Bockum

Musikvideo aus SOS-Kinderdorf

Youtube Musikvideo SOS Kinderdorf Bockum Lied "Anna"

Youtube Musikvideo SOS Kinderdorf Bockum Lied "Anna"

Foto: SOS Kinderdorf

Die Band vom Hof Bockum begeistert mit einer Coverversion des Trio-Hits „Anna“.

Bockum.  Am Ende fliegt auch noch ein BH auf die Bühne. Dort oben rocken Marcel, Frank, Calo, Daniel und David – die Bockum Band. Sie spielt sich die Seele aus dem Leib und versetzt den Kuhstall kurzerhand in einen brodelnden Rockschuppen. „Anna, lass mich rein, lass mich raus“, dröhnt es aus den Boxen. Das Publikum ist völlig aus dem Häuschen.

Die fünf jungen Männer gehören zur Band des SOS-Hofes Bockum, 60 Kilometer südlich von Hamburg in der Lüneburger Heide gelegen. Ein idyllischer Ort, an dem 64 erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung leben und arbeiten. Ein Ort, der nun schlagartig im ganzen Land bekannt werden dürfte.

Schuld daran ist, wenn man so will, Manfred Thurau vom SOS-Kinderdorf Harksheide. Als der Sozialpädagoge die Band vor zwei Jahren das erste Mal bei einer Spendengala in Hamburg gehört hat, war er sofort hin und weg. „Die Jungs haben eine unglaubliche Ausstrahlung und extrem geile Fans“, sagt Thurau. „Ich wollte sofort, dass mehr Leute die Bockum Band kennenlernen, weil die nämlich unglaublich viel Spaß machen.“ Also beschloss er, mit der Band ein Musikvideo zu drehen.

Seit fünf Jahren gibt es die Bockum Band, die sich in einem Übungsraum auf dem Hof als Erstes an den Song „Kompliment“ von den Sportfreunden Stiller rantraute. Zwei Jahre später folgte der erste Auftritt in Hamburg in der Bar 227. Weitere Auftritte folgten in Kaltenkirchen, Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin. Und nun das YouTube-Video mit einer Coverversion des Trio-Hits „Anna“, welche Band träumt nicht davon? „Das Video ist super. Ich will damit groß rauskommen, erfolgreich werden und am besten auch noch reich“, sagt Marcel, der Gitarrist. Insgeheim hoffen sie natürlich alle auf mindestens eine Million Klicks im Netz. Aber noch wichtiger ist es, den Menschen die Lebensfreude zu vermitteln, die in Bockum vorherrscht. „Eine Band mit Musikern, die in unserer Einrichtung leben und Spaß daran haben, Musik zu machen – das ist ein tolles Medium, um Menschen mit Behinderung die Teilhabe am öffentlichen Leben zu ermöglichen“, sagt Manfred Persy, Leiter des SOS-Hofes Bockum.

Umgesetzt hat das einmalige Filmprojekt die Hamburger Agentur Stroomer. „Das Video war für uns ein außergewöhnliches Projekt“, sagt Inhaberin Christina Stroomer.

Manfred Thurau, der gerne ausgefallene Ideen entwickelt, ist „ziemlich stolz auf das, was wir machen“. Und irgendwie sei das Video auch eine Antwort auf die Fragen: „Wie soll das eigentlich aussehen, das Leben von Menschen, die auf unsere Hilfe angewiesen sind – und warum nicht so, voller Lebensfreude?“