Meppen

Moorbrand qualmt bis nach Hamburg

Auf einem Bundeswehr-Schießplatz im niedersächsischen Meppen schwelt ein unterirdisches Feuer

Meppen.  Als am Dienstag vergangener Woche auf dem Bundeswehrschießplatz bei Meppen ein Hubschrauber einen Schuss abfeuerte, ahnte noch niemand, dass das im 220 Kilometer entfernten Hamburg zu zahlreichen Anrufen bei der Feuerwehr führen würde. Dennoch war es so: Eine Woche nach der verhängnisvollen Munitionserprobung, die ein schwer zu löschendes Moorfeuer auslöste, hat der Rauch die Hansestadt erreicht. Am Dienstag meldeten sich besorgte Hamburger bei der Feuerwehr und berichteten von starkem Brandgeruch – unter anderem in Schnelsen und in Hamm.

Wehren rückten aus, konnten aber keine Feuer finden. Der Lagedienstführer hatte schließlich die richtige Idee: Starke Südwestwinde hatten den Meppener Rauch tatsächlich bis an die Elbe getrieben. Zuvor hatte es ähnliche Anrufe auch schon in Oldenburg und Bremen gegeben. Mit anderen Worten: Der Wind hatte den Brandgeruch großflächig über Norddeutschland verteilt.

Der Wind wird dies wohl auch in den kommenden Tagen tun. Denn der Bundeswehr ist es auch nach mehr als einer Woche noch nicht gelungen, das Feuer zu löschen. „Es tut uns leid“, sagt Michael Bertschik von der Wehrtechnischen Dienststelle 91, „wir wären froh, wenn wir das Feuer mit einem Knopfdruck beenden könnten. Aber es ist eben doch ein bisschen komplizierter.“

Seine Dienststelle erprobt auf dem 192 Quadratkilometer großen Gelände alles, was die Bundeswehr verschießt – und noch manches mehr. Geheimhaltung ist da selbstverständlich. Michael Bertschik berichtet zwar, dass das Feuer nach einem Abschuss von einem Hubschrauber aus ausgebrochen sei, aber was dort genau verschossen worden ist, möchte er lieber nicht sagen.

Die Rauchentwicklungwar unübersehbar

Jedenfalls ist der Brand ausgebrochen. Offenes Feuer gab es nicht, aber einen Schwelbrand, der sich ins Moor hineinfraß. Die bald nach dem Beschuss auftretende Rauchentwicklung war unübersehbar. Die Bundeswehr-Feuerwehr rückte aus. Und hatte Pech. Ein Unimog kippte in dem unwegsamen Gelände um. Ein anderes Spezialfahrzeug, die Pistenraupe, die einzig in der Lage gewesen wäre, auf dem moorigen Untergrund an die Brandstelle heranzufahren, blieb mit einem technischen Defekt liegen.

Am Tage darauf waren Bundeswehrhubschrauber vor Ort. Sie nahmen an einem Löschteich Wasser auf und ließen es über der Brandstelle ab. „Das Feuer ist unter Kontrolle“, sagt Michael Bertschik.

Das mag sein. Bertschik sagt aber auch: „Das Feuer frisst sich in die Tiefe und kann sich unterirdisch ausbreiten.“ Das tut es derzeit wohl, der trockene Sommer wird diese Ausbreitung begünstigen. Sieben Bundeswehr-Feuerwehren sind mittlerweile im Einsatz. Anfang dieser Woche wurde auch eine Einheit der Berufsfeuerwehr Osnabrück hinzugezogen. Am Mittwoch bauten Brandamtsrat Jan Südmersen und seine 13 Kollegen ein Löschwasserversorgungssystem auf. „Wir haben eine Hochleistungspumpe, die von einem Schiffsdiesel angetrieben wird“, sagt er. „Die Pumpe kann große Mengen Wasser über größere Distanzen transportieren. Hier sind es etwa zwei Kilometer.“ Unterirdische Feuer, so Südmersen, seien schwer zu löschen, weil man an den Brandherd nicht herankomme. „Deshalb ist das Einsatzende offen“, sagt er. „Das kann durchaus ein bis zwei Wochen dauern.“

Mit der leistungsstarken Leitung soll mehr Wasser zum Brandherd transportiert werden. Mit sogenannten Riegeln soll dann die unterirdische Ausbreitung gestoppt werden – also mit Abschnitten, die so massiv unter Wasser gesetzt werden, dass auch tiefere Schichten durchnässt werden und nicht mehr in Brand geraten können.

Die Wehrtechnische Dienststelle für Waffen und Munition (WTD 91) gehört zum Geschäftsbereich des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr. Sie wurde 1957 gegründet und gilt als Technologiezentrum für die Bereiche Waffen und Munition. Zur Dienststelle in Meppen gehört der größte instrumentierte Schießplatz Westeuropas.