Bramstedt

Arved Fuchs segelt von Hamburg in die Arktis

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Der Abenteurer aus Bad Bramstedt hat seine erste Etappe erreicht. Auf Helgoland werden die Baßtölpelkolonien erforscht.

Bad Bramstedt/Helgoland.  Arved Fuchs hat die erste Etappe seiner neuen Expedition erreicht. Mit seiner Crew begann der Bramstedter mit den Forschungen auf Helgoland und vor Sylt. Fuchs hatte mit seinem Schiff „Dagmar Aaen“ am Mittwoch der vergangenen Woche den Hamburger Hafen verlassen und wird das 2015 gestartetes Projekt „Ocean Change“ fortsetzen. Die Reise wird die Besatzung bis zum Nordpolarmeer an der Westküste Grönlands führen. Fuchs hat diesem Abschnitt von „Ocean Change“ den Titel „Turn the page“ gegeben. Die „Dagmar Aaen“ dient den Wissenschaftlern als Plattform für ihre Untersuchungen.

Drängende Themen seien die Belastung der Meere durch Plastik sowie die Auswirkungen des Klimawandels, hatte der 65-Jährige Bad Bramstedter beim Abschied in Hamburg gesagt. Außerdem wird sich das junge Forscherteam an Bord mit dem Thema erneuerbare Energien beschäftigen.

Auf der Insel Helgoland begann eine Wissenschaftlerin mit der Untersuchung der Baßtölpelkolonien. Der von den Seevögeln dicht bevölkerte Teil der Insel gilt als wichtiges Brutgebiet und ist inzwischen dicht bedeckt mit alten Fischernetzen und Leinen, die von den Vögeln aus dem Meer gefischt und zum Nestbau benutzt werden.

„Das ist wirklich dramatisch“, sagte Fuchs im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt. Manche Nester bestünden inzwischen komplett aus diesem Müll. „Das führt dazu, dass sich viele Jungtiere selbst strangulieren“, sagt Fuchs. Die Wissenschaftler arbeiten eng mit dem Alfred-Wegener-Institut, dem Verein Jordsand und der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung zusammen und werden das Nordseewasser auf Verunreinigungen mit Plastik untersuchen. Danach setzen die Männer und Frauen der „Dagmar Aaen“ ihre Reise fort und segeln dann zum Offshore Windpark „Butendiek“.

Weitere Stationen auf der Route nach Grönland sind die Shetland Inseln, die Faröer und Island. „Allesamt Inselgemeinschaften, die bereits jetzt vom Klimawandel betroffen sind und aus ihren unterschiedlichen Ausgangslagen Lösungsansätze vorantreiben“, sagte Fuchs. Von Grönland führt der nächste Expeditionsabschnitt weiter nach Kanada, wo die „Dagmar Aaen“ den Winter verbringen wird.

Schon jetzt verfügen einige arktische Gemeinden über einen vergleichsweise hohen Anteil an erneuerbaren Energien, sagte Fuchs. Er und sein Forscherteam wollen sich mit folgenden Fragen beschäftigen: Wie sehen die Lösungsansätze vor Ort aus? Was sind die Herausforderungen? Wie stehen die Menschen zu den Umwälzungen? Was können andere Länder von der Arktis lernen? Und woran fehlt es, um voranzukommen?

„Die Crew der ,Dagmar Aaen’ will Menschen zusammenbringen und Kooperationen mit Energieunternehmen, Stiftungen und Regierungsvertretern anregen“, kündigt Fuchs an. „Statt Fatalismus suchen wir Lösungen.“ Vor Ort wolle die Besatzung eine Expertenrunde schaffen und Menschen vernetzen.

„Wo bleibt denn da eigentlich das Abenteuer?“ Diese Frage werde ihm inzwischen häufig gestellt, berichtete Fuchs bei seinem Abschied. „Wir alle verstehen uns nicht als Draufgänger. Gerade wenn man mit einem solchen Schiff in die hohen Breiten fährt – das ist immer ein Abenteuer.“ Es sei aber ein „kalkuliertes Abenteuer, kein fahrlässiges“. Eine sehr anspruchsvolle Seestrecke erwarte die Crew um Kap Farvel an der Südspitze Grönlands. Dort herrsche nämlich „ähnlich notorisch schlechtes Wetter wie am Kap Hoorn“. Im nächsten Jahr werde „Ocean Change“ fortgesetzt. Die Rückkehr nach Hamburg ist für Oktober 2019 geplant.

Virtuell kann die Expedition „in das noch vorhandene, aber durchaus nicht ewige Eis der Arktis“ über soziale Medien verfolgt werden. Videos, Fotos und Livestreams der Expeditionsetappen sind geplant. „Das ist für uns auch Neuland, das haben wir in dieser Form so noch nie gemacht“, sagte der Bramstedter Abenteurer.

Arved Fuchs wird kontinuierlich und aktuell mit Logbucheinträgen, Videos, Fotos und Livestreams über seine Expedition unter www.arved-fuchs.de und in den sozialen Medien berichten.