Pandemie

Helgoland: Vom Leben auf einem kleinen Felsen

| Lesedauer: 7 Minuten
Pamela Hansen mit Husky-Mischling Jessie vor den Hummerbuden am Hafen von Helgoland. Der Hund ist vor Kurzem gestorben.

Pamela Hansen mit Husky-Mischling Jessie vor den Hummerbuden am Hafen von Helgoland. Der Hund ist vor Kurzem gestorben.

Foto: Klaus Bodig

Die Pastorin der Nordseeinsel hält auf engem Raum Abstand – und ist doch nah bei den Menschen. Was sie derzeit vermisst.

Hamburg.  Von Detroit in Michigan nach Helgoland, von der Weite Amerikas in die Weite der deutschen Nordsee: Pamela Hansen ist diesen Weg gegangen und arbeitet seit acht Jahren als Pastorin auf Deutschlands Hochseeinsel. In ihrem Buch „Die Inselpastorin – Mein Leben mitten in der Nordsee“ erzählt sie davon, wie es ist, als Geistliche auf diesem 1,7 Quadratkilometer kleinen Felsen zu leben und zu arbeiten.

„O Gott ist das klein hier!“, das war ihr erster Gedanke, als sie kurz vor Amtsantritt ihren Fuß auf das Lunn (Helgoländisch für Land) setzte. Hoffentlich ist das nicht zu klein, dachte sie damals vor acht Jahren. Doch Helgoland mag klein sein, genug Platz für ihre Arbeit und ein erfüllendes Leben bietet die Insel allerdings doch. „Bis heute ist es mir nicht zu klein“, schreibt Pamela Hansen in ihrem Buch. Sie schildert, warum sie als Pastorin am Haken eines Helikopters der Seenotrettung hing, warum sie die vorgelagerte Düne so liebt und wie es ist, in der Saison für die Urlauberkinder in die Rolle der Sockenpuppe Helgo zu schlüpfen.

Geisterhafte Atmosphäre in Coronazeiten auf Helgoland

Langweilig wird ihr auf Helgoland nicht. Dafür gibt es viel zu viel zu tun in der St.-Nicolai-Kirche. Dort sind es im Winter etwa 20 bis 30 Gottesdienstbesucher, im Sommer mit den Gästen mehr als 100. „Jetzt zu Coronazeiten immerhin um die 50 live im Internetgottesdienst. Es werden aber im Laufe der Woche mehr, weil sich viele noch die Aufzeichnung ansehen. Da sind wir dann bei 300“, so Pamela Hansen.

„Die Insel fühlt sich zurzeit schon ein bisschen geisterhaft an. Kontakte zu den Menschen hier habe ich natürlich noch, aber entweder nur per Telefon oder auf Abstand bei einem kleinen Plausch über die Gartenmauer“, berichtet sie weiter. So schwer sei es hier nicht, den Mindestabstand einzuhalten, auch wenn hier alles ziemlich klein und eng sei. Pamela Hansen: „Mir fällt das inzwischen auch ganz leicht. Ich bin erstaunt, wie schnell ich mich daran gewöhnt habe. Und die Hand gegeben haben wir uns hier auf der Insel ja sowieso noch nie. Mir fehlt aber schon der Kontakt zu den Menschen. Mein Mann und ich saßen vor ein paar Tagen am Küchentisch und meinten beide, dass wir die Feuerwehr vermissen. Es finden zurzeit ja keine Übungsabende statt. Meine Doppelkopfrunde fehlt mir auch, und ich würde sooooo gerne wieder schwimmen gehen und in die Sauna. Aber das alles kommt ja irgendwann wieder.“

Kirchliche Arbeit in der Krise ist anders

Vor Kurzem haben ihr Mann und sie einen Wandergottesdienst im Gedenken an die Bombardierung Helgolands aufgezeichnet. Die kirchliche Arbeit ist anders, aber nicht weniger in Coronazeiten: „Ich war verblüfft, wie viel Zeit ich dafür aufwenden musste. Die Aufnahmen selbst haben etwa eine Stunde gedauert. Okay, ein paarmal haben wir uns dabei auch festgeschnackt. Aber für das Zusammenschneiden habe ich dann noch einmal fünf Stunden gebraucht – für ein Video, das am Ende zehn Minuten lang ist.“ Sie hocke derzeit allein in meinem Amtszimmer. „Es kommt kaum jemand vorbei, die Leute rufen lieber an, um mit mir zu sprechen. Ansonsten bin ich mit Telefon- und Videokonferenzen beschäftigt und schreibe auch wieder viele Briefe.“

Warum ausgerechnet Helgoland? Warum nicht! Die 48-Jährige, aufgewachsen in Plön, hat nichts gegen ungewöhnliche Arbeitsplätze. „Ich habe fast immer das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, egal, wo ich gerade bin“, schreibt sie in ihrem Buch. Nach ihrem Theologiestudium in Kiel war sie in Papua-Neuguinea, auf Föhr und fast fünf Jahre in den USA. Ihr Mann Gunnar, von Beruf Lehrer, ging mit. Mittlerweile sind sie getrennt, und Pamela Hansen hat einen neuen Partner.

Verliebt in die Hochseeinsel

Längst ist Pamela Hansen angekommen und hat sich in die Hochseeinsel verliebt: „Ich liebe den Blick auf das Meer, die Klippen, die Seevögel, die Robben, den Strand. Es fühlt sich auch im Alltag immer ein bisschen an, als wäre ich in den Ferien. Dazu kommt die Vertrautheit. Es ist hier nicht so anonym wie in größeren Orten auf dem Festland. Jeder kennt jeden, und die Menschen unterstützen sich gegenseitig.“ Was ihr fehlt, sind Fachärzte. „In regelmäßigen Abständen kommen sie zwar her, aber wenn man doch mal kurzfristiger einen Termin braucht, geht das nur auf dem Festland. Theater, Ballett und Oper hätte ich auch gerne in erreichbarer Nähe. Aber das ist alles zu verkraften. Im Grunde habe ich hier alles, was ich brauche.“

Sie ist aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Helgoland und Geocacherin. Mit Husky-Mischling Jessie war sie mindestens einmal am Tag für eine Stunde ganz allein unterwegs. Die Hündin kommt auch im Buch vor. „Leider ist Jessie im vergangenen August mit über 15 Jahren an Altersschwäche gestorben. Ich vermisse sie sehr! Ich habe sie in Michigan aus einem Tierheim geholt, und sie ist mir in all den Jahren sehr ans Herz gewachsen. Wir haben ja auch eine Menge miteinander erlebt.“

Helgoland, schreibt sie, „ist zu meinem Sehnsuchtsort geworden.“ Auch wenn hier schon mal Hunde vom Wind weggeweht werden. So wie dieser Jack-Russell-Terrier, der auf einem Spaziergang vom Klippenrandweg in die Nordsee wehte. Knapp 40 Meter tief stürzte der Hund. Und er überlebte! „Den Wind muss man hier also immer auf dem Schirm haben. Der gehört zum Insel­leben mit dazu“, schreibt sie.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum und halten Sie Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Region