Lüneburg

Streit um Flugplatz nach Absturz eines Segelfliegers

Lüneburg: Das Segelflugzeug stürzte in einen Vorgarten – mitten in einem Wohngebiet.

Lüneburg: Das Segelflugzeug stürzte in einen Vorgarten – mitten in einem Wohngebiet.

Foto: JOTO

Nach einer Kollision in der Luft stürzte ein Segelflieger in ein Wohngebiet. Anwohner kritisieren den Flugbetrieb schon länger.

Lüneburg. Nach dem Zusammenstoß von zwei Segelfliegern am Sonntag über dem Lüneburger Stadtteil Moorfeld ist die Diskussion von Befürwortern und Gegnern des Flugbetriebs in Lüneburg neu entbrannt: Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) forderte nach dem Absturz eines Segelflugzeuges in den Vorgarten eines Einfamilienhauses ein schnelles Verbot des Flugbetriebes am Flugplatz Lüneburg.

Der Stadtrat hatte bereits am 1. Oktober 2014 entschieden, dass der Pachtvertrag über den bestehenden Standort zwischen dem Luftsportverein Lüneburg (LVL) und der Hansestadt am 31. Oktober 2020 enden soll. „Der Unfall zeigt, dass wir mit unserer Entscheidung richtig liegen, dass wegen der Gefahr für die Menschen, die in den Wohngebieten im Osten Lüneburgs leben, der Flugplatz so schnell wie möglich geschlossen werden muss“, sagte der Bürgermeister am Montag. „Wir werden die Luftfahrtbehörde auffordern, keinen Flugbetrieb von Segelfliegern oder Motorsportflugzeugen über dem bewohnten Stadtgebiet mehr zuzulassen – und das möglichst mit sofortiger Wirkung.“

Flugbetrieb schon länger kritisiert

Unterstützung für seinen Vorstoß erhält der Verwaltungschef von der Bürgerinitiative Lüneburg gegen Fluglärm. Der 2009 gegründete Verein hat mehr als 100 Mitglieder und setzt sich seit Langem für eine Verlegung des Flugplatzes ein, da vom Flugbetrieb – neben der Lärmbelästigung durch Kleinflugzeuge – eine unkalkulierbare Gefahr für die Anwohner ausgehe. „Ich finde es sehr gut, dass der Bürgermeister nach dem Absturz ein sofortiges Aus des Flugbetriebs in Lüneburg fordert“, sagte Silke Müller-Lange Vertreterin des Vorstandes der BI dem Abendblatt. „Die Absturzstelle befindet sich seitlich der Ortsumgehung Lüneburgs im Bereich der Einflugschneise zum Flugplatz. Sie wird von Segel- und Motorfliegern ständig genutzt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich hier der nächste Unfall wie dieser oder so ähnlich im angrenzenden Wohngebiet ereignet. Die meisten Unfälle passieren nun mal bei Starts und Landungen.“

Umsiedelung angeregt

Silke Müller-Lange wohnt im Osten Lüneburgs, direkt neben dem Flugplatz. Als Alternative zum umstrittenen Standort des Flugplatzes zwischen dem Gewerbegebiet Hafen und dem Bereich Stadtkoppel empfiehlt sie Lüneburgs Fliegern, auf den rund 40 Kilometer entfernten Flugplatz Uelzen Barnsen umzusiedeln. Richard Meier, der erste Vorsitzende des Luftsportvereins Lüneburg, von wo aus die beiden Segelflieger am Sonntag gestartet waren, sieht im Vorschlag Müller-Langes keine Option. „Uelzen Barnsen hat selbst Platzproblme. Der Flugplatz dort ist komplett ausgelastet mit ihren eigenen Mitgliedern.“

Flieger suchen Weg für Verbleib

Eigene Überlegungen des Luftsportvereins, als Alternative zum jetzigen Standort einen Flugplatz im Bilmer Strauch zu bauen, wurden vom BUND aus Naturschutzgründen abgelehnt. Auf politischer Ebene gibt es für eine Verlegung an den Bilmer Strauch ebenfalls keine Mehrheit.

Also setzt der Luftsportverein alles daran, auf seinem angestammten Platz zu bleiben. „Wir haben mit unserer Initiative ,Rettet den Flugplatz’ 8500 Unterschriften für den Erhalt des Flugplatzes gesammelt. Die wollen wir dem Stadtrat am 8. August übergeben“, sagte Meier dem Abendblatt. Dass es nach dem jüngsten Vorfall nicht einfacher werden wird, sich für den Erhalt des Flugplatzes einzusetzen, ist Meier klar. „Der Absturz ist bedauerlich. Ein Flugzeugunfall wird anders wahrgenommen, als ein Autounfall. Man sollte aber bedenken, dass bei dem Absturz kein Unbeteiligter Dritter zu Schaden gekommen ist. Keiner unserer Aktiven ist in den letzten 30 Jahren durch einen Flugunfall zu Tode gekommen.“

Was hat zum Absturz geführt?

Unterdessen stellen sich viele die Frage, was zum Absturz geführt hat. Eines der Flugzeuge war nach der Kollision in 1000 Meter Höhe in den Garten eines Anwohners in der Gerhart-Hauptmann-Straße gestürzt. Der Pilot (56) – ein erfahrener Segelflieger – konnte sich mit dem Fallschirm retten. Er verletzte sich bei der Landung an der Wirbelsäule und liegt im Krankenhaus. Nach Abendblatt-Informationen sollte er noch am Montag operiert werden. Es besteht jedoch keine Lebensgefahr. Der Pilot (70) des zweiten Flugzeuges blieb unverletzt und konnte nach dem Zusammenstoß auf dem Flugplatz notlanden.

Ermittlungen zum Unfallhergang

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung BFU in Braunschweig hat die Ermittlungen aufgenommen. Mit einem ersten Zwischenbericht sei frühestens in sechs bis acht Wochen zu rechnen, heißt es. Der Vereinsvorsitzende Meier geht davon aus, dass beide Piloten zunächst gemeinsam die Aufwinde der Thermik genutzt hätten – was bei Segelfliegern üblich ist. „Sie leben von Aufwinden, da gehen alle rein. Beide wollten bis zu den Wolken aufsteigen.“ Als einer der Piloten danach eine Wende machen wollte, habe er das andere Flugzeug beim Überfliegen nicht wahrgenommen und mit Rumpf und Tragfläche am Leitwerk getroffen – das daraufhin abriss. „Die Piloten kannten sich. Sie kommen beide aus Lüneburg. Sie haben beide nicht aufgepasst. Zum Glück ist nicht noch mehr passiert.“