Brösel-Festival

Werner-Rennen: Wie ein erneutes Chaos verhindert werden soll

Die Kontrahenten Rötger „Brösel“ Feldmann (links) und Holger „Holgi“ Henze auf dem Flughafen Hartenholm. Wer gewinnt diesmal das Rennen?

Die Kontrahenten Rötger „Brösel“ Feldmann (links) und Holger „Holgi“ Henze auf dem Flughafen Hartenholm. Wer gewinnt diesmal das Rennen?

Foto: Loerke PR/Kai Swillus

Ende August kommen 1100 Fahrzeuge und 70.000 Zuschauer auf den Flugplatz Hartenholm. Schlechte Erinnerungen werden wach.

Hasenmoor/Hartenholm.  „Das muss kesseln!“, kündigen die Veranstalter des Werner-Rennens an und werden damit vermutlich recht behalten. Mehr als 80 Bands haben sich für das dreitägige Spektakel auf dem Flugplatz Hartenholm (Kreis Segeberg) angemeldet, das am 30. August beginnt. Und täglich kommen neue Programmpunkte hinzu. Längst geht es bei der Planung nicht mehr nur um die musikalischen Höhepunkte mit BAP, Fury In The Slaughterhouse und Santiano. Das Werner-Rennen firmiert inzwischen als größtes Motorsportfestival Europas mit 1100 Fahrzeugen und vielen Rennen: Auf dem Programm stehen unter anderem Motocross-, Stockcar- und Rasentrecker-Rennen.

Bis zu 70.000 Menschen werden auf dem Flugplatz und den angrenzenden Wiesen zwischen Bad Segeberg und Bad Bramstedt mit der Gesamtgröße von 46 Hektar erwartet. Noch gibt es Karten für die Wiederauflage des legendären Werner-Rennens vor 30 Jahren, das mit 200.000 bierseligen Besuchern die Region ins Chaos stürzte und zu Staus bis zum Elbtunnel führte. Weder lag ein Verkehrskonzept vor, noch standen ausreichend Campingflächen und Toiletten bereit.

Neuauflage der chaotischen Zustände?

Damals war der Höhepunkt das Rennen zwischen dem Erfinder der Comicfigur Werner, Rötger „Brösel“ Feldmann, und Kneipenwirt Holger „Holgi“ Henze. In diesem Jahr ist beim Festival die Neuauflage geplant: Erneut werden „Brösels“ Red Porsche Killer, ein fast drei Meter langes Motorrad, und „Holgis“ 68er-Porsche 911 auf dem Flugplatz um die Wette rasen. „Brösel“ hatte 1988 verloren, weil er sich nach zu viel Bölk­stoff verschaltet hatte.

Karten und Kosten

Zu einer Neuauflage der chaotischen Zustände im Jahr 1988 soll es nicht kommen. „Die Veranstalter wissen, was sie tun“, sagt der Bürgermeister der 700-Einwohner-Gemeinde Hasenmoor, Klaus-Wilhelm Schümann. Er, Vertreter der Gemeinde und der freiwilligen Feuerwehr haben sich im vergangenen Jahr beim Heavy-Metal-Festival in Wacken über die Arbeit von Holger Hübner informiert, der Wacken und jetzt auch das Werner-Rennen organisiert. Die Delegation war begeistert, heißt es.

„Niemand muss ein Chaos fürchten“

„Niemand muss ein Chaos fürchten, das wird eine gut organisierte, tolle Veranstaltung“, versprechen die Veranstalter den Hasenmoorern, die immer noch dafür kämpfen, dass der Flugplatz und das Festival nach ihrem Dorf benannt werden, denn die Flächen liegen gar nicht auf Hartenholmer Hoheits­gebiet.

90 Prozent der Hasenmoorer unterstützen das Projekt, glaubt der Bürgermeister. „Wir haben ein gutes Gefühl, sonst hätten wir das nicht gemacht“, sagt Schümann. Doch er hat auch Verständnis für die Kritiker. „Das sind Menschen, die vor 30 Jahren richtig gelitten haben.“ Damals wurden Vorgärten als Toiletten missbraucht, Firmen waren für Kunden mit dem Auto nicht erreichbar, Rettungsdienst und Feuerwehr kamen nicht durch. „Man konnte Angst bekommen“, sagt Schümann.

Unterschiedliche Camps für die Besucher

Auch sein Kollege Hans-Burkhard Fallmeier aus dem Nachbardorf Hartenholm glaubt, dass sich das Chaos nicht wiederholen wird. Dennoch sagt er: „Ich sehe das Ganze kritisch. Die Gemeinde hat nichts davon, außer Belastungen.“ Er rechnet während der vierwöchigen Phase von Aufbau, Festival und Abbau mit erheblichen Behinderungen für Berufspendler, räumt aber ein, dass viele Dorfbewohner sich auf die Veranstaltung freuen.

Die Veranstalter wollen mit einem ausgeklügelten Verkehrskonzept Staus und blockierte Straßen verhindern. Auf unterschiedlichen Routen sollen die Besucher zum Gelände gelotst werden. 1988 war der Verkehr zusammengebrochen, weil das Gelände überfüllt war und der Verkehr an der Anschlussstelle Bad Bramstedt nicht von der Autobahn 7 abfließen konnte.

Gas-Wasser-Scheiße-Camp

Für die Besucher werden unterschiedliche Camps mit eindeutigen Bezeichnungen angeboten: das Breite-Masse-Camp für Musikliebhaber und Comicfans, das Gas-Wasser-Scheiße-Camp für Handwerker und das Biotop für Familien, die es gern ruhig haben. Auch an die Besucher, die Wert auf Komfort legen, haben die Organisatoren gedacht. Für sie ist der sogenannte Nobelacker reserviert.

Damit Werner-Fans das Warten bis zum Rennen im August nicht zu lang wird, erscheint am 1. Juni schon einmal der 13. Comicband der Werner-Serie mit dem Titel „Wat nu?!“ Darin wird es um die bevorstehende Revanche in Hartenholm und diverse andere Themen aus dem Werner-Kosmos gehen. „Wat nu?!“ ist der erste Titel aus dem Bröseline Verlag. Das Buch wird 19,80 Euro kosten.