren. Die Einnahmen aus Gewerbesteuern, Kurabgabe und Tourismusabgabe sind erheblich eingebrochen und haben bereits zum jetzigen Zeitpunkt einen Nachtragshaushalt erforderlich gemacht. Dennoch ist sich die Stadt in dieser Zeit ihrer Aufgabe als Konjunkturmotor bewusst und hält an den geplanten Aufträgen fest. Ziel muss sein, dass möglichst viele Betriebe diese Krise überstehen und sich damit absehbar auch die Einnahmesituation der Stadt Heiligenhafen wieder verbessert. Nur so sind auch künftig die vielfältigen Aufgaben der Daseinsvorsorge zu finanzieren.

Wann sind diese Folgen überwunden?

Das kann, glaube ich, keiner seriös voraussagen. Wir stecken aus meiner Sicht aber trotz der geringen Infektionszahlen in Schleswig-Holstein und insbesondere auch im Kreis Ostholstein noch mitten in der Pandemie. Wie sich die weltweite Wirtschaftslage letztendlich auch auf unseren kleinen Bereich auswirkt, ist nicht vorhersagbar. Es zeichnet sich aber bereits jetzt auch in der Nachsaison eine hohe Auslastung im touristischen Bereich ab, sodass ich verhalten optimistisch in die Zukunft blicke.

Wo machen Sie Urlaub – und wann?

Bei mir persönlich ist in Anbetracht der aktuellen Lage und dass ich das Bürgermeisteramt erst seit dem 1. April 2020 übernommen habe, noch kein Urlaub geplant. Wenn, dann aber auf jeden Fall in Deutschland und sehr wahrscheinlich auch in Heiligenhafen.