Lungenkrankheit

Zehn neue Corona-Testzentren in Schleswig-Holstein

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Ärztin Antje Klein entnimmt einen Abstrich.

Ärztin Antje Klein entnimmt einen Abstrich.

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Damit sollen die Arztpraxen entlastet werden. Niedersachsens Innenminister mahnt: Disziplinlosigkeit führt zu Ausgangssperren.

Kiel/Hamburg. Viele Hamburger nutzen die Nähe zur Nordsee für einen Kurztrip nach St. Peter-Ording, gerade jetzt im beginnenden Frühling. Normalerweise. Doch was ist schon normal in diesen Tagen. Nachdem das landesweite Einreiseverbot für Schleswig-Holstein-Touristen in Kraft getreten ist, herrscht in dem Nordseebad gähnende Leere.

Es ähnelt einer Geisterstadt, überall stehen wetterfest abgedeckte Strandkörbe und mit Planen geschützte Tische vor den Restaurants und Cafés. „Zu Ihrem und zu unserem Schutz bleibt unser Geschäft wegen Corona vorübergehend geschlossen“, steht da auf einem Pappschild. Schleswig-Holstein steckt wie sein Nachbarland Hamburg mitten in der Corona-Krise.

Zahl der Corona-Infektionen steigt weiter an

Auch am Donnerstag kannte die Zahl der bestätigten Infektionen nur eine Richtung: nach oben, und zwar steil. Inzwischen tragen 253 Menschen im Land das Virus in sich – am Tag zuvor waren es noch 196. 13 Menschen sind in klinischer Behandlung. Um Arztpraxen und Kliniken zu entlasten, hat die Kassenärztliche Vereinigung (KVSH) in Schleswig-Holstein an zehn Standorten Diagnosezentren für konkrete Corona-Verdachtsfälle errichtet. Weitere sind im Aufbau.

Dort sollen Abstriche von Risikopersonen genommen werden, die sich über die Behördennummer 116 117 gemeldet haben. Die Kassenärztliche Vereinigung appellierte, die Diagnosezen­tren nicht auf eigene Initiative aufzusuchen. „Die Menge der Testkits und die Kapazitäten der Labore sind endlich, sodass nur medizinisch notwendige Testabstriche genommen werden können.“

Krise hat den Gas­tronomie-Sektor mit voller Wucht getroffen

Die Corona-Krise hat auch den Gas­tronomie-Sektor mit voller Wucht getroffen. Der touristische Umsatz in Schleswig-Holstein pro Jahr beträgt laut Branchenverband Dehoga brutto 5,2 Milliarden Euro. Davon entfallen drei Milliarden Euro auf Übernachtungstourismus und 2,2 Milliarden auf den Tagesausflugstourismus. Bis zu 3900 Hotels und Gaststätten schließen in diesen Tagen in Schleswig-Holstein wegen der Corona-Krise. „Wir befürchten, dass bis zu rund 75 Prozent unserer 5200 Betriebe mit mehr als 80.000 Beschäftigten betroffen sind“, sagte Dehoga-Geschäftsführer Stefan Scholtis.

Hintergrund sei der Erlass der Landesregierung, dass alle Beherbergungsstätten für touristische Zwecke sowie alle Restaurants wegen des neuartigen Coronavirus zunächst bis zum 19. April schließen müssen. Auch Tagestouristen dürfen derzeit nicht in das Land zwischen den Meeren. Bei einer Telefonkonferenz mit Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Tourismus-Minister Bernd Buchholz (FDP) habe die Dehoga-Spitze am Donnerstag deutlich gemacht, dass staatliche Hilfen kurzfristig zur Verfügung gestellt werden müssten, die aber langfristig angelegt seien. „Eine denkbare Möglichkeit wären zins- und tilgungslose Darlehen über mehrere Jahre.“

981 Fälle allein in Niedersachsen

Auch die Gemeinden auf Sylt wollen Unternehmen und Einwohner finanziell entlasten. „Wir wollen darum alles in unserer Macht stehende tun, um schnell und unbürokratisch zu helfen“, betonten die Bürgermeister aller Inselgemeinden. So sollen die Gewerbesteuervoraus- und Grundsteuerzahlungen für das erste Quartal 2020 nicht eingezogen werden. Zudem sollen derzeit keine Lastschriften durchgeführt, Mahnungen verschickt oder Verzugszinsen berechnet werden. Auch Kindergartenbeiträge werden nicht eingezogen. Diese Entlastungen sollen für alle betroffenen Unternehmen und Einwohner, unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation, gelten und bedürfen keiner Beantragung.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hat unterdessen vor einer Ausgangssperre wegen der Corona-Epidemie gewarnt, wenn die Disziplin­losigkeit angesichts verhängter Einschränkungen anhält. „Die Ausgangssperre wird kommen, wenn klar ist, dass das alles nicht funktioniert“, sagte er. Mehrere Hundertschaften der Bereitschaftspolizei würden nun mobilisiert, um die Beschränkungen für Versammlungen unter offenem Himmel und für die Gastronomie auch durchzusetzen. Die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus stieg binnen 24 Stunden allein in Niedersachsen um 240 Fälle auf 981. Man richte sich darauf ein, dass zunehmend Betroffene in Kliniken behandelt werden müssen.

( dah/dpa )

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