Neuendorf

Wechsel am Steuer des rollenden Supermarkts

Sönke Schlüter, Inhaber eines Tante-Emma-Ladens auf vier Rädern, steht in seinem Fahrzeug zwischen den Verkaufsregalen

Sönke Schlüter, Inhaber eines Tante-Emma-Ladens auf vier Rädern, steht in seinem Fahrzeug zwischen den Verkaufsregalen

Foto: Axel Heimken / dpa

Nach 30 Jahren auf Tour durch die Elmshorner Lande geht Sönke Schlüter in Rente. Ein Nachfolger steht bereit.

Neuendorf.  Ein kleiner Supermarkt, der vor der Haustür parkt? Für die Menschen in den kleinen Ortschaften rund um Elmshorn ist das seit Jahrzehnten Wirklichkeit. Besitzer des rollenden Supermarktes ist Sönke Schlüter, doch bald ist Schluss für ihn.

Der 65-Jährige aus Neuendorf ist seit 30 Jahren mit seinem Tante-Emma-Laden auf vier Rädern unterwegs. Dienstags bis freitags fährt er in einem Umkreis von bis zu 60 Kilometern abgelegene Dörfer in den Kreisen Steinburg und Pinneberg an, in denen es keine Lebensmittelgeschäfte mehr gibt.

Bis zu 1000 Artikel

Angefangen hatte alles vor mehr als 30 Jahren mit einem eigenen Laden. Durch Zufall sei er dann zu einem Wagen und der Möglichkeit gekommen, seine Waren auch mobil anbieten zu können. Von Brot und Brötchen, über Obst und Gemüse, Milchprodukte, Wurstwaren, Süßigkeiten, Konserven, Haushaltsartikel wie Gummibänder und Batterien, bis hin zu Kuchen, Zeitschriften, Blumenerde und Vogelfutter reicht das Sortiment. Bis zu 1000 Artikel bietet Schlüter in seinem mobilen Lebensmittelladen an. Die Preise sind etwa 15 bis 20 Prozent teurer als in anderen Supermärkten. Bei Obst und Gemüse würden die Beträge aber unter den üblichen Preisen liegen.

Waren vom Großmarkt

Zwölf Dörfer fährt er pro Woche an. An insgesamt 30 Stationen macht er etwa mittwochs Halt. Montags fährt Schlüter morgens zum Hamburger Großmarkt, wo er seinen Warenbestand für die Woche einkauft. Fleisch, Milch, Eier, Backwaren oder Gemüse bezieht er von regionalen Anbietern. Nach so einer langen Zeit sei der Umgang mit seinen Kunden vertraut geworden. „Bei den meisten weiß ich, was sie kaufen und lege es vorher schon bereit“, sagt Schlüter.

Irmgard Schuldt kauft seit fünf Jahren bei Schlüter ein. „Dass es ihn gibt, ist wirklich ganz wunderbar“, sagt die 86-Jährige. Ihr Mann sei zu alt, um mit ihr einkaufen zu fahren, und ihre Kinder wolle sie nicht immer bitten. Auch Gelegenheitskäufer wie Hanne­lore Brammann gehören zum Kundenstamm. „Ich komme gelegentlich, um frische Brötchen und Kuchen zu besorgen. Es ist schlimm, dass es keine Angebote mehr auf dem Dorf gibt“, sagt sie.

Im Oktober wird Sönke Schlüter sich von seinen Kunden verabschieden. Nach drei Jahrzehnten fährt er seinen rollenden Supermarkt dann ein letztes Mal über die Landstraßen. Zur Ruhe will sich der Bald-Rentner aber nur beruflich setzen. Endlich mal nach Herzenslust reisen und neue Ecken erkunden, steht nun auf seiner Agenda.

Mann mit Idealismus

Einen Nachfolger für den rollenden Supermarkt hat Sönke Schlüter bereits gefunden: Matthias Radden. Er habe sich auf eine Zeitungsannonce hin gemeldet, so Schlüter. Radden wohnt ebenfalls in Neuendorf. „Man braucht schon eine gewisse Portion Idealismus, aber die habe ich“, sagt Radden über seinen neuen Job. Praktisch für den 49-Jährigen: Er kommt aus dem kaufmännischen Bereich.