Corona

Kieferorthopädin fertigt kostenlos Schutzvisiere für Helfer

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Kieferorthopädin Dr. Annike Bader mit Dr. Cora Greine und Mitarbeiterin Sandra Böttcher (v.l) in ihrer Praxis.

Kieferorthopädin Dr. Annike Bader mit Dr. Cora Greine und Mitarbeiterin Sandra Böttcher (v.l) in ihrer Praxis.

Foto: Marcelo Hernandez

Annike Bader versorgt Ärzte, Feuerwehrleute und Privatpersonen mit Schutzmasken aus dem 3-D-Drucker. Wie man ein Visier bestellen kann.

Buxtehude.  Dass Corona die Lebenswirklichkeiten drastisch ändert und stabil geglaubte Alltagsroutinen über Bord wirft, zeigt sich derzeit fast überall. Dass aber eine Kieferorthopädin nun neben ihrem Praxisbetrieb eine Art kleines Non-Profit-Unternehmen führt und die Region mit Atemschutz versorgt, das ist selbst in diesen Zeiten überraschend. Das findet übrigens auch Dr. Annike Bader selbst, die besagte Praxis in Buxtehude führt und immer noch staunt, was sie mit diesem einen kleinen Foto erreicht hat, das sie vor ein paar Tagen bei Insta­gram gepostet hat.

Aber von vorn: Alles begann damit, dass Annike Bader in einer Berufs-Chatgruppe von einem Kollegen aus Berlin las, der per 3-D-Drucker sogenannte Schutzvisiere herstellt, die eine ähnliche Funktion haben wie Atemschutzmasken. Auch die entsprechenden Druckangaben und Vorlagen schickte er in die Runde.

Annike Baders erster Impuls: „Das können wir auch.“ Schließlich besitzt Bader in ihrer Praxis ohnehin einen 3-D-Drucker, mit dem sonst Modelle für Zahnspangen gefertigt werden. Nun also Schutzvisiere. „Die Visierlösung ist für den medizinischen Bereich und als Arbeitsschutz oft besser geeignet als eine Schutzbrille, weil sie großflächiger ist und das ganze Gesicht bedeckt“, sagt Bader.

Auch das Gesundheitsamt Altona gehört zu den Abnehmern

Ursprünglich war die Idee, die Visiere hauptsächlich für Menschen herzustellen, die im Gesundheitswesen arbeiten und derzeit Schwierigkeiten haben, Schutzmasken zu bekommen. Aber Bader dachte weiter. Und Ende März schrieb sie in ihrem Post auf Instagram: „Seit Neuestem produzieren wir unseren Gesichtsschutz mit unserem 3-D-Drucker selber. Mit dieser Aktion möchten wir auch gerne Unternehmen aus dem Gesundheitswesen, die Feuerwehr und Supermärkte unterstützen. Meldet euch gerne per E-Mail.“

Als sie am nächsten Tag in ihr E-Mail-Fach schaute, musste sie zweimal hinschauen. „Das waren so viele Anfragen“, sagt sie. Wie viele Masken sie und ihr Team inzwischen schon hergestellt haben, hat sie nicht gezählt. Ein paar Hundert waren es aber sicher.

Zu den Abnehmern gehören unter vielen anderen das Gesundheitsamt Altona, die Dermatologie Buxtehude, ein Rewe Supermarkt, diverse Zahnarztpraxen bis nach Heidelberg und inzwischen auch einige Privatpersonen. Um die Anfragen bewältigen zu können, hat Bader nun einen zweiten Drucker bestellt, der in diesen Tagen geliefert werden soll.

Man muss jedoch wissen: Es ist nicht damit getan, den Drucker morgens anzustellen und abends die fertigen Produkte rauszuholen. „Der Drucker stellt nur die Kopfhalterung her, die aus Kunststoff-Filament besteht. Bis diese fertig ist, dauert es rund 30 Minuten. Danach müssen Bader und ihre Kolleginnen noch die antibakterielle Laminier-Folie mit der Schutzfunktion davorspannen. „Jeder Druckvorgang muss manuell gestartet werden“, sagt Bader. Konkret heißt das: viel Arbeit.

Technische Unterstützung von der 3-D-Druck-Firma ProTec

„Zum Glück bekommen wir technische Unterstützung von der 3-D-Druck-Firma ProTec aus Buxtehude, die unser Projekt ebenfalls unterstützt“, sagt Bader. Besonders, weil derzeit coronabedingt in der Praxis ohnehin schon mehr zu tun sei als sonst, da die Arbeitsabläufe durch erweiterte Hygieneregeln erschwert seien. Dazu kommt nun noch der Druckerdienst: „Das Gerät läuft ja inzwischen auch abends und am Wochenende. Da muss dann auch immer jemand da sein.“

Von schlechter Stimmung könne allerdings nicht die Rede sein. Im Gegenteil: „Wir sind alle sehr stolz auf uns, dass wir in diesen Zeiten einen Beitrag leisten können“, sagt sie. Wie sie das alles abrechnen können? Gar nicht. Wie viel die Masken für den Besteller kosten: auch nichts. Und ob man die Masken dann in Buxtehude abholen müsse? Nein, sie würden auch verschicken. Lediglich über eine kleine und freiwillige Spende bei der Bestellung würde man sich freuen – als Belohnung für Mitarbeiterinnen in besonders harten Zeiten.

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Angesichts dieser fast außergewöhnlichen „AGBs“ dürfte es keinen wundern, dass Lob und Anerkennung von allen Seiten nicht lange auf sich warten ließen. „Der Zuspruch war und ist sehr groß“, sagt Bader. „Das trägt uns und gibt uns das Gefühl, dass wir das Richtige machen. Außerdem zeigt sich jetzt umso mehr, dass es richtig war, in der Vergangenheit in innovative Technik zu investieren, die jetzt sogar dem Gemeinwohl dienen kann.“ Wer ein Schutzvisier bestellen möchte, kann sich unter info@kfo-buxtehude.de melden.

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