Umweltschutz

Die Welt kommt auf den Rathausmarkt

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Yvonne Weiß

Zur Klimawoche im September wird hoher Besuch erwartet: Fürst Albert II. von Monaco und ein riesiger Globus

Der Höhepunkt der 10. Klimawoche ist blau und krank: Eine 20 Meter hohe Weltkugel. Sie soll vom 23. bis 30. September auf dem Rathausmarkt aufgebaut werden als unübersehbarer Hinweis: „Hallo! Schaut nicht weg, rettet mich.“ Die Nachbildung der Erde wurde in Dänemark entwickelt und sorgte bereits bei der Weltklimakonferenz in Bonn 2017 für Aufmerksamkeit. Denn so anschaulich hat man die Auswirkungen unseres Handelns selten erlebt.

Großstädte wie Hamburg heizen die Erderwärmung an

Nehmen wir beispielsweise eine Großstadt wie Hamburg. Sie heizt wie andere Städte die Erderwärmung an. Bereits jetzt sind Großstädte für rund drei Viertel des Energie- und Ressourcenverbrauchs und des Ausstoßes von Treibhausgasen verantwortlich. „Um die globalen Klimaziele zu erreichen, müssen wir Nachhaltigkeit ins Zentrum unserer städtischen Entwicklung rücken. Mit der Weltklimakonferenz hoffen wir sehr, bei unseren Besuchern einen Bewusstseinswandel herbeiführen zu können, deshalb wollen wir unbedingt zen­tral sichtbar sein“, sagt Frank Schweikert.

Der Biologe und Journalist kämpft seit Jahren für die Sauberkeit der Meere. Mit seinem Forschungsschiff, der „Aldebaran“, tourt er über die Weltmeere. Ist er mal zu Hause in seiner Wohnung am Fischmarkt, dann macht er regelmäßig Fotos von den Überschwemmungen im Hafen, der 54-Jährige ist überzeugt: „Der Meeresspiegelanstieg kommt schneller als gedacht.“

Als Organisator der Weltklimawoche holt er zum zehnten Geburtstag der Veranstaltung die Welt in die Hansestadt; in die Kugel passen rund 300 Menschen, die vor Ort unter anderem erleben, was ihr Konsum mit dem Amazonas zu tun hat, warum Korallenriffe sterben, wie groß ihr eigener ökologischer Fußabdruck ist.

Die aktuellen Ergebnisse des Deutschen Klimarechenzentrums werden auf eine Weise visualisiert, dass einem plötzlich die Dringlichkeit der Thematik bewusst wird. Gerade den ansteigenden Meeresspiegel sollten sich die Hamburger mal anschauen.

Schweikert fehlt noch das endgültige Okay für die Aufstellung des Climate Planet, doch er hat dem neuen Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) bereits einen Brief geschrieben, und weil sich dieser bei vorherigen Klimawochen stark engagiert hat, zeigt sich Schweikert „ganz optimistisch“, dass sein Vorhaben wie geplant umgesetzt wird. Auch, weil die Hamburger Klimawoche nach Ansicht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen seit Anbeginn die größte ­– übrigens kostenlose – Klimakommunikationsveranstaltung in ganz Europa mit mehr als einer Million Besucher und einer hohen Reichweite ist.

Ein prominenter Besucher hat bereits zugesagt: Seine Durchlaucht Fürst Albert II. von Monaco wird die Hamburger Klimawoche feierlich eröffnen. Der Fürst engagiert sich schon seit vielen Jahren für den Umweltschutz. Er hat eine Stiftung gegründet, die sich auf die Bereiche Klimawandel, Biodiversität und Wasserversorgung konzentriert, sie schafft Netzwerke für Forscher, Unternehmen und Einzelpersonen. „Monaco ist sicherlich nicht das größte Land der Erde, doch bin ich entschlossen, den Beweis anzutreten, dass es in Umweltangelegenheiten durchaus mit zu den erneuerungsfreudigsten zählt“, sagt Albert II.

Wissenschaftler sollen in der U 3 Mini-Vorträge halten

Auf der Klimawoche wird er eine Rede halten und natürlich eine immense Aufmerksamkeit für das Thema generieren. Schweikert und der Fürst kennen sich seit vielen Jahren, sie hatten beruflich immer wieder miteinander zu tun, im Juni erhalten sie gemeinsam den Europäischen Kulturpreis.

Die Hamburger Klimawoche hat 2018 viele Partner: Neben dem Deutschen Klimarechenzentrum, dem Blauen Engel und der Edmund Siemers-Stiftung, der Stiftung Offshore Windenergie und dem neuen Schülerforschungs­­zentrum werden auch die Hamburger Bücherhallen, Budnikowsky, car2go, die Hamburg Messe und die Hochbahn mitmachen. Angedacht ist zum Beispiel, dass Wissenschaftler in der U 3 Mini-Vorträge von Station zu Station halten. So kommt der Naturschutz in Fahrt.

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