Sylt/Hamburg

Gleisarbeiten zwischen Hamburg und Sylt dauern noch bis 7. Juni

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister schreibt Brandbrief nach Berlin. Streit um Ausbau der Bahnstrecke spitzt sich zu

Sylt/Hamburg.  Elmshorn bleibt weiterhin der zentrale Umsteigebahnhof für alle Syltreisenden. Auch heute wird kein Direktzug zwischen Hamburg und Westerland verkehren. Zudem werde­ es auf der Strecke weiter zu „erheblichen Verspätungen“ durch bestehende Langsamfahrstellen kommen, sagt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis.

Derzeit gehe man davon aus, dass die Einschränkungen noch bis zum 7. Juni bestehen bleiben. Bis dahin werde der Schienenschleifzug nachts unterwegs sein.

Eine kleine Verbesserung gibt es für Pendler: Zwischen Niebüll und Westerland soll wieder alle halbe Stunde ein Zug fahren. Auf der Strecke Elmshorn–Westerland bleibt es beim Stundentakt. Es seien zusätzliche Mitarbeiter im Einsatz, um die Reisenden zu betreuen.

Während die Bahn versucht, die aktuelle Situation in den Griff zu bekommen, werden die anhaltenden Probleme auf der Strecke immer mehr zum Politikum. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sprach am Dienstag von einer „dramatischen Situation“, und auch der nordfriesische Kreispräsident Heinz Maurus und Landrat Dieter Harrsen fanden drastische Worte: „Wir sind fassungslos, wütend und maßlos enttäuscht, weil die Bundespolitik und die Deutsche Bahn AG die Probleme auf der Strecke Niebüll–Westerland nicht in den Griff bekommen – im Gegenteil, es wird immer schlimmer statt besser“, teilten die beiden in einem gemeinsamen Schreiben mit. Sie hätten das Vertrauen nun „endgültig verloren“.

Auslöser war eine von Enak Ferlemann (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, ins Spiel gebrachte Maßnahme: Um die Lage kurzfristig zu verbessern, schlug er vor, das rund einen Kilometer lange Überholgleis neben der eingleisigen Strecke zwischen Klanxbüll und Niebüll zu verlängern. Dies wäre etwa in drei bis vier Jahren machbar, sagte Ferlemann.

Ein kompletter zweigleisiger Ausbau des 14 Kilometer langen Abschnitts könnte nach Einschätzung Ferlemanns bei „optimalem Verlauf“ frühestens in zehn Jahren realisiert werden. Voraussetzung sei, dass der Bund die Strecke im Bundesverkehrswegeplan als „vordringlichen Bedarf“ aufnehme, was er aber für realistisch halte. „Ich kenne keinen Abschnitt bundesweit, wo wir so ein Desaster auf der Schiene haben – das ist unerträglich“, sagte der Staats­sekretär.

Bis Ende September werde der Antrag aus Schleswig-Holstein bewertet sein. Der eingleisige Streckenabschnitt gilt als Hauptgrund dafür, weshalb es im Zugverkehr zwischen Hamburg und Sylt oft zu Verspätungen kommt.

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) betonte, dass eine Verlängerung des Überholgleises nicht die Lösung sei, er nehme kurzfristig aber „alles, was irgendwie helfen kann“. Diese Maßnahme dürfe einen zweigleisigen Ausbau aber in keinem Fall ersetzen oder verzögern.

Im Mai waren nur 68 Prozent aller Züge pünktlich

In einem Brief an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sowie an Bahn-Vorstandsmitglied Ronald Pofalla und den Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Odenwald forderte Buchholz am Dienstag nicht nur erneut, die Zweigleisigkeit Niebüll–Klanxbüll als vordringlichen Bedarf einzustufen, sondern auch, die Planungen „unverzüglich“ aufzunehmen. Zudem müsse ein „Qualitätsbeauftragter für die Infrastruktur der Bahn in Schleswig-Holstein“ eingesetzt und die Kommunikation mit den betroffenen Reisenden vonseiten der Bahn verbessert werden.

„Seit meinem Amtsantritt hat sich die Qualität des Schienenpersonennahverkehrs in Schleswig-Holstein zusehends verschlechtert“, schreibt Buchholz. „Die Anbindung Sylts, die überwiegend per Bahn oder Autozug erfolgt, wird immer häufiger als Zumutung und als Hindernis für einen Aufenthalt auf Sylt empfunden. Die wirtschaftlichen Auswirkungen treffen die Region und unser Bundesland im erheblichen Maße.“ Buchholz lädt die drei Adressaten ein, sich vor Ort einmal persönlich einen Eindruck von der Situation zu verschaffen. „Ihr Besuch wäre ein gutes Zeichen für die Menschen vor Ort“, schreibt Buchholz, „denn es entsteht immer mehr der Eindruck, als wären die Probleme im hohen Norden in Berlin nicht präsent.“

Für den Monat Mai wird das Verkehrsministerium erneut eine Sondervertragsstrafe gegen die Bahn verhängen, wie Sprecher Harald Haase ankündigte. Die Pünktlichkeitsquote, die eigentlich bei 93 Prozent liegen sollte, habe nur 68 Prozent betragen.