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Potenzielle Käufer sind Finanzinvestoren aus den USA

Einem der Interessenten gehören bereits 5,1 Prozent der Nordbank

Wer interessiert sich für eine Bank, die seit Jahren nur mit staatlicher Hilfe über Wasser gehalten werden kann? Drei Finanzinvestoren sind in die Schlussrunde des Bieterwettstreits gekommen. Finanzinvestoren kaufen Unternehmen zu einem möglichst niedrigen Preis, um sie dann rentabler zu machen und mit Gewinn wieder zu veräußern. Kritiker nennen sie „Heuschrecken“, weil sie so schnell, wie sie kamen, auch wieder verschwinden – und zwischendurch alles kahl fressen.

Ob dieses Verhalten auch auf die Interessenten der HSH Nordbank zutrifft, darf bezweifelt werden. Denn zumindest zwei von ihnen, Apollo und das Konsortium aus Cerberus und J.C. Flowers, sind bereits im deutschen Bankenmarkt aktiv – und könnten ihr Geschäft mit einem Zukauf der HSH Nordbank ausbauen. Die Motive des dritten Interessenten, Socrates Capital aus London, sind weitgehend unbekannt – wie auch das Unternehmen selbst.

Cerberus und J.C. Flowers haben in dem Rennen um die Bank im Moment die Nase vorn – vielleicht auch wegen eines Vorkaufsrechts für Flowers. Mit diesem Konsortium wird in diesen Tagen exklusiv verhandelt. Apollo kommt wohl nur noch zum Zuge, wenn die Gespräche scheitern sollten.

Das US-Unternehmen Cerberus Capital Management wurde 1992 von dem Investmentbanker Stephen Feinberg gegründet. Benannt ist es nach dem Höllenhund aus der griechischen Mythologie. Feinberg ist Milliardär, pflegt aber einen unauffälligen Lebensstil und verlangt das auch von seinen Mitarbeitern. Sein Unternehmen ist seit Jahren auch in Europa tätig. In Deutschland hat es viele Immobilienfirmen gekauft, so etwa 2005 die BauBeCon-Gruppe in Hannover mit 20.000 Wohnungen. 2006 erwarb Cerberus vom österreichischen Gewerkschaftsbund die Mehrheit an der Bawag P.S.K., der viertgrößten Bank des Alpenlandes. 3,2 Milliarden Euro mussten damals dem Vernehmen nach gezahlt werden. 2017 ging Cerberus mit der Bank an die Börse. 40 Prozent der Anteile wurden verkauft, rund 1,9 Milliarden Euro sollen dafür in die Bawag-Kassen gekommen sein.

Im Herbst 2017 wurde bekannt, dass die Bawag die Stuttgarter Südwestbank übernehmen wird. Wirtschaftsfachleute werteten das als Einstieg in eine Deutschland-Expansion. Der nächste Schritt folgte rasch. Im Dezember teilte das Unternehmen mit, dass es die kleine Deutscher Ring Bausparkasse mit Sitz in Hamburg erwerben wird. Ein Zukauf der HSH Nordbank hat da durchaus eine gewisse Logik.

Der Finanzinvestor J.C. Flowers, der gemeinsam mit Cerberus ein Gebot abgegeben hat, ist bei der HSH bestens bekannt. Schließlich gehört ihm bereits seit Jahren ein Teil der Bank. Derzeit sind es noch 5,1 Prozent. Wegen dieser Beteiligung kommt er in den Genuss eines Vorkaufsrechts für die anderen Nordbank-Anteile. Mit seinem HSH-Anteil hat Flowers allerdings bislang nur Verluste gemacht. Auch sein 2009 gescheitertes Engagement bei der Münchner Immobilienbank Hypo Real Estate dürfte ihn viel Geld gekostet haben.

Den US-Finanzinvestor Apollo Global Management gibt es seit 1990. Das Unternehmen gehört dem Milliardär und Kunstsammler Leon Black. Er machte 2012 Schlagzeilen, als er das weltberühmte Bild „Der Schrei“ des norwegischen Malers Edvard Munch ersteigerte. 120 Millionen Dollar kostete ihn „Der Schrei“.

Auch Apollo ist seit einiger Zeit in Deutschland tätig. Das Unternehmen kaufte 2014 die Bremer Kreditbank (BKB), 2016 das Bremer Bankhaus Neelmeyer und im vergangenen Jahr schließlich die Oldenburgische Landesbank. Auch hier ist das Interesse an der HSH Nordbank leicht erklärbar.

Für beide Interessentengruppen ist die HSH ein ziemlich großer Brocken. Die Bilanzsumme der Bawag P.S.K. (39,7 Milliarden Euro) ist nur etwa halb so hoch wie die der Nordbank (84,4 Milliarden). Alle anderen hier genannten Geldinstitute sind noch erheblich kleiner. So kommt die Bremer Kreditbank nur auf eine Bilanzsumme von 2,1 Milliarden Euro.