Deutsche Bahn

Traditionsbäcker auf Sylt gibt auf – wegen Bahn-Chaos

Pendler verlassen am Bahnhof Niebüll den Bahnsteig an der Zugstrecke von und nach Westerland. Durch das Chaos auf der Strecke muss nun sogar ein Traditionsbäcker aufgeben.

Pendler verlassen am Bahnhof Niebüll den Bahnsteig an der Zugstrecke von und nach Westerland. Durch das Chaos auf der Strecke muss nun sogar ein Traditionsbäcker aufgeben.

Foto: picture alliance

Chefs von Michel's Backhüs schließen nach 21 Jahren fast alle Geschäfte. Schuld ist nach ihrer Ansicht die Deutsche Bahn.

Sylt. Pendler und Touristen kennen das Problem: Kaum ein Tag vergeht, an dem es nicht zu Verspätungen auf der vielbefahrenen Marschbahnstrecke zwischen Hamburg und Sylt kommt. Mal bleiben die altersschwachen Züge der Deutschen Bahn einfach liegen, mal spielt das Wetter nicht mit, mal fährt ein Lkw gegen eine Brücke und verursacht dadurch monatelang Probleme auf der Pannenstrecke.

Für eine kleine Traditionsbäckerei auf der Ferieninsel hat das tägliche Bahn-Chaos nun besonders drastische Auswirkungen. Die Inhaber von Michel's Backhüs haben ihre insgesamt sechs Geschäfte auf Sylt in den vergangenen Monaten sukzessive geschlossen – nach rund 21 Jahren. Darunter sind auch die Filialen in Westerland und in Tinnum. Übrig bleibt nur noch ein Bistro unter dem Namen "Markt 8" am Rathausplatz von Westerland. Ein weiteres Geschäft wird an einen ehemaligen Mitarbeiter übergeben.

Personal-Chaos durch Bahn-Chaos

"Die täglichen Verspätungen der Bahn haben bei uns zu einem Personal-Chaos geführt", erzählt der Chef von Michel's Backhüs, Michael Hubert dem Abendblatt. "Wir hatten jetzt die Wahl, die Situation noch ein paar Jahre weiter zu ertragen oder einfach einen klaren Schnitt zu machen", so Hubert, der die Geschäfts zusammen mit seiner Frau Susanne führte.

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Das Problem für die Huberts: Fast alle ihrer 35 Mitarbeiter kamen täglich vom Festland auf die Insel, meist aus dem Raum Niebüll. "Auf Sylt selbst gibt es einfach nicht genügend bezahlbare Wohnungen", so Michael Hubert. Andauernd mussten die Chefs damit rechnen, dass die Züge, mit denen die Beschäftigten anreisten, Verspätung hatten oder sogar ganz ausfielen. Wenn die Reise gelang, waren die Züge so voll, dass die Mitarbeiter völlig gestresst auf der Insel ankamen.

Weinende Angestellte

"Wie soll man vernünftig planen, wenn einem die Mitarbeiter am Abend vorher mitteilen, dass ihr Zug am nächsten Morgen wegen Sturms ausfällt und sie deshalb nicht erscheinen können? Wie soll man so den Betrieb in sechs Geschäften aufrechterhalten?", fragt Hubert.

Susanne Hubert berichtete gegenüber der „Sylter Rundschau" gar von Angestellten, die wegen der ständigen Verspätungen weinend vor ihr saßen und einfach nicht mehr konnten. „Sowas bricht einem das Herz", so die 55-Jährige. Unter diesen Umständen mache das Arbeiten keinen Spaß mehr.

Ein Geschäft in Westerland bleibt

Das Bistro am Rathausplatz soll am 7. März unter dem Namen „Markt 8" neu eröffnen – es ist der einzige Standort, der den Bäckern erhalten bleibt. Aus dem Backshop wird dann ein Tages-Bistro mit Frühstück. Sieben Mitarbeiter sollen in dem Bistro künftig arbeiten. "Die kommen alle von der Insel", so Michael Hubert. Bahn-Chaos also ausgeschlossen.

Wissenswertes über Sylt

  • Sylt ist Deutschlands viertgrößte Insel und die größte in der Nordsee
  • Die Insel ist durch den Hindenburgdamm (11,3 Kilometer) 1927 mit dem Festland verbunden
  • Sylt ist 38 Kilometer lang und an der schmalsten Stelle aktuell nur 320 Meter breit
  • Die Hin- und Rückfahrt mit dem Autozug kostet derzeit 99,90 Euro