Niedersachsen

Arabisch und Farsi als Schulfächer – nur eine Luftnummer?

Schüler in einer Klasse

Schüler in einer Klasse

Foto: imago stock&people

Der Landtag hatte beschlossen, das Fremdsprachenangebot an den Schulen zu erweitern. Doch geschehen ist seitdem nichts.

Hannover. Schüler mit Migrationshintergrund werden wohl noch länger darauf warten müssen, dass ihre Muttersprachen an niedersächsischen Schulen auch als Fächer angeboten werden. Vor einem Jahr beschloss der Landtag, künftig auch Sprachen wie Arabisch, Farsi oder Polnisch an weiterführenden Schulen anzubieten. Doch passiert ist seitdem wenig, wie eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur beim Kultusministerium zeigt.

Bedarf unklar

Man analysiere noch, ob und in welchem Umfang an den Schulen Bedarf bestehe und für welche Sprache, heißt es aus dem Ministerium. „Das ist ein sehr zeitaufwändiges Unterfangen und daher ein Vorhaben, dessen Vollendungszeitpunkt nicht verbindlich genannt werden kann.“ Im April 2017 hatte der Landtag mit den Stimmen des damaligen rot-grünen Regierungslagers beschlossen, das Fremdsprachenangebot an den weiterführenden Schulen auszubauen. Das Konzept sah vor, dass Herkunftssprachen in allen Schulformen auch in der Mittel- und Oberstufe gelehrt werden können und ins Zeugnis einfließen sollen. Langfristig sollten sogar Abiturprüfungen in Fächern wie Arabisch oder Türkisch möglich sein.

Noch keine Pläne

Doch offensichtlich ist man in den vergangenen Monaten mit diesem Vorhaben nicht vorangekommen, wie aus der Stellungnahme des Kultusministeriums hervorgeht. Man arbeite daran, die „bisher schon sehr breite Palette an sprachlichen Angeboten perspektivisch zu erweitern“. Angeboten werde Englisch, Französisch, Spanisch, Niederländisch und Russisch – zu Türkisch, Arabisch oder Farsi findet sich in der Stellungnahme des Ministeriums kein Wort. „Ich habe das Gefühl, dass die Landesregierung das Thema stiefkindlich behandelt“, sagte Julia Willie Hamburg, bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion. Wenn der Landtag diesen Beschluss gefasst habe, müsse er auch umgesetzt werden.

Flächendeckend unrealistisch

Die Grünen wollen das Thema daher mit einer Anfrage in die nächste Landtagssitzung einbringen. „Der Antrag sollte guten Willen demonstrieren, aber er lässt sich nicht umsetzen“, ist das Fazit des FDP-Schulexperten Björn Försterling. „Wir sind meilenweit entfernt von einem Abitur in Farsi oder Türkisch.“ Grund sei, dass es nicht genug Ressourcen und nicht genug ausgebildete Lehrkräfte für diese Fächer gebe.

Ähnlich äußerte sich die CDU-Bildungsfachfrau Mareike Wulf, die das Projekt grundsätzlich begrüßenswert findet. Skeptiker wie Horst Audritz vom Philologenverband dagegen sehen sich in ihrer ablehnenden Haltung bestärkt. „Dieser Vorstoß war von Anfang an zum Scheitern verurteilt“, sagte Audritz. Es sei nichts dagegen einzuwenden, wenn einzelne Schulen im Rahmen ihrer Profilierung ausgefallene Fremdsprachen anbieten würden. Flächendeckend sei das aber nicht machbar.

Hamburg geht voran

In anderen Bundesländern ist ein erweitertes Fremdsprachenangebot schon Alltag. In Hamburg etwa können Schüler je nach Schulform neben den üblichen Fremdsprachen auch Polnisch, Russisch, Türkisch oder Chinesisch lernen. Diese Sprachen können dort auch als schriftliches oder mündliches Abiturfach belegt werden. In Nordrhein-Westfalen gibt es einen Kernlehrplan für Türkisch am Gymnasium.