Prozess in Stralsund

Mord an schwangerer Maria: Angeklagter zeigt Mittelfinger

Der 19-jährige Angeklagte zeigt im Gerichtssaal im Landgericht den Mittelfinger.

Der 19-jährige Angeklagte zeigt im Gerichtssaal im Landgericht den Mittelfinger.

Foto: picture alliance/Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa

Mitte März war die 18-jährige Maria auf Usedom brutal getötet worden. Nun müssen sich zwei Männer vor Gericht verantworten.

Stralsund. Vor dem Landgericht Stralsund hat am Dienstag der Prozess gegen zwei junge Männer wegen Mordes an der 18-jährigen Maria aus Zinnowitz auf Usedom begonnen. Die 19- und 21-Jährigen töteten die schwangere Frau Mitte März nach Ansicht der Staatsanwaltschaft heimtückisch und aus Mordlust. Die beiden Deutschen wollten einen Menschen sterben sehen, wie es vom Gericht hieß. Die Angeklagten waren in Fuß- und Handschellen in den Saal geführt worden. Auf der Anklagebank streckte der 19-Jährige den Kameras den Mittelfinger entgegen.

Das Verbrechen hatte für Entsetzen in der Region gesorgt. Anfang April hatte Pastorin Christa Heinze bei einer Gedenkandacht mit rund 70 Menschen in die Zinnowitzer Kirche von Fassungslosigkeit, Ratlosigkeit und Ohnmacht angesichts der Gewalt gesprochen.

Aussagen der Täter nicht deckungsgleich

Die beiden Deutschen aus Zinnowitz und einem Nachbarort waren einen Monat nach der Tat festgenommen worden. Die Tatwaffe ist bis heute verschwunden. In der Untersuchungshaft haben sie sich den Angaben zufolge gegenseitig belastet. Der 19-Jährige habe eingeräumt, zugestochen zu haben. Insgesamt seien aber beide Aussagen noch nicht deckungsgleich, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Für den Prozess sind bis zum 30. August insgesamt fünf Verhandlungstage angesetzt. 21 Zeugen und drei Sachverständige sind geladen.

Dem älteren Angeklagten droht nun laut Gericht im Falle einer Verurteilung wegen Mordes eine lebenslange Freiheitsstrafe. Bei dem Jüngeren könnten sich wegen Mordes mehrere Strafmöglichkeiten ergeben. Im Falle der Anwendung von Jugendstrafrecht droht ihm eine bis zu zehn Jahre dauernde Jugendstrafe. Sollte die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden, könnte die Haftzeit auf 15 Jahre ausgeweitet werden. Es besteht aber auch die Möglichkeit der Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.