Betrugsmasche

Falscher Polizist – Ermittler nehmen Hamburger in Mölln fest

Der Hamburger wurde auf frischer Tat erwischt und sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

Der Hamburger wurde auf frischer Tat erwischt und sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

Foto: Boris Roessler / dpa

Der 21-Jährige holte mehrere 10.000 Euro bei einer Seniorin ab. Kurz darauf klickten die Handschellen. Verdächtiger in U-Haft.

Hamburg/Mölln. Ermittlungserfolg für die Polizei: Zivilbeamten gelang es, zwei Männer festzunehmen, die vermutlich Teil einer Bande sind, die insbesondere ältere Menschen mit einem Trick um ihr Erspartes bringt. Dabei geben sich die Täter als Polizisten aus. Beim Landeskriminalamt in Kiel gibt es eine Ermittlungsgruppe, die sich schon seit zwei Jahren mit diesem Kriminalitätsphänomen beschäftigt.

Ins Visier dieser Ermittler geriet ein 21 Jahre alter Hamburger, der im Verdacht steht, in mehreren Fällen als Geldabholer in Schleswig-Holstein und Hamburg tätig gewesen zu sein. Am Dienstag observierten zivile Ermittler aus Schleswig-Holstein und Hamburg den Mann und konnten ihn sowie einen Mittäter in Mölln auf frischer Tat erwischen.

Richter erlässt Haftbefehl gegen Hamburger

Eine Seniorin hatte dem 21-Jährigen mehrere Zehntausend Euro gegeben. "Ermittlungen ergaben, dass die geschädigte ältere Dame zuvor Anrufe von angeblichen Polizisten erhalten hatte und bereits Geld zur Übergabe bereithielt", sagt LKA-Sprecher Uwe Keller und fügt hinzu: "Ihr wurde durch die Täter suggeriert, dass ihr Geld weder zuhause noch bei der Bank sicher sei."

Gegen den Hamburger erließ ein Richter inzwischen Haftbefehl. Sein Mittäter, der als Fahrer fungierte, wurde nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wieder entlassen.

Lesen Sie auch:

Falsche Polizisten in Hamburg: 2020 schon 200 Fälle

Räuber und falsche Handwerker: Rentner immer öfter Opfer

Senioren betrogen – Haftstrafen für falsche Polizisten

Die Hintermänner sitzen oft in der Türkei

Das Kriminalitätsphänomen „Anruf durch falsche Polizeibeamte“ beschäftigt bereits seit Jahren die Ermittlungsbehörden in Europa. Laut Polizei stehen hinter dem Trickbetrug Tätergruppen, die meist aus Callcentern in der Türkei operieren. Die falschen Beamten fragen dann nach Wertgegenständen oder Geld im Haus oder bei der Bank.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs oder bei weiteren Anrufen wird dann beispielsweise behauptet, dass es Hinweise darauf gebe, dass der Angerufene Opfer von Einbrechern werden könnte. Eine weitere Variante ist, dass die Mitarbeiter der Hausbank in kriminelle Machenschafften verwickelt seien und deswegen das Ersparte von der Bank abgehoben werden müsse.

Abholer werden in sozialen Netzwerken angeworben

Anschließend sollen die Opfer das Geld an einen Polizisten übergeben, der es abholt – entweder weil es daheim nicht sicher sei oder geprüft werden müsse, ob es sich eventuell um Falschgeld handelt, das die vermeintlich kriminellen Bankmitarbeiter herausgegeben haben.

Bei den Abholern handelt es sich laut Polizei oftmals um junge Männer, die in sozialen Netzwerken angeworben und mit leicht verdientem Geld gelockt werden. "Sie nehmen das Geld der Geschädigten entgegen und übergeben es an die Hintermänner, wofür sie einen geringen Teil der Beute erhalten", sagt Keller und betont: "Tatsächlich sind sie aber Mittäter in einem perfiden System, das ältere Menschen teils um ihr gesamtes Erspartes bringt, und werden dafür hart bestraft, wie jüngst die Verurteilung eines Abholers zu 6 Jahren Haft durch das Landgericht Flensburg zeigt."