Kreis Pinneberg

Warum lachen alle immer über Pinneberg?

Andreas Lange, Chef des Satire-Magazins „extra 3“, wuchs dort auf und verantwortet mitunter Spott darüber

Kreis Pinneberg.  In Andreas Langes Büro im achten Stock des NDR-Gebäudes in Hamburg-Lokstedt hängt das „extra 3“-Neonlogo, das in den Jahren von 1989 bis 1997 im TV-Studio hing. Hier befindet sich die Schaltzen­trale politischer Satire. Denn als Redaktionsleiter ist Lange verantwortlich für die inhaltliche Korrektheit der Beiträge und Moderationen.

Auch seine Heimat, der Kreis Pinneberg, bleibt von den bissigen Beiträgen nicht verschont. So dichtete der neue Moderator des realen Irrsinns XXL, Maxi Schafroth, gerade erst wieder ein Lied über Elmshorn. Die Stadt hatte es bereits vor einem Jahr mit ihrem neu eingeführten Supernormal-Slogan in die „extra 3“-Sendung geschafft. Der Beitrag endete mit dem unvergesslichen Satz: „Immerhin nicht Pinneberg.“

Pinneberg scheint gut für Spott zu sein. Das spürte Lange auch am eigenen Leib, wenn er mit dem Auto in Hamburg unterwegs war und wegen seines PI-Kennzeichens (der Großstädter glaubt, es sei die Abkürzung für Provinz-Idiot) auffällig oft angehupt wurde. „Jeder, der aus dem Kreis kommt, kennt solche Vorurteile. Da braucht es schon etwas Selbstironie“, sagt Lange. Besonders schön sei Pinneberg wirklich nicht. Und in jedem Vorurteil stecke immer ein wahrer Kern. „Vielleicht muss man den Irrsinn der Provinz selber erlebt haben, um sich darüber lustig machen zu können“, sagt der gebürtige Pinneberger. Heute lebt er mit seiner Frau und zwei Söhnen in Hamburg-Eimsbüttel. „Pinneberg ist immer noch Heimat für mich. An jeder Ecke hängen Erinnerungen“, sagt der 47-Jährige.

Seine ersten Lebensstationen spielten in Pinneberg: Geburt, Kita, Abi, Auftritte mit der Schülerband, Fußball beim VfL, Zivildienst bei der Awo, freier Reporter fürs „Tageblatt“. Auch heute noch zieht es ihn immer wieder hierher. Seine Eltern leben in Prisdorf. Lange versichert, der Kreis sei nicht häufiger im Fokus der Sendung als andere Orte. Gern denkt Lange an seine Jugend in Pinneberg zurück. Wie er mit seiner Band im ersten Tonstudio der Brüder Chris und Carol von Rautenkranz in einer Scheune in Prisdorf ein Demotape aufnahm. Die Rautenkranz-Brüder wurden später bedeutende Größen in der Musikszene und produzierten Bands der Hamburger Schule wie Blumfeld, Tocotronic oder Die Sterne. Sowieso habe der Kreis trotz seines zweifelhaften Rufs immer wieder interessante Persönlichkeiten hervorgebracht, wie die Jungs von Fettes Brot zum Beispiel oder Michael Stich.

Und mit seinem „total verrückten“ Schulkameraden Tim Mälzer aß Lange schon Ravioli aus der Dose. „Ich hätte nie gedacht, dass er mal Koch wird.“ Vor drei Wochen hatten sie sich bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises wiedergetroffen, wo Mälzer für seine unterhaltsame Art zu Kochen und das Team von „extra 3“ für die ­beste Comedy ausgezeichnet wurden.