Halligen

Pastor bietet Qigong für Hallig-Besucher an

Foto: Genevieve Wood / HA

Seit 25 Jahren lebt Pastor Matthias Krämer aus Hamburg auf Langeneß. Was der Geistliche im Wattenmeer zum Runterkommen anbietet.

Langeneß. Größer könnte der Gegensatz wohl kaum sein: Vom hektischen Großstadtleben in Hamburg-Altona nach Langeneß. Der Umzug war keinesfalls nur ein Abstecher, sondern sollte von längerer Dauer sein. Denn in diesem Jahr ist Matthias Krämer bereits 25 Jahre Hallig-Pastor. Von einem, der einfach geblieben ist.

„In der Stadt kann es doch sehr anstrengend sein“, sagt Pastor Krämer in seiner ruhigen, unaufgeregten Art. In Hamburg hat er gelebt, auch in Berlin. Geblieben ist er dort nicht. Anstrengender und hektischer als das Leben auf einer 123-Einwohner-Hallig ist es in der Stadt sicherlich. Wenn er hier aus seiner Kirche durch die großen Fenster schaut, sind da nur der weite norddeutsche Himmel, Wolken und viel Grün auf dem platten Land um die Kirchwarft.

Pastor für die Halligen Langeneß, Gröde und Oland

Dort auf der Kirchwarft mit der 1894 erbauten Kirche lebt Krämer. Draußen weht der Wind, es ist kalt, drinnen sind die Besucher vor dem Wetter geschützt. Matthias Krämer setzt sich an die Orgel und spielt eine Melodie. Gottesdienstbesucher sind gerade keine da.

Insgesamt hat er rund 110 Gemeindemitglieder zu betreuen. Der Pastor ist nicht nur für Langeneß zuständig, sondern auch für die benachbarten Halligen Gröde und Oland. Nach Gröde muss er mit dem Schiff, nach Oland kann er die Kirchenlore nehmen. Gerade einmal 25 bis 28 Menschen kommen im Schnitt regelmäßig und hören seiner Predigt zu – Tendenz auch hier wie anderswo abnehmend.

Chinesische Meditation zum Runterkommen

„Es sind weniger geworden“, sagt Krämer. Er sagt das ohne Bedauern, es ist einfach so. Aber auch auf Langeneß kann es durchaus lebhaft zugehen. Wenn im Sommer die vielen Tagesgäste und Urlauber kommen. Dann ist die Kirche mehr als ein Ort der Einkehr und Stille, sondern auch Touristenattraktion. In der Saison werden auf Langeneß bis zu 25.000 Übernachtungen gezählt. Findet der Gottesdienst sonst nur alle zwei Wochen statt, muss Matthias Krämer in den Monaten Juli und August jedes Wochenende eine Predigt halten, abwechselnd auf den drei Halligen.

Auf Gröde, dort gibt es lediglich sechs Gemeindemitglieder, macht der Pastor alle drei bis vier Wochen mit 13 Hallig-Leuten und Besuchern Qigong. Die chinesische Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsform tut auch den Menschen auf einer einsamen Hallig gut und bringt sie zusammen. „Im Alltag atmet man auch hier nicht immer tief durch“, sagt Krämer. Qigong helfe ihm dabei, innerlich zur Ruhe zu kommen.

Pastor will noch zwölf Jahre im Amt bleiben

Was er an den Menschen hier mitten in der Nordsee schätzt? „Die Religiosität wird nicht offen zur Schau getragen, sondern eher verinnerlicht und zurückgezogen.“ Die Menschen lebten im Einklang mit der Natur. Der Kontakt ist hier natürlich näher als in der Stadt. Wenn jemand stirbt, ist das auch für den Pastor sehr emotional.

Gleich nach dem Vikariat, also der praktischen Vorbereitung auf den Beruf des evangelischen Pastors, ging es für den Vater von drei erwachsenen Kindern nach Langeneß. Wenn er gesund bleibt, sagt der Pastor, bleibt er noch zwölf Jahre. Dann geht er in den Ruhestand.